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175 Jahre Spielbank: Als Konzessionär Werner Wicker die Spielbank umkrempelte

Am 23. Mai 1841 eröffneten die Gebrüder Blanc in Bad Homburg ein Spielcasino. 175 Jahre ist das her. Dieses Jubiläum ist der François-Blanc-Spielbank GmbH ein Jahr voller Feierlichkeiten wert. Die TZ widmet dem Casino eine mehrteilige Serie. Heute berichtet Stadthistorikerin Gerta Walsh über den Zeitraum der Werner-Wicker-Jahre bis heute.
Die Spielbank unter freiem Himmel war eine Neuerung, die unter Konzessionär Werner Wicker (Foto unten) in Spielbank eingeführt wurde. Bilder > Die Spielbank unter freiem Himmel war eine Neuerung, die unter Konzessionär Werner Wicker (Foto unten) in Spielbank eingeführt wurde.
Bad Homburg. 

Werner Wicker führte von 1976 an, nachdem er die Konzession von Hermann Heidtmann übernommen hatte, eine Reihe von Neuerungen ein und erhöhte die Einnahmen der Spielbank beträchtlich. Eine außergewöhnliche Leistung, besonders, weil sich die Zahl der Spielbanken in Deutschland in jener Zeit von 13 auf 50 erhöhte. 1980 eröffnete Wicker die Taunus-Therme – quasi die Morgengabe zur Konzession. Im Oktober 1981 kamen die ersten elektronisch gesteuerten Automaten in den Anbau des Brunnensälchens – mittlerweile gibt es um die 160.

Bei der Verlängerung des Pachtvertrags sagte die Wicker-KG 1985 zu, für fünf Millionen ein Parkhaus errichten zu lassen, was aber wegen verschiedener baulicher Bedenken erst 16 Jahre später realisiert wurde. Eine Neuheit besonderer Art wurde im Juni 1984 das „Open-Air-Casino“ auf der Dachterrasse, wo die Gäste unter dem Laub einer Linde im Sommer Roulette spielen konnte. Wegen Erweiterungen des Hauses musste dieser romantische Ort später aufgegeben werden. Seit März 1986 darf auch die Bevölkerung Bad Homburgs und des Hochtaunuskreises am Spiel teilnehmen, das Hessische Innenminister Hessens hatte das Residenzverbot aufgehoben.

Allen Veränderungen zum Trotz hielt die Geschäftsführung das Gedenken an das Ehepaar Blanc wach. Bereits am 27. Juli 1977, dem 100. Todestag von Francois Blanc, wurde ein Jeton aus 14-karätigem Gold im Wert von 100 D-Mark vorgestellt, im Mai 1983 ein Bildnisrelief Blancs, geschaffen von der Bad Homburger Bildhauerin Ortrud Krüger-Stohlmann, an der Außenwand des Casinos befestigt.

1999 waren 50 Jahre seit der Eröffnung von 1949 vergangen, was Werner Wicker als besonderen Einschnitt empfand. Er veröffentlichte den Erfolg dieser Jahre in Zahlen. Die Stadt hatte 434 Millionen D-Mark an Abgaben erhalten, die Zahl der Angestellten des Casinos war von 178 auf 281 gestiegen, worunter sich seit 1997 auch weibliche Croupiers befanden.

Mitte der 2000er Jahre sanken die Einnahmen der Spielbanken jedoch. Dies lag nicht zuletzt am neuen Staatsvertrag und dem Gesetz zum Schutze der Nichtraucher, was allen Spielbank-Betreibern hohe Kosten verursachte. Dazu gehörte die Einführung einer bundesweit zentralen Datei für Spieler, die eine Spielbank nicht mehr betreten dürfen. Einschränkungen in der Werbung bedeuteten unter anderem, dass Internet-Casinos nicht mehr erlaubt sind und das Mobile Casino seine Auftritte einschränken musste. Für alle Spielarten müssen spezielle Nichtraucher-Räume vorhanden sein, während das Restaurant nach wie vor rauchfrei bleibt. In der Zeit der Blancs im 19. Jahrhundert bestand übrigens in den Spielsälen auch das Rauchverbot!

Der Vertrag mit der Wicker-KG endete nach 36 Jahren am 31. Dezember 2012. Am nächsten Tag übernahm die François-Blanc-Spielbank-Gesellschaft GmbH, eine Tochter der Kur- und Kongreß-GmbH die Spielbank. Das 1838 erbaute Brunnensälchen ist weiterhin Eigentum der Kur- und Kongress-GmbH. Als Spielbank-Direktor wurde Lutz Schenkel engagiert, der auf eine lange Erfahrung zurückblicken kann. Und siehe da: Seit der großen Sanierung des Casinos sprudeln auch wieder die Einnahmen.

Den Spielern und natürlich der Stadt Bad Homburg ist zu wünschen, dass die Bronze-Skulptur des Joker „Das Homburger Glück“, die im Foyer steht, allen Beteiligten treu bleibt.

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