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Integrationsfachdienst Rhein-Main (IFD): Arbeit bedeutet Teilhabe am Leben

Seit über 20 Jahren kümmert sich der Integrationsfachdienst Rhein-Main (IFD) von Bad Homburg aus darum, dass Menschen mit Behinderung im Hochtaunuskreis einen ihren Fähigkeiten entsprechenden Ausbildungs- oder Arbeitsplatz finden. Auch die Begleitung von eingeschränkten Arbeitnehmern gehört zum Aufgabenfeld. TZ-Mitarbeiterin Gabriele Calvo Henning stellt den IFD vor, der in jüngster Zeit bei den Arbeitgebern auf immer mehr Kooperationswillen stößt.
Kerstin Roth (links) und Monika Mathes kümmern sich beim Integrationsfachdienst darum, für Behinderte passende Arbeitsplätze zu schaffen. Kerstin Roth (links) und Monika Mathes kümmern sich beim Integrationsfachdienst darum, für Behinderte passende Arbeitsplätze zu schaffen.
Hochtaunus. 

Ein leitender Angestellter erleidet plötzlich einen Schlaganfall. Bald ist klar, dass er seine frühere Tätigkeit nicht mehr fortführen kann. Trotzdem will er weiterarbeiten, am liebsten in seinem alten Betrieb. „Auch der Arbeitgeber wollte seinen Angestellten nicht verlieren“, berichtet Kerstin Roth, die den Integrationsfachdienst Rhein-Main (IFD) am Standort Bad Homburg leitet.

Individuelles Arbeitsverhältnis

„Beide waren jedoch zunächst ratlos, wie sie mit der neuen Situation umgehen sollten. Unsere Aufgabe war es, in einer ausführlichen Beratung, herauszufinden, wie und in welchem zeitlichen Rahmen der Angestellte die ihm gebliebenen Fähigkeiten in seiner alten Firma einsetzten kann.“ Herausgekommen ist ein individuell angepasstes Arbeitsverhältnis auf Teilzeitbasis, wobei der Arbeitnehmer zusätzlich eine Teilerwerbsminderungsrente bezieht. Und weil er auch bei der neu geschaffenen Stelle nicht alle Aufgaben übernehmen kann, bekommt der Arbeitgeber über einen Lohnkostenzuschuss einen Ausgleich vom Intergrationsamt. Hier konnte der IFD durch Hilfe bei der Beantragung unterstützen.

Ansprechpartner

Der Integrationsfachdienst Rhein-Main mit Sitz in Bad Homburg (IFD) ist Ansprechpartner bei allen Fragen rund um das Thema „Behinderung im Arbeitsleben“. An ihn können sich sowohl

clearing

Fälle wie dieser gehören zum täglichen Geschäft des IFD. Das vierköpfige Team aus Pädagogen, Sozialpädagogen und Betriebswirten begleitet im Hochtaunuskreis aktuell rund 100 Klienten, die in einem laufenden Arbeitsverhältnis stehen und wegen einer Behinderung, einer Suchterkrankung oder einer psychischen Problematik zwar eingeschränkt sind, andererseits aber noch arbeiten können und dies auch wollen.

1994 gegründet und getragen vom Oberurseler psychosozialen Verein „Perspektiven e. V.“ arbeitet der IFD auch als Arbeitsvermittler. In enger Zusammenarbeit mit dem kommunalen Jobcenter des Kreises macht er sich auf die Suche nach Betrieben, die für die berufliche Integration von Menschen mit Einschränkungen infrage kommen und Ausbildungs- oder Arbeitsplätze bereitstellen könnten.

Blick auf die Fähigkeiten

Das sei in den vergangenen Jahren etwas einfacher geworden, sagt IFD-Leiterin Roth. „Ich habe den Eindruck, dass bei den Arbeitgebern der Blick auf die Defizite unserer Klienten weggeht und verstärkt auf die Fähigkeiten der Menschen geachtet wird.“ Dazu beigetragen hätten sicherlich auch die vielen Förder- und finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten, die es für Arbeitgeber gebe. Trotzdem gebe es immer wieder Firmenchefs, die befürchten, einem einmal eingestellten Menschen mit Behinderung nicht kündigen zu können. „Dann kann erst einmal eine Probearbeit vereinbart oder zeitlich befristet eingestellt werden“, schlägt die IFD-Leiterin in solchen Fällen vor.

Dabei gibt es vom IFD nicht nur Hilfestellung bei der behindertengerechten Einrichtung des Arbeitsplatzes, sondern auch für den Umgang miteinander, bei dem sich viele unsicher sind. Das können zum Teil auch ganz einfache Tipps sein, so Roth: „Nehmen Sie einen blinden oder sehbehinderten Menschen. Damit der seine Kaffeetasse finden kann, reicht der Hinweis, dass die Tasse vor ihm auf der Postition ,ein Uhr’ steht.“

Nach über 20 Jahren arbeitet der IFD heute mit vielen Firmen und Betrieben in der Region zusammen, bietet einen Arbeitskreis für deren Schwerbehindertenvertreter an und hält engen Kontakt zu den amtlichen Stellen auf Kreisebene.

Allein im vergangenen Jahr konnten mit 27 Prozent fast ein Drittel der 130 arbeitsuchenden IFD-Klienten vermittelt werden – das sei ein ziemlich guter Wert, so Roth. Für sie alle gilt, so der IFD in seinem Leitbild, dass sie trotz ihrer Einschränkung aktiv am gesellschaftlichen Leben teilhaben und so ihre Selbständigkeit und ihr Selbstwertgefühl nachhaltig stärken können.

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