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Neue Veranstaltungsreihe: Bühne frei für den Poetry Slam

Wenn von Januar an Poetry Slammer in Oberursel eine eigene Veranstaltungsreihe bekommen, dann ist das einer Kombination aus einer guten Idee, einem langgehegten Wunsch und vielen offenen Türen zu verdanken. Wir haben nachgefragt, wer dahintersteckt, und dabei erfahren, wie echte Slammer ticken.
Proben schon mal für den Poetry Slam: Till Aichelmann, Katharina Marosz und Kaddy Kupfer, die als Slam-Master durch die poetischen Abende in der Brunnenstadt führen wird. Kupfer, gebürtige Limburgerin mit Wohnort Oberursel, ist bereits seit 2016 erfolgreich als Slammerin unterwegs. Foto: Jochen Reichwein Proben schon mal für den Poetry Slam: Till Aichelmann, Katharina Marosz und Kaddy Kupfer, die als Slam-Master durch die poetischen Abende in der Brunnenstadt führen wird. Kupfer, gebürtige Limburgerin mit Wohnort Oberursel, ist bereits seit 2016 erfolgreich als Slammerin unterwegs.
Oberursel. 

„Wenn man alleine auf der Bühne steht, und das Blatt zittert einem in den Händen. Und man dann von der Bühne runtergeht, dann ist das einfach ein tolles Gefühl“, sagt Katharina Marosz. Die selbständige Musikerin aus Friedrichsdorf ist Newcomerin in der Poetry-Slam-Szene. „Tatsächlich war es so, dass mein erster Slam, den ich selbst gemacht habe, auch der erste war, den ich überhaupt besucht habe“, gesteht die rothaarige junge Frau.

Das war vor knapp drei Monaten an der Frankfurter FH. Seitdem ist sie neben ihrer musikalischen Arbeit viel unterwegs auf den Slammerbühnen in der Region, in Nordrhein-Westfalen und in Berlin. Auch bei der Premiere der neuen Veranstaltungsreihe „Poetry Slam Oberursel“ am 25. Januar in der Kunstbühne Portstraße wird die 20-Jährige dabei sein und ihre Textkunst präsentieren.

Poetry Slam ist eine relativ junge Form des literarischen Wettstreits. Dabei stehen meist junge Dichterinnen und Dichter auf einer Bühne, tragen für einige Minuten eigene Texte vor, die dann vom Publikum bewertet werden.

Jugendbüro organisiert

Beim Oberurseler Jugendbüro und der Stadtbücherei, die gemeinsam diese neue Reihe veranstalten, war man schon vor fünf Jahren auf den Geschmack des Poetry Slam gekommen. Damals fing der mehrfache Deutsche Poetry-Slam-Meister Lars Ruppel mit diversen Slam-Workshops für Jugendliche an. „Das war unheimlich faszinierend“, begeistert sich der Leiter des Jugendbüros Achim Hasselberg. „Seitdem haben wir immer wieder überlegt, da mehr draus zu machen. Und plötzlich klopfte Kaddy Kupfer bei uns an“. Ihr Vorschlag, eine eigene Plattform für Poetry-Slam-Wettbewerbe in Oberursel ins Leben zu rufen und persönlich zu moderieren, fiel beim Jugendbüro und der Stadtbücherei mit ihrer Leiterin Claudia Hannes sofort auf fruchtbaren Boden. Denn, so Hannes, „das ist so ein lebendiger Umgang mit Texten, da springt der Funke gleich über“. Mit der Kunstbühne Portstraße war bald der passende Rahmen gefunden.

Kaddy Kupfer (28), die als Slam-Master durch die poetischen Abende führen wird, bringt Erfahrung mit. Die Limburgerin mit Wohnort Oberursel ist seit 2016 selbst erfolgreich als Slammerin unterwegs. Sie erinnert sich noch gut an ihren ersten Auftritt, bei dem sie den Text „Funken von Arschbomben“ vortrug. Der war unter dem Eindruck der Bataclan-Anschläge in Paris entstanden und forderte, den Mund aufzumachen, wenn „Dinge laufen, die absolut nicht richtig sind“.

Danach ging es immer weiter von Veranstaltung zu Veranstaltung. Dabei entstand ein enger Kontakt zu Slammer Lars Ruppel, der so etwas wie ihr Mentor wurde.

Die zukünftige Mathe- und Geschichtslehrerin gibt zu: „Jeder Slammer ist auch immer ein bisschen ein Narziss.“ Mut und der Wunsch auf einer Bühne zu stehen, gehören dazu. Zu ihren Texten haben die Poeten eine ganz besondere Beziehung: „Jeder Text ist wie ein eigenes Baby, das ich jetzt mal mitgebracht habe“, sagt Kupfer. Die Themen der Texte sind immer persönlich, mal traurig, mal umwerfend komisch und immer spannend. Wesentlich beim Poetry Slam ist, dass Text und Vortrag untrennbar zusammengehören. „Man gibt seinen Text nie aus der Hand“, erklärt Katharina Marosz. „Wenn jemandem mein Text gefällt, dann kann ich gerne ein Video vom Auftritt verschicken, aber niemals nur das Skript.“ Poetry Slam funktioniert nach eigenen Regeln. Eine wichtige ist: Respect the Poet! Für Buh-Rufe und Pöbeleien aus dem Publikum ist kein Platz. Einen warmen Applaus hat jede und jeder verdient.

Sechs Minuten Zeit

Bei der neuen Veranstaltungsreihe, die am 25. Januar startet, wird es so laufen: Alle Poeten bekommen sechs Minuten Zeit, um einen eigenen Text zu performen. Requisiten, Gesang oder Musik sind nicht erlaubt. Ein bisschen Musik gibt es in Oberursel aber doch. Zwischen den beiden Wertungsrunden werden junge Nachwuchsmusiker spielen. Den Auftakt macht Till Aichelmann (20), der vor allem ältere Songs von Ed Sheeran covern wird.

Nach zwei Wertungsrunden steht der Slammer als Gewinner fest, der oder die die Publikums-Jury am meisten überzeugt hat. Das wird belohnt: Die Sieger bekommen jedes Mal einen von Kaddy Kupfer persönlich designten Turnbeutel, der zuvor vom Publikum mit allerlei Kleinkram gefüllt wird. Mitmachen darf jeder, egal ob Männlein oder Weiblein, egal ob alt oder jung und ob schon mal geslammt oder noch unerfahren. Die neue Poetry-Slam-Reihe läuft zunächst bis zu den Sommerferien. Wenn Erfolg und Nachfrage stimmen, geht es danach weiter.

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