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Stationen eines Reporters: Bela Rethy plaudert in Bad Homburg aus dem Nähkästchen

Viele kennen ihn als Kommentator zahlreicher Fußball-Länderspiele. Die Bilder des WM-Endspiels von 2014 hat man nach wie vor im Kopf, seine Rufe vor dem erlösenden 1:0 noch immer im Ohr. Im Rahmen der akademischen Feier der Accadis-Hochschule erzählte Bela Rethy im Bad Homburger Kurhaus aus seinem Leben – und wie ihn eine Pizza-Schachtel einst vor einer großen Peinlichkeit bewahrte.
So kennt man ihn: Bela Rethy hinter dem Mikrofon. Foto: Yvonne Späne So kennt man ihn: Bela Rethy hinter dem Mikrofon.
Bad Homburg. 

Der Saal ist gefüllt, die letzten Tuscheleien klingen ab, es wird dunkel. An eine Leinwand werden Spielszenen projiziert, mit denen man nur allzu vertraut ist. Das WM Finale von 2014, das legendäre 7:1 gegen Brasilien im Halbfinale, oder andere Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft, die in die Fußballgeschichte eingingen. Sie alle haben etwas gemeinsam. Mit seiner emotional-polarisierenden Berichterstattung war Bela Rethy stets Teil dieser zweifellos wichtigen Momente des deutschen Fußballs. Doch wie hat alles angefangen?

Als das ZDF anklopfte

Moderator Bela Rethy beginnt mit gereizter Stimme: „Damals sammelte ich allerlei Scheine, um für Prüfungen zugelassen zu werden, genau wie Sie.“ Eigentlich wollte er studieren, um später einen guten Job zu bekommen. Der Job kam früher als erhofft und das Studium sei nicht weiter nützlich gewesen. „Es ist mir etwas unangenehm, hier als Studienabbrecher vor Ihnen zu stehen. Sie lachen, aber so was geht heutzutage natürlich nicht mehr“, bekennt Rethy .

Schon früh habe er seine Eltern mit Imitationen bekannter Radiomoderatoren „genervt“. Mit 24 Jahren erlangte er dank seiner Mehrsprachigkeit die Chance, für das ZDF zu arbeiten. Obwohl er sich zuvor als Taxifahrer und Kneipenwirt sein Geld sauer verdiente, verlor er sein eigentliches Berufsziel nie aus den Augen. Fest entschlossen, Reporter zu werden, nutzte er seine Möglichkeit beim ZDF und wurde schon bald auf viele Termine geschickt. Durch seine vielseitige Einsetzbarkeit wurde er rasch bekannt und durfte Sportwettkämpfe live kommentieren. Der 60 Jahre alte Sportjournalist erinnert sich an einen Schlüsselmoment: „1996 war es endlich so weit und ich bekam mein erstes Endspiel. Ich wurde zum EM-Finale nach Wembley geschickt und war natürlich voller Vorfreude.“

Es war das erste Mal, dass alles zuvor auf Laptops vorbereitet wurde, doch das war genau das Problem. Die Technik versagte, und alle vorher gesammelten Informationen waren weg. Rethy blieb unbeeindruckt und machte es sich im Hotelzimmer gemütlich. „Ich machte den Fernseher an und sah eine Tier-Doku bei der BBC. „Es waren Giraffen“, erinnert sich der Sportmoderator und verkneift sich ein Lachen.

In fünf Jahren soll Schluss sein

Als Sohn zweier ungarischer Flüchtlinge, die ihr Land aufgrund von Aufständen verlassen mussten, wurde Bela Rethy am 14. Dezember 1956 in Wien geboren.

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Wie kam er aus der Situation heraus? Mit viel Gelassenheit. Er rief seinen Agenten an, der auf dem Weg zum Stadion Pizza vom Inder mitbringen sollte. Sie ließen es sich schmecken und bemerkten anschließend die leere Rückseite der Schachtel.

Ein Schlüsselerlebnis

„Ich schrieb alles, was mir einfiel, auf den Karton und setzte mich damit ins Publikum. Tatsächlich merkte man mir das Chaos nicht an und ich konnte das Spiel kommentieren. Dieses Finale war wirklich ein Schlüsselerlebnis, das werde ich nie mehr vergessen.“

Es folgten weitere Endspiele bei Welt- und Europameisterschaften oder der Champions League. In fünf Jahren geht er in Rente– ein Mann, dessen Glück einst von der leeren Rückseite einer Pizza-Schachtel abhing.

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