E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Bad Homburg 15°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Faszinierend: Als die Tauben fotografieren lernten

Von Die fotografierenden Brieftauben von Julius Neubronner waren so etwas wie die Vorläufer der Drohnenfotografie. Ein Buch nimmt die Betrachter mit auf die Reise durch sein Archiv.
<span></span>

Während des Kalten Krieges war es kompliziert, Luftaufnahmen zu verbreiten. Sie mussten – wegen der Gefahr des Ausspähens von militärisch relevanten Objekten – vom Regierungspräsidenten freigegeben werden. Heute sind Luftaufnahmen allgegenwärtig: Wir sind es gewohnt, in die Satellitenaufnahmen von Google Earth hineinzuzoomen, bis wir die Terrasse unserer Wohnung erkennen. Wir kennen die Kronberger Burg aus der Vogelperspektive, weil es heute ein Leichtes ist, (bewegte) Aufnahmen mit einer Drohne zu machen.

Die Vogelperspektive einzunehmen, das war schon seit den frühen Tagen der Fotografie ein Faszinosum. Der Kronberger Julius Neubronner (8. Februar 1852 – 17. April 1932), der seinen Tauben das Fotografieren beibrachte, begeistert immer wieder aufs Neue.

„Neubronner hatte eine geniale Idee, die Jahre vor der Entwicklung der ersten Flugzeuge erstanden ist. Er war ein Pionier, und Persönlichkeiten wie seine, die die Welt von einer anderen Perspektive beobachten wollen, sind äußerst interessant für uns“, teilt Michele Degiorgis vom Rofhof-Verlag auf Anfrage über die Motivation mit, ein aufwendiges Buch mit dem Titel „The Pigeon Photographer – by Julius Neubronner and his Pigeons“ zu veröffentlichen. „Seine Tauben haben das gemacht, was heute Drohnen machen, und das vor 100 Jahren.“ Und: „Neubronners Idee war und ist heute noch so spannend, dass es keine großen Verschönerungen und Gesten braucht, um das Material wahrzunehmen.“

Das „Buch“ unterteilt sich in drei Teile: Da ist das eigentliche Buch, in dem sich nur Fotografien befinden, die die Tauben mit ihren umgeschnallten Minikameras von verschiedenen Orten gemacht haben. Besonders beeindruckend sind die Aufnahmen vom Anflug auf das Kronberger Schloss. Bei einem Bild sind die Flügelspitzen der Taube zu sehen, sie rahmen das Motiv links und rechts ein. Das verwendete Material stammt aus zwei Archiven: dem Stadtarchiv Kronberg und dem Technischen Museum Berlin.

Der Zufall fliegt mit

Die Formate der Bilder sind unterschiedlich: Es gibt Aufnahmen auf quadratischen Negativen und es gibt Aufnahmen in einem moderaten Panoramaformat. Der Aufnahmezeitpunkt der Minikameras war mechanisch programmiert, was letztlich auf dem Bild zu sehen war, bestimmte zu einem erheblichen Anteil der Zufall. Obwohl sich Neubronner die größte Mühe gab, vorauszuplanen, wann die Kamera auf der vorgesehenen Route der Brieftaube auslöst. Und so gibt es zwei Bilder von der Kronberger Altstadt (Schirn und Tanzhausstraße), die entstanden, als die Tauben noch in Bodennähe waren.

Ein anderes Foto hingegen zeigt die Straßenecke einer Stadt beinahe senkrecht von oben: mit Straßenbahnschienen, Passanten und Pferdefuhrwerken. Wahrscheinlich handelt es sich um Berlin. Informationen zu den jeweiligen Bildern sucht man – bis auf den Quellennachweis auf einer der letzten Seiten vergebens. Der ästhetische Eindruck der Bildpräsentation sollte offensichtlich nicht durch Texte geschmälert werden. Doch auch Leser kommen nicht zu kurz.

Die fotografierenden Tauben wurden als Weltwunder gefeiert. Bild-Zoom
Die fotografierenden Tauben wurden als Weltwunder gefeiert.

Dem Buch liegt ein Heftchen mit einem Essay auf Englisch von Joan Foncuberta bei. Unter dem Titel „Dronifying Birds, Byrdifying Drones“ , also in etwa: Vögel als Drohnen und Drohnen als Vögel, ordnet der spanische Fotograf und Theoretiker Neubronners Erfindung technisch, historisch und kulturell ein. Inklusive des Hinweises, dass Drohnen nicht selten nach Vogelarten benannt würden.

Abgerundet wird das Paket durch eine Sammlung von Artikeln und Anzeigen rund um die fotografierenden Tauben von Europa bis nach Australien. Passenderweise hat der Verlag hierzu das Format einer Zeitung gewählt. Hier sehen die Betrachter schwarz auf weiß, dass faszinierende Neuigkeiten weltweit zirkulieren konnten – auch ohne Internet.

Zur Startseite Mehr aus Vordertaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen