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Taunus-Schrauber: Der Baureihe 124 verpflichtet

Silvan Ernst ist 24 Jahre jung. Doch Autos, die älter sind als er selbst, begeistern ihn. Vor allem die der Mercedes-Baureihe 124. Aber bei formschönen Wagen macht er auch schon mal eine Ausnahme und nimmt nicht nur „Sternträger“ in seinen Fuhrpark auf.
Mit dem Auto Union DKW 1000 S Coupé De Luxe Saxomat, Baujahr 1963, fing Silvan Ernsts Sammelleidenschaft an. Foto: JOACHIM STORCH (Pressefotografie Storch, Bad Hg.) Mit dem Auto Union DKW 1000 S Coupé De Luxe Saxomat, Baujahr 1963, fing Silvan Ernsts Sammelleidenschaft an.
Hochtaunus. 

Die Oma hat immer recht. Sogar in Sachen Automobil. Schon vor langer Zeit berichtete sie von Problemen, die mittlerweile auch den Enkel quälen. Silvan Ernst ist Besitzer eines vor 54 Jahren vom Band gelaufenen DKW 1000 S und sagt: „Meine Großmutter hatte das Vorgängermodell, wusste um das schwierige Starten nach längerem Stillstand.“ Dass dem Coupé de Luxe Saxomat – immerhin Spitzenprodukt der damaligen Baureihe – zu wenig Bewegung zugestanden wird, dürfte dabei keine unerhebliche Rolle spielen. Enkel Silvan hat zu viele Fahrzeuge in seiner Garage.

Auch der zur Baureihe W124 gehörende Mercedes Benz 500 E wird von Silvan Ernst auf Vordermann gebracht. Bild-Zoom Foto: JOACHIM STORCH (Pressefotografie Storch, Bad Hg.)
Auch der zur Baureihe W124 gehörende Mercedes Benz 500 E wird von Silvan Ernst auf Vordermann gebracht.

Das Sammeln und Pflegen des 24-jährigen Neu-Anspachers beginnt mit dem erwähnten frontgetriebenen Produkt der Auto Union, das 2008 in Wetzlar gefunden und kurzerhand gekauft wurde. „Ich habe ursprünglich einen Käfer gesucht – dessen Preis war mir aber zu hoch.“ Seinen zeitweiligen Schrottplatz-Aufenthalt sieht man dem formschönen Zweitakter – 3 Zylinder, 50 Pferdestärken – nicht mehr an. Geradezu bestechend ist die Farbgebung in Granatrot und Antikweiß, die an die 40er Jahre gemahnende und von Chromglanz gerahmte Linienführung.

Guter Kauf

Ein guter Kauf sei es gewesen, sagt Ernst. Rostbefall hielt sich in überschaubaren Grenzen, zu machen war an dem zur unteren Mittelklasse gerechneten Wagen nicht viel. Dem Jungeigentümer kam dies sehr gelegen: „Das Reparieren habe ich erst bei meinem dritten Auto gelernt.“ Geschont wird der Auto Union 1000 bei Ausfahrten dennoch nicht. Weil er vom Schongang nicht viel hält, lässt der Anspacher seinen Erstling auch schon mal Spitze 100 auf der Autobahn laufen – „mit vier Insassen an Bord“.

Geschont wird der DKW bei Silvan Ernst nicht. Bild-Zoom Foto: JOACHIM STORCH (Pressefotografie Storch, Bad Hg.)
Geschont wird der DKW bei Silvan Ernst nicht.

Und weil Leistung für den gelernten Logistiker eine bedeutsame Größe ist, durfte ein gänzlich anderes Pkw-Kaliber in Werkstatt und Halle Einzug halten. Innerhalb von sieben Jahren haben sich ein Dutzend Modelle der Baureihe W 124 angesammelt. Wohin der Blick auch wandert: Der Mercedes-Benz-Stern blitzt aus allen Ecken. „Der Platz reicht kaum noch“, sagt einer, der Mitglied beim „W 124-Club“ ist und selbst entsprechende Treffen veranstaltet. Dass die Benz-Hingabe wiederum großmütterliche Fundamente hat – wer will es bezweifeln? „An ihren 300er Diesel habe ich starke Kindheitserinnerungen.“

Stylisch: die Heckklappe des DKW mit verchromtem Griff. Bild-Zoom Foto: JOACHIM STORCH (Pressefotografie Storch, Bad Hg.)
Stylisch: die Heckklappe des DKW mit verchromtem Griff.

Das Schrauben und Tüfteln gelangte dann mit dem ominösen Drittwagen an den Ortsrand von Anspach. Als „ein Fiasko“ erweist sich der Zustand eines E 280 T. An dem Kombi sind Elemente der Hinterachse und die Scheibenrahmen durchgerostet, Gelenke und Achsenlager schlichtweg kaputt. Mit „problemlos zu bekommenden Ersatzteilen“ und dem Mut zur Aktion beginnt für Silvan Ernst das Handwerk. Die Wehwehchen seiner „Youngtimer“ kann er mittlerweile umstandslos analysieren und kurieren.

Elektronik als Spielerei

Es ist die gesamte, zwischen 1984 und 1997 gefertigte 124er-Palette, die hier auf Interesse stößt. Unterschiedliche Motortypen und Ausstattungen prägen ein Arsenal, bestehend aus Limousine, Kombi, Coupé und Cabrio, aus Lang- und Sonderversionen. Mit der später als E-Klasse bekannten Serie gerät die motorisierte Welt in die Elektronik-Frühphase – noch bestimmt das Analoge die Szenerie, sind „Spielereien“ eine Seltenheit. Heute sorgt die selten anzutreffende Motorraumbeleuchtung – „die Halterung ist nicht mehr zu bekommen“ – für ein besonderes Aha-Erlebnis.

Nach dem DKW mit seinen „barocken“ Anmutungen hat der 24-Jährige seine Leidenschaft für die herbe Kraft eines 500 E entdeckt. In Kooperation mit Hersteller Porsche entwickelt und 1991 gebaut, kommt der V8-Sportgranate (326 PS, in 6 Sekunden auf 100 km/h) eine Sonderstellung im Mercedes-Universum zu. Der Ernst’sche Liebling glänzt in Blauschwarz-Metallic, trägt die Motornummer „45“ und ist eines von 10 479 ausgelieferten Exemplaren.

Dem Zukauf, seinem zweiten, wurde ein neuer Kühler nebst Ventildeckeldichtung verpasst. „Man kann da alles noch selbst reparieren.“ Auch wenn es eng zugeht im Motorraum, die Verlegung des Kabelbaums eine Geduldsprobe ist. Dezent ausgestellte Kotflügel sind zarter Hinweis auf die innewohnende Rasanz der Automatik-Limousine – geschickt konterkariert durch die gehäkelte Toilettenrollenabdeckung und den braven Wackeldackel auf der Ablage.

Wer viele Autos hat, benötigt auch zwei Hebebühnen und ein hohes, lichtes Raumvolumen. Dort, wo sich Zerstörungen und Verletzungen dem kundigen Blick schnell offenbaren, soll demnächst ein in Nato-Oliv gehaltenes Vehikel untersucht werden. Noch steht er im hintersten Eck, der Bundeswehr-DKW von 1962. Schwer ramponiert und mit fehlender Heckscheibe. Vorzeiten hat eine Maus im Rücksitz logiert. „Der Wagen stand zwei Jahrzehnte unter einem Berg von Autoteilen“, sagt Ernst.

Viel Arbeit stehe bevor, ein weiteres Projekt. Immerhin liegen die mitgelieferten Ersatzteile im Regal: Auspuff, Stoßstange, Sitzbezüge. Der Union 1000 S soll während seines aktiven Dienstes als Kommandeursfahrzeug gedient haben. „Als Viertürer ist er eine Sensation.“ Sie schwingen gegenläufig auf, sind allesamt an der B-Säule angeschlagen, von Lederbändern in Positur gehalten. Eine Rarität, für die sich der Einsatz lohnen dürfte.

Im weiten Rund steht Wagen bei Wagen. Kurz hat Logistiker Ernst an Reduzierung und mehr Freiraum gedacht. Doch ihm fehlt noch ein früher 200er Diesel, ohne Ausstattung, aber in Weizengelb in seiner Sammlung. „Der wurde nur sechs Monate lang produziert.“

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