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Menschlichkeit: Arbeitskreis Asyl und Amnesty International wollen an der Willkommenskultur festhalten

Zum „Sommer der Solidarität“ haben der Arbeitskreis Asyl und Amnesty International am Samstag geladen. Gemeinsam wurde auf dem Houiller Platz das „Offene Friedrichsdorf“ gefeiert und sich zum Festhalten an der „Willkommenskultur“ bekannt.
Auf dem Houiller Platz bestand die Möglichkeit, andere Kulturen kennenzulernen. Viele Friedrichsdorfer machten davon Gebrauch. Foto: Jochen Reichwein Auf dem Houiller Platz bestand die Möglichkeit, andere Kulturen kennenzulernen. Viele Friedrichsdorfer machten davon Gebrauch.
Friedrichsdorf. 

Wenn Regine Trenkle-Freund über die aktuelle politische Debatte in der Bundesrepublik spricht, gerät sie in Rage. „Von der Politik wird die Flüchtlingsthematik nur deshalb auf die Agenda gesetzt, um von wahren Problematiken wie Altersarmut und Wohnungsnot abzulenken“, sagt die Vorsitzende des Friedrichsdorfer Arbeitskreis Asyls. Dass mittlerweile wieder Menschen nach Afghanistan abgeschoben würden, darüber kann die 62-Jährige nur mit dem Kopf schütteln. „Die dortige Situation hat sich in den vergangenen Jahren nicht verbessert, sondern verschlimmert. Ein vor kurzem erschienener Bericht der UN hat klar festgehalten, dass es selbst in der Hauptstadt Kabul nicht sicher ist“, so Trenkle-Freund. Sorgen bereite ihr vor allem die Geisteshaltung, die sich in Europa ausbreite. Eigene Interessen würden über den Schutz von Menschen gestellt, die Stimmung sei zuungunsten der Geflüchteten gekippt.

Auf dem Houiller Platz wollen sie und ihre Mitstreiter dem am Samstagnachmittag entgegentreten. Gemeinsam mit Amnesty International Friedrichsdorf/Bad Homburg hat der Arbeitskreis zum „Sommer der Solidarität“ geladen. Die Veranstaltung läuft unter dem Motto „Hand in Hand gegen Rassismus! Menschenrechte haben keine Grenzen!“ Man wolle Gesicht zeigen und gemeinsam feiern, sagt Trenkle-Freund.

Afghanischer Reis

Der Platz ist gut gefüllt. Menschen unterschiedlichster Kulturen und Hautfarben haben sich versammelt, lauschen den Darbietungen des Kinderchors der Burgholzhäuser Grundschule, diskutieren an den aufgestellten Biertischen und laben sich an den von den Teilnehmern mitgebrachten kulinarischen Köstlichkeiten. Ein echter Renner ist der afghanische Reis mit Rosinen und Hühnchen von Mahmoud Sherzad (36). „Den hat meine Ehefrau gemacht“, sagt der vor drei Jahren nach Friedrichsdorf gekommene Afghane und ergänzt stolz: „Natürlich habe ich mitgeholfen.“ Schnell ist das Schälchen leer.

Trenkle-Freund steht derweil mittlerweile auf der am oberen Ende des Platzes aufgebauten Bühne und ruft: „Nehmt die Leute auf. Lasst sie nicht im Mittelmeer ertrinken. Wir halten an der Willkommenskultur fest!“ Zustimmendes Nicken im Publikum, so denken wohl alle hier. Klaus Herzog zitiert aus der Bibel: „Ich bin ein Fremder gewesen, ihr habt mich aufgenommen (Matthäus 25/35).“ Der 55-Jährige ist gekommen, weil er sich den Geflüchteten gegenüber in der Verantwortung sieht. „Unser Wohlstand ist aus der Armut anderer erwachsen“, bilanziert der Friedrichsdorfer, der ehrenamtlich Deutschkurse gibt. Dass die europäischen Regierungen versuchen würden, geflüchtete Personen an der nordafrikanischen Küste festzusetzen, ist für Herzog „ein Hammer“. Jeder wisse, dass Libyen von Clans beherrscht werde und Flüchtlinge in den dortigen Lagern versklavt und vergewaltigt werden würden. „Uns geht es so gut und wir schaffen es dennoch nicht, uns in das Leid anderer hineinzuversetzen“, sagt Sabine Heinrich. Sie schäme sich für die deutsche Politik. Die Angst vor Überfremdung entstehe oftmals aus Unkenntnis. Es gebe Leute, die Flüchtlingen gegenüber sehr negativ eingestellt wären und dabei keinen einzigen kennen würden. Heinrich: „Deshalb finde ich Aktionen wie heute so schön. Man feiert zusammen und lernt sich besser kennen. Hier hat keiner Angst vor dem anderen.“ Das beweist die Feier tatsächlich.

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