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Der Liberalismus in Gefahr

Drei große Strömungen gibt es, die dem Liberalismus schaden können. In ihrem Vortrag „Die Freiheit nehm’ ich mir: Die täglichen ,Versuchungen‘ im Liberalismus“, referierte die freie Wirtschaftsjournalistin Dr. Ursula Weidenfeld über deren Kerngedanken und Gefahrenpotenzial.
Bad Homburg. 

Die Grundannahme des Liberalismus ist einfach: Der Staat dient lediglich der Rahmenbildung, darf aber nicht zu sehr eingreifen. Doch mittlerweile ist die Grenze zwischen staatlicher Nichteinmischung und der Einschränkung von Freiheitsräumen und Manipulation verschwommen.

Die Karl-Hermann-Flach-Stiftung hatte gemeinsam mit dem Forschungskolleg Humanwissenschaften zur Fortsetzung der Vortragsreihe „Noch eine Chance für den Liberalismus?“ geladen. Dabei setzte sich die Referentin Dr. Ursula Weidenfeld mit den Fragen des wie viel und welche Freiheit der deutsche Liberalismus beinhaltet auseinander. Hierbei führte sie drei Versuchungen an, die den liberalen Prinzipien schaden: der Hedonismus, der Flirt mit Rechts und der moderne Paternalismus.

Aufgekommen sei der Hedonismus in den 90er Jahren. „Freiheit galt als sein unverfrorenes Synonym“, erzählt die Referentin. Und schon der englische Philosoph und Ökonom John Stuart Mill sei sich sicher gewesen, dass das Verfolgen des eigenen Glückes dem Wohlstand der Allgemeinheit diene. Doch wich die Idee der Freiheit in Deutschland, so Weidenfeld weiter, nach der Wiedervereinigung dem Sturz ins Vergnügen und dem Konsum. Die Befriedigung materieller Bedürfnisse habe nun im Mittelpunkt gestanden. „Einst noch als liberaler Hedonismus verteidigt, zerstört sich dieser nach dem Niedergang des Ostblocks selbst“, resümiert die Wirtschaftsjournalistin.

Die zweite Versuchung sei der Flirt mit Rechts, der, so Weidenfeld, im Moment nicht aktueller sein könnte. Jahrzehntelang hätten die Liberalen nur nach links geschaut und die rechte Seite außer Acht gelassen. Dabei seien es heute vor allem viele einstmals liberale Intellektuelle, bei denen ein Rechtsrutsch zu beobachten sei. „Der Flirt mit Rechts bietet eine besondere Gefahr für den Liberalismus, dessen Grundidee keine Einschränkung des freien Denkens postuliert“, so Weidenfeld.

Der Paternalismus

Die dritte Verlockung, der moderne Paternalismus, sei seit kurzem im europäischen Ausland auf dem Vormarsch – in der Bundesrepublik seit etwa zwei Jahren. „Beim sogenannten Nudging geht es darum, den Menschen einen Schups in die richtige Richtung zu geben“, erklärt Weidenfeld. Menschen seien immer darauf bedacht, ihre kurzfristigen Bedürfnisse auszuleben, als sich langfristig vernünftig zu verhalten. „Der moderne Paternalismus macht es sich zur Aufgabe, die Menschen vernünftiger zu machen, ohne dass sie es merken“, schildert die Vortragende.

In Schweden beispielsweise müsse jeder Bürger in das private Rentensystem einzahlen. Er könne sich lediglich entscheiden, was für ein Beitragspaket er wähle. Ein weiteres Beispiel sei auch die Anordnung der Speisen etwa in Schulkantinen. „Pizza und Pommes stehen immer hinten – Salate dagegen vorne. Betreten die Schüler die Kantine, nehmen sie sich automatisch mehr vom Salat“, erklärt Weidenfeld.

Um weiterhin bestehen zu können, so Weidenfelds Fazit, müsse sich der Liberalismus in seinem Wertekern neu begründen – mit Fortschritt, Respekt, Innovation und Wettbewerb.

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