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Internetplattform "nebenan.de": „Das verstehen wir unter Bürgerservice“

Von Das Internet fördert die Anonymität in den Städten, denn manch einer schaut lieber im Netz, bevor er den Nachbarn um Rat fragt. Kann so sein, muss aber nicht. Mit Hilfe des Sozialen Netzwerks „nebenan.de“ soll es nun auch in Usingen einfacher werden, sich zu vernetzen. Das Ziel ist es, dass echte Nachbarschaftskontakte entstehen.
Reiner Greve und Karin Mansouri freuen sich, Menschen miteinander über ein neues Soziales Netzwerk in Usingen zu vernetzen. Reiner Greve und Karin Mansouri freuen sich, Menschen miteinander über ein neues Soziales Netzwerk in Usingen zu vernetzen.
Usingen. 

Hand aufs Herz: Kennen sie ihre Nachbarn? Nicht nur diejenigen, die links und rechts von ihnen wohnen. Wie sieht es denn mit denen zwei Häuser weiter aus oder am Ende der Straße? „Die Anonymität in den Städten nimmt zu, auch in Usingen“, weiß Sozialamtsleiter Reiner Greve. Menschen, die seit einigen Jahren in Usingen leben, aber ihre Nachbarn nicht kennen und auch sonst nur wenig Anbindung in die sozialen, gesellschaftlichen Strukturen haben, nehmen zu.

Grund dafür sind veränderte Lebens- und Arbeitsbedingungen. Im Gegensatz zu früher ist es heute nicht mehr selbstverständlich, ein Leben lang in einem Ort zu bleiben oder schon in das Sozialgefüge hineingeboren zu werden. Und „nicht jeder ist ein Vereinsmensch, oder so offen zu sagen, ,Hallo da bin ich!’“, schildert Greve.

Sich in einer fremden Stadt wohl zu fühlen, sozial eingebunden zu sein, das sind die sogenannten „Soft Skills“ oder soziale Kompetenzen, die beeinflussen, ob ich ein positives Lebensgefühl entwickeln kann.

Idee aus Berlin

Um das zu fördern, hat Greve von seinem jüngsten Besuch beim „Innovators Club“ in Berlin, nun eine neue Idee mitgebracht, die die soziale Vernetzung der Usinger untereinander fördern soll. „nebenan.de“ heißt eine Internetplattform, auf der sich Nachbarn miteinander vernetzen und austauschen können. Nun könnte man meinen, dass es vielleicht auch eine Facebook-Gruppe tut, um sich auszutauschen, doch die Idee hinter der Plattform ist eine andere.

Hier vernetzten sich Menschen miteinander, „und zwar nur aus der eigenen Stadt“, unterstreicht Karin Mansouri, die sich gemeinsam mit Greve um die Förderung kümmert.

Der erste Kontakt sei über das Internet, doch der zweite soll dann im echten Leben stattfinden. So könnte man über das Netzwerk erfragen, wer zum Beispiel einen Hammer kurzfristig zu verleihen hat, abholen muss der Interessent den Hammer dann aber persönlich.

Nachweis über Wohnsitz

Echte Namen und echte Menschen sind das oberste Gebot bei „nebenan.de“. Wer in Usingen wohnt, kann sich auf der Plattform des Berliner Unternehmens anmelden, muss einen Nachweis erbringen, dass er in der Stadt wohnt und profitiert danach von den unterschiedlichen Themen, die dort ausgetauscht werden. Das kann die Suche nach Hilfe sein, ebenso wie Veranstaltungen oder Informationen.

Üblicherweise seien Städte in Stadtteile unterteilt, wie im Falle von Neu-Anspach, in Usingen hat sich der Betreiber indes für die Einbindung der gesamten Stadt inklusive Stadtteile entschieden. Rentner, die eine Einkaufshilfe suchen, könnten sich dort also ebenso kennenlernen, wie Mütter, die eine Betreuung in der Nachbarschaft suchen.

„Unterschiedliche Arbeitszeiten haben doch inzwischen dazu geführt, dass nicht mehr alle das gleiche Freizeitfenster haben und sich folglich nicht mehr zwangsläufig begegnen“, schildert Greve. „Doch vielleicht finden sich so die Nachbarn, bei denen man sonst nicht einfach so geklingelt hätte“, nennt Greve die positiven Seiten.

Personalisieren möglich

Über die verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten können die Benachrichtigungen personalisiert werden, so dass jeder nur die Informationen erhalte, die für ihn wichtig sind. So könnten Straßenfeste ebenso entstehen wie Stadtteilfeste, die Menschen zusammenbringen. Kosten entstehen für die Nutzer keine, und derzeit läuft das Portal auch noch werbefrei.

Auf lange Sicht hin, soll es indes Werbung geben, allerdings von lokalen Anbietern. Auch das gefällt Greve gut, „denn, was hilft mir die Werbung von jemandem, der weit weg ist“?

Doch es stellt sich auch die Frage: Welches Interesse hat die Stadt Usingen daran? „Diese Internetplattform ist auch für uns eine Möglichkeit, Informationen den Bürgern zur Verfügung zu stellen, die für einzelne Straßen oder Stadtteile interessant sind“, sagt Greve und nennt als Beispiel den angenommenen Wasserrohrbruch im Hergenhahnring. „Dann können wir darüber die Bürger auch informieren und bieten einen gewissen Service.“ Bislang müssten sich die Bürger diese Infos holen, etwa über die Homepage der Stadt.

„Das verstehen wir auch unter Bürgerservice, und wenn der Nutzer die Information nicht braucht, dann klickt er sie einfach weg.“ Kosten entstehen weder der Stadt noch den Nutzern. Der Mehrwert für die Stadt sei aber erheblich, „denn so sollte eine Stadt zum Anfassen und Wohlfühlen sein, dass man sich kennt und nicht anonym bleibt“, ist auch Mansouri überzeugt. 48 Nutzer gibt es bereits. Nun hoffen Greve und Mansouri, dass es noch deutlich mehr werden, die sich auf der Plattform anmelden, „einfach um das Miteinander in der Stadt zu fördern“.

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