E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Bad Homburg 19°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Bergretter: Auch an Silvester schieben Mitglieder der Bergwacht Dienst

Von Sobald ausreichend Schnee liegt, strömen Zehntausende in die Feldbergregion. Dann steigt auch die Unfallgefahr im Winter. Dann ist die Bereitschaft der Bergwacht auf dem Großen Feldberg gefragt als Retter in der Not – gerade in unwegsamem Gelände.
Hartmut Lischke (links) und Jürgen Windecker von der Bergwacht retten mit dem sogenannten Akia verunglückte Ausflügler in der Feldbergregion. Bilder > Foto: Pieren Hartmut Lischke (links) und Jürgen Windecker von der Bergwacht retten mit dem sogenannten Akia verunglückte Ausflügler in der Feldbergregion.
Hochtaunus. 

Der Ofen, in dem die Flammen kräftig lodern, strahlt behagliche Wärme aus. Zwar gibt’s auch im Haus der Bergwacht-Bereitschaft auf dem Großen Feldberg längst eine Heizung, doch dank des Ofens herrscht hier eine Hüttenatmosphäre, fast wie beim Skiurlaub in den Alpen. Ein kleines Schmankerl für die vier Mitglieder der Bergwacht, die an diesem Silvesterwochenende im Gemeinschaftsraum Dienst schieben werden.

Im Notfall wird die Bereitschaft sofort ausrücken, um Verunfallte zu versorgen und Menschenleben zu retten. „Gerade bei Tauwetter ist hier oben die Unfallgefahr hoch“, sagt Bergwacht-Bereitschaftsleiter Hartmut Lischke. „Tagsüber schmilzt der Schnee. Nachts ist es frostig, es friert erneut und eventuell fällt Schnee aufs Eis. Dann wird es gefährlich, weil man das Eis nicht sieht.“

Die Bergretter der Bergwacht sind ebenso an den sonnigen Winterwochenenden gefordert, denn dann ist der Besucherdruck aus dem Rhein-Main-Gebiet enorm ist. „Rund zwei Millionen Menschen leben im Einzugsgebiet von Wiesbaden bis Hanau und von Darmstadt bis Gießen. Sobald der erste Schnee auf dem Feldberg liegen bleibt, zieht es die Menschen hier hinauf“, sagt Bergretter Jürgen Windecker.

Besondere Gemeinschaft

Im Dezember ist die Bereitschaft der Bergwacht-Mitglieder groß, die Dienste an den Winter-Wochenenden abzudecken. Viele brennen förmlich auf den Winterdienst auf 881 Meter Höhe – alleine der besonderen Gemeinschaft wegen. „Im letzten richtigen Winter in der Saison 2009/10 lag hier oben von Ende Oktober bis Ende März durchgehend Schnee“, erinnert sich Lischke. „Da wurde es immer schwieriger, Mitglieder für die Bereitschaft zu motivieren.“

GPS kann Leben retten

Wenn Ausflüglern im Gelände – mitten im Wald oder auf einem schwer zugänglichen schmalen Pfad – etwas zustößt, dann werden die Retter der Bergwacht alarmiert.

clearing

Doch noch ist der Winter jung. Lischke und Windecker haben heute gemeinsam Dienst. Nach dem jüngsten Schneefall mussten sie erst einmal den Fußweg zur Bergwacht-Station frei kehren. Im Keller haben sie dann den Transport- und Rettungsschlitten, den Akia, auf seine Einsatzfähigkeit überprüft.

Auch die Vollständigkeit der Notfallrucksäcke und des Notfallkoffers sind gecheckt. An den Steckdosen des Gemeinschaftsraumes werden die Akkus sowohl der beiden tragbaren Vier-Meter-Funkgeräte, wie auch der neuen Digitalfunkgeräte geladen. Sobald ein Notruf der zentralen Leitstelle des Hochtaunuskreises eingeht, wird der Tausende Male trainierte Mechanismus ablaufen.

Die Bergwacht-Mitglieder schnappen sich die Funkgeräte, Notfallrucksäcke, den Akia, die bereitliegenden Steigeisen, die über die Bergstiefel gespannt werden. Stets mit dabei ist auch die Schaufel-Trage, mit der ein Verunglückter mit Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung „aufgegabelt“ werden kann, ohne ihn gefährlichen Bewegungen auszusetzen.

Kontakt zur Leitstelle

Ganz wichtig ist aber mittlerweile das GPS-Gerät. „Das kann Leben retten“, sagt Windecker. „Im Idealfall haben die Verunglückten selbst oder Begleiter die GPS-Daten der Unfallstelle bereits beim Notruf über das Smartphone durchgegeben. Es ist nämlich nicht leicht, die Unfallstelle zu finden. Die Stelle, wo sich der Unfall ereignet hat, wird aber von den Mitarbeitern in der zentralen Leitstelle sofort abgefragt. Hier oben gibt’s schließlich weder Straßennamen noch Hausnummer.“ Wenn die GPS-Daten noch nicht bekannt sind, werden die Bergretter diese sofort der Leitstelle durchgeben, sobald sie den Verunglückten erreicht haben. Denn mitunter müssen weitere Retter zu der Unglücksstelle in unwegsamem Gelände dirigiert werden.

In ihrem Notfallrucksack haben die alles dabei, was für die Erstversorgung benötigt wird: Sauerstoffflasche, Defibrillator, Schienungsmaterial für Brüche, Medikamente wie Adrenalin für die Reanimation, Glukose bei Unterzuckerung, Spritzen, die Instrumente um einen Zugang für Infusionen zu legen, aber auch Kochsalzlösung als Trägermittel für Infusionen. Natürlich auch gewöhnliches Verbandszeug.

„Notfallmediziner können in der sogenannten Notkompetenz Infusionen anlegen, bis der Notarzt eintrifft“, erklärt Lischke. „Die Bergwacht hat vier Ärzte in den eigenen Reihen. Wenn diese Dienst haben, dann sind sie meist vor den Notärzten aus den beiden Kliniken oder vor dem Rettungshubschraubern am Unfallort.“

Auch wenn Einsätze immer wieder geübt werden, hoffen die Bergretter, dass sie die dabei erprobten Abläufe möglichst selten abrufen müssen. Und das liegt nicht nur am gemütlich prasselnden Feuer des Bergwachtheims, sondern weil sie wissen, dass hinter vielen Unfällen kleinere oder größere Schicksalsschläge stehen, die das Leben der Betroffenen nachhaltig verändern können.

Zur Startseite Mehr aus Vordertaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen