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Wegen Sanierung: Alte Rathaus-Möbel bei Flohmarkt abgegeben

Das Rathaus wird saniert, die vierte und die dritte Etage sehen schon wieder aus wie neu – von kommendem Montag an ist der zweite Stock dran, der nach der Renovierung natürlich auch mit neuem Mobiliar bestückt wird. Weswegen alles Alte raus musste und Montag und Mittwoch ordentlich geschwitzt wurde. Die Möbel wurden nämlich günstig im Rahmen eines Flohmarkts abgegeben – an Selbstabholer. Auch Redakteurin Sabine Münstermann konnte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen.
Cornelia Henrizi-Freund von der Stadtverwaltung Bad Homburg zeigt eine Torpedo Schreibmaschine aus den 1960er Jahren. Foto: Jochen Reichwein Cornelia Henrizi-Freund von der Stadtverwaltung Bad Homburg zeigt eine Torpedo Schreibmaschine aus den 1960er Jahren.
Bad Homburg. 

Eigentlich wollte ich am Montag ja nur ins Rathaus, um mal zu schauen, wer sich beim Büromöbelflohmarkt so alles tummelt, wer was mitnimmt, wie sich die Mitarbeiter so fühlen, wenn ihnen die Stühle sozusagen unterm Tisch weggezogen werden. Aber dann kamen diese beiden Schreibtischlampen dazwischen. Die eine voll retro, mit dickem, breitem Rahmen in Türkis – Lieblingsfarbe meiner kleinen Tochter –, die andere knallblau, modern, stabil, perfekt für den Schreibtisch meines Ältesten. Ich kann meinen Blick gar nicht von den beiden Lampen wenden und höre Cornelia Henrizi-Freund von der Zentralen Verwaltung der Stadtverwaltung erst mal nur mit halbem Ohr zu, als sie erzählt, dass sie und ihre Mitarbeiter in den vergangene drei Wochen praktisch nichts anderes getan hätten, als Preisschilder zu schreiben und sie auf das entsprechende Mobiliar zu kleben. Schließlich geht es hier um Hunderte Möbelstücke.

„Entschuldigung, Sie sagten, alles hier im zweiten Stock steht zum Verkauf?“, frage ich die Organisatorin dieses zweitägigen Büromöbelflohmarkts im Stadthaus. „Ja, alles“, sagt sie und deutet beim Gang durch das Stockwerk auf Büros rechter- und linkerhand, in denen Hunderte von Dreh- und Konferenzstühlen, Schreibtischen in allen Größen, kleinen Beistelltischchen, runden Tischchen für kleine Konferenzecken, ovalen, großen für Konferenzräume, Lederstühle mit und ohne Armlehne, Rollwagen, Tritte, aber auch Schreibmaschinen (!) – für 15 Euro das Stück stehen und sogar alte, aber tadellos funktionierende Rechenmaschinen. Zu dumm, dass meine Kinder aus dem Alter raus sind, in denen sie Kaufmannsladen spielen. Daran hätten sie sicher ihre Freude gehabt, denke ich. Um ehrlich zu sein: Ich wahrscheinlich auch.

„Würde prima passen“

Ihre Freude hätte eine junge Frau, die im Stadtladen zu tun hatte und die Gelegenheit spontan zum Stöbern beim Flohmarkt nutzte, ja furchtbar gerne am Schnäppchenkauf eines kleinen runden Tisches mit vier Stühlen. „Ich ziehe gerade um – und so ein Ensemble würde prima in meine neue Küche passen“, sagt sie. Allein – es ist schon reserviert, und zwar für die städtische Kita Hausmannspark. Denn natürlich hat die Stadt nicht nur zahlreiche Anfragen von Vereinen und Firmen bekommen, sondern eben auch von städtischen Außenstellen wie den Kitas. „Für die dann schon das eine oder andere Möbelstück reserviert wurde“, wie Henrizi-Freund erklärt.

Tatsächlich standen am Montagmorgen aber auch zahlreiche Privatleute Schlange. Umgeben von netten befreundeten Helfern, die sich als Möbelpacker zur Verfügung stellten, schleppten sie Regale, Rollcontainer und Lederchefsessel auf Rollen davon. Klar – bei den Preisen: Tische für 15, Stühle für 10 bis 15 Euro – da gingen dann auch schon mal ganze Konferenzzimmereinrichtungen weg wie warme Semmeln, gekauft von jungen Unternehmen.

Einiges landet auf Sperrmüll

Henrizi-Freund freut’s, denn: „Wir bekommen nach der Renovierung hier im zweiten Stock ja neues Mobiliar. Das Alte ist aber in vielen Teilen noch gut – und es wäre doch schade, wenn wir es wegwerfen müssten.“ Tatsache ist: Was bis Mittwochabend nicht verkauft wurde, landet tatsächlich auf dem Sperrmüll.

„Geht auch gar nicht anders“, sagt Henrizi-Freund: „Denn am Montag wird hier mit der Renovierung losgelegt, da muss alles leer sein.“ Und deswegen greife am Ende auch ich zu und schnappe mir die beiden Schreibtischlampen, die es mir von Anfang an angetan haben. Für drei Euro das Stück kann man auch wirklich nicht viel falsch machen.

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