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Regisseur Christian Pasquariello "S.U.M. 1": Bad Homburger dreht Kinofilm mit "Game of Thrones"-Weltstar Iwan Rheon

Von Seit seiner Kindheit stand für den gebürtigen Bad Homburger Christian Pasquariello fest, dass er Regisseur werden will. Am Donnerstag kommt nun sein erster Film deutschlandweit in die Kinos. Die Hauptrolle spielt ein Weltstar.
Am Set: Christian Pasquariello (links) geht mit seinem Hauptdarsteller Iwan Rheon eine Szene durch. Foto: ANKE NEUGEBAUER Am Set: Christian Pasquariello (links) geht mit seinem Hauptdarsteller Iwan Rheon eine Szene durch.
Hochtaunus. 

Till Schweiger und Kaffee. So habe damals alles angefangen, erzählt Christian Pasquariello. Damals, das war Anfang der 90er Jahre, als Schweiger noch kein Keinohrhasen-Regisseur und Hollywood-Vorzeigedeutscher war, aber schon jedem erzählte, er müsse Tarantino-mäßige Filme drehen. Als Hannelore Elsner für ihre Rolle als TV-Kommissarin noch Preise gewann, Schweiger nur ihren Gehilfen spielte und der junge Pasquariello vom Filmemachen nicht mehr wusste, als dass die Praktikanten Kaffee kochen müssen. Mehr als 20 Jahre später bringt der Praktikant von damals seinen ersten Film „S.U.M. 1“ in die Kinos.

Pasquariello, 46, wuchs in Bad Homburg auf. Als Kind liebte er die vormittäglichen Kinovorführungen im Kurhaus seiner Heimatstadt, die es am Wochenende manchmal gab. Mit einer VHS-Kamera drehte er erste Horror-Filmchen in Schule und Wäldern. Es blieb nicht bei der kindlichen Verliebtheit ins Filmemachen. Abi am Kaiser-Friedrich-Gymnasium, Zivi am Kreiskrankenhaus, Praktikum am Filmset der Kultserie „Die Kommissarin“. Danach war die Zeit in der Heimat für Pasquariello vorbei.

Die nächstgrößere Stadt Frankfurt war und ist keine Filmmetropole. Schon das Intermezzo mit Elsner und Schweiger wertete Pasquariello als sensationellen Glückstreffer. „Wer in der Branche arbeiten will, muss quasi nach München, Köln oder Berlin gehen“, erkannte er– zog aber erst mal ins beschauliche Ludwigsburg. Dort hatte er an einer Filmakademie einen Studienplatz für „Regie Spielfilm“ ergattert. Die Königsdisziplin, wie er es nennt.

 

Mittlerweile richten sie die Kameras auch auf den Bad Homburger: Christian Pasquariello bei einem Festival.

Drehbücher geschrieben

Auch mit abgeschlossenem Studium rollte dem Jung-Regisseur später niemand den roten Teppich aus. Man müsse sich hineinkämpfen in die Welt des deutschen Films, sagt Pasquariello. Er wollte nicht, wie so viele Bekannte, irgendwo in der Fernseh-Maschinerie „versacken“. Also ging Christian Pasquariello – natürlich – nach Berlin, schrieb Drehbücher, arbeitete für kleine Filmproduktionen, nebenbei jobbte er in einem Callcenter, in Bars, beim Catering. Lange Jahre ging das so. Der große Durchbruch blieb aus. Letztlich, sagt er lachend, klinge seine Geschichte fast wie ein Filmklischee.

Eine Party in Berlin vor acht Jahren sollte alles ändern: Dort erzählte ein Kumpel von dessen Zeit bei der Nationalen Volksarmee der DDR. Stationiert in einer einsamen Hütte im Wald, verdammt dazu, eine Grenze durchs Nirgendwo zu bewachen – dieses Motiv faszinierte Pasquariello sofort. Zu Hause setzte er sich an seinen Computer und tippte, schnell und diszipliniert, das erste Skript zu „S.U.M. 1“.

In seinem Drehbuch muss ein junger Soldat in einer apokalyptischen Zukunft, in der Aliens die Menschheit unter die Erde vertrieben haben, auf einem einsamen Turm Wache halten. Von Anfang an sagte sich Pasquariello: „Konzipiere den Film so, dass die Produktion nicht zu viel kosten würde.“ Wenig Schauspieler, wenig Schauplätze, ein fiktives Universum, von dem man wie durch ein Mikroskop immer nur einen Ausschnitt sieht. Der Regisseur ahnte, dass es trotzdem schwer werden würde, den Film zu realisieren.

Geld zusammengekratzt

Innovative Filme, gerade ein Science-Fiction-Psychodrama, wie er es plante, seien in Deutschland immer noch eine Rarität. „Statt düsterem und radikalem Genrefilm sucht man in Deutschland den nebulösen Mainstream“, erklärt Pasquariello. Aber der Regisseur hatte Glück. Dem Berliner Produzenten Christian Alvart gefiel das Drehbuch. Dessen Studio Syrreal Entertainment produziert unter anderem die Till-Schweiger-Tatorte.

Gemeinsam kratzten sie das Geld für den Dreh zusammen. Filmförderung, der internationale Vertrieb, der deutsche Verleih und private Geldgeber zeigten ihr Vertrauen und investierten in das Projekt. Trotzdem blieb das Budget schmal, erklärt Pasquariello. Schließlich sollte sein Film ein aufwendiges Zukunftsszenario darstellen.

Aber das Team glaubte an das ambitionierte Projekt. Viele verzichteten auf ihre übliche Gage, die Special-Effect-Firma lieferte Effekte, für die normalerweise die finanzielle Potenz gefehlt hätte. Schließlich gelang es dem Produzenten noch, Iwan Rheon zu gewinnen. In der Rolle als psychopathischer Bösewicht aus der Fantasy-Serie „Game of Thrones“ erlangte dieser Weltruhm. Und so führte der Weg Pasquariello wie so oft zurück in den Regiestuhl. Dieses Mal stand sogar sein Name darauf – mit Tape-Band aufgeklebt.

In wenigen Tagen drehten sein Team und er den 90-Minüter ab, erst in Leipzig im Studio, später in Bunkern rund um Berlin. Nach zwei Jahren feierte „S.U.M. 1“ im Sommer 2017 beim Shanghai International Filmfestival seine Weltpremiere – ohne den Regisseur, der wegen Einreiseproblemen nicht in China gelandet war.

Zurück in die Zukunft?

Von Donnerstag, 7. Dezember, an flimmert der Streifen auch in Kinos in ganz Deutschland über die Leinwand. Ist das für Pasquariello der vorläufige Höhepunkt seiner Karriere? Ja, sagt der 46-Jährige und fügt hinzu: „Ich habe den Film so geschrieben, dass ich jederzeit in sein Universum zurückkehren kann.“

 

Allein im Kampf gegen die Ausrottung der Menschheit in einer kalten High-Tech-Welt: Soldat S.U.M. 1 (Iwan Rheon).
Kino-Interview mit Regisseur aus Bad Homburg Christian Pasquariello über "S.U.M. 1": "Mutig, diesen ...

Der 46 Jahre alte Indie-Regisseur Christian Pasquariello hat Jahre gebraucht, um seinen Film ins Kino zu bringen. Im Interview erzählt der gebürtige Bad Homburger vom steinigen Weg durch die deutsche Filmlandschaft, straffen Dreharbeiten und von der Arbeit mit "Game of Thrones"-Bösewicht Iwan Rheon.

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