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Bad Homburg hätte eine gewichtige Rolle in der Geschichte einnehmen können: Das Treffen der Kaiser

Den Tod wie vieler Menschen hätte man wohl verhindern können, wenn sich der österreichische Kaiser Karl I. und der deutsche Kaiser Wilhelm II. beim Zwei-Kaiser-Treffen über ein Ende des Ersten Weltkriegs verständigt hätten? Dass es dazu nicht gekommen ist, beschäftigt noch heute, 100 Jahre später, die Bad Homburger Politik. Anhand von Aufzeichnungen und Vorträgen des Heimatforschers Ulrich Hummel hat TZ-Redakteur Marc Kolbe das Treffen nachgezeichnet.
Paul von Hindenburg Paul von Hindenburg
Bad Homburg. 

Am Essen hat es nicht gelegen, dass das Zwei-Kaiser-Treffen vom 3. April 1917 im Bad Homburger Schloss zu keinem befriedigenden Ergebnis führte. Gebackene Seezunge und geröstete Kalbsschnitten – für Kaiser Karl I. von Österreich und Kaiser Wilhelm II. von Deutschland gab es in der Kurstadt nur das Feinste.

Dem ebenso schrecklichen wie sinnlosen Ersten Weltkrieg ein vorzeitiges Ende zu setzen, das war das Ziel des geheimen Gipfeltreffens der beiden Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn. Neben dem jungen österreichischen Kaiser Karl I. und dessen Frau Zita sowie dem deutschen Kaiser Wilhelm II. und dessen Gattin Auguste Victoria nahmen etliche Minister und Generäle – auf deutscher Seite unter anderem Reichskanzler Theobald Bethmann-Hollweg und Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg – an dem Treffen teil.

Konnte sich beim Zwei-Kaiser-Treffen nicht durchsetzen: der österreichische Kaiser Karl I. Bild-Zoom
Konnte sich beim Zwei-Kaiser-Treffen nicht durchsetzen: der österreichische Kaiser Karl I.

Am Morgen des 3. April, um 9 Uhr kam der österreichische Monarch am Homburger Bahnhof an, wo er von Wilhelm und Auguste Victoria erwartet wurden. In einem langen Autokonvoi ging es dann zum Schloss. Nach einem gemeinsamen Frühstück begannen die politischen Gespräche. Österreichs Forderung war eindeutig: Es wollte Deutschland von der Freigabe des Gebiets Elsass-Lothringen überzeugen, um einen vorzeitigen Frieden zu ermöglichen. Dieses hatte Frankreich nach dem verlorenen Deutsch-Französischen Krieg 1871 an das neu gegründete Kaiserreich abtreten müssen. Für Hindenburg war diese Forderung allerdings illusorisch. Genau wie Hindenburg nahm auch Stabschef Erich Ludendorff damals an dem Geheimtreffen in Bad Homburg teil. Er lehnte die Forderung ebenfalls ab.

Viele Historiker sehen als einen Grund für das Scheitern des Gipfeltreffens die Teilnahme der Militärs. Denn Augenzeugen, darunter Kaiserin Zita, berichteten, dass Kaiser Wilhelm II. die österreichische Idee imponierte und er dem Vorschlag zunächst nicht abgeneigt schien. Die Bedeutung des Kaisers wurde aber im Verlauf des Krieges immer geringer, und besonders mit der Heeresleitung unter Hindenburg und Ludendorff wurde Wilhelm zunehmend von den politisch-militärischen Entscheidungen ausgeschlossen.

Stand zuletzt zu sehr unter dem Einfluss seiner Generäle: der deutsche Kaiser Wilhelm II. Bild-Zoom
Stand zuletzt zu sehr unter dem Einfluss seiner Generäle: der deutsche Kaiser Wilhelm II.

Zumindest geschichtliche Sachkenntnis bewies der Kaiser aber am Nachmittag beim Besuch der Saalburg. Augenzeugen berichteten, dass der Kaiser seinen österreichischen Gästen das Römerkastell mit großer Leidenschaft erklärte. Damit unterstrich er einmal mehr, dass die Geschichte für ihn mehr bedeutete als nur eine reine Wissenschaft. Trotz alledem war die Stimmung bei der österreichischen Delegation um Kaiser Karl I. getrübt, da die Mission fehlgeschlagen war. Nach dem Abendessen im Homburger Schloss ging es mit dem Zug um 20 Uhr zurück in die Heimat. Die Chance auf einen vorzeitigen Frieden war vertan.

Drei Tage später erklärten die Vereinigten Staaten dem Deutschen Reich den Krieg – eine Reaktion darauf, dass Deutschland (ohne Absprache mit Österreich-Ungarn) den uneingeschränkten U-Boot-Krieg ausgerufen hatte. Für Otto von Habsburg, Sohn des österreichischen Kaisers Karl I., standfest, dass man in Bad Homburg die Grundlage für einen Frieden hätte setzen können.

Unter anderem die ablehnende Haltung zur Beendigung des Krieges wird Hindenburg in der heutigen Debatte um eine Umbenennung des Hindenburgrings vorgeworfen. Eine kleine Nachwehe des Zwei-Kaiser-Treffens . . .

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