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Glocke wird ersetzt: Der Wechsel im Geläut steht kurz bevor

Die katholische Gemeinde St. Ursula bekommt eine neue, große Glocke namens Maria Frieden – nach mehr als 500 Jahren muss deren Vorgängerin Maria Crafft außer Dienst gestellt werden. Die TZ hat aus diesem Anlass eine Serie über Kirchenglocken in der Stadt gestartet. Den Auftakt macht – natürlich – St. Ursula.
Noch dominiert in St. Ursula die mächtige Glocke Maria Crafft. Sie wird aber in Kürze abgehängt. Links ist die Christophorus-Glocke zu sehen, rechts die Ursula-Glocke. Foto: Jochen Reichwein Noch dominiert in St. Ursula die mächtige Glocke Maria Crafft. Sie wird aber in Kürze abgehängt. Links ist die Christophorus-Glocke zu sehen, rechts die Ursula-Glocke.
Oberursel. 

Da stand er also eines Tages auf der Nordseeinsel Pellworm und hörte die Glocken der katholischen Kirche St. Ursula läuten. Er, das ist der Oberurseler Josef Friedrich, und er gilt über die Stadtgrenzen hinaus als Fachmann für die Geschichte von St. Ursula. Dass das Läuten nicht wirklich hörbar war, liegt auf der Hand. Aber dass Friedrich meinte, das Vertraute wahrzunehmen, sagt einiges aus.

Keine Frage: Der Mann, der auch so was wie der „Vater“ des Museums im Kirchturm ist, ist dem Gotteshaus verbunden. „Ich lebe damit, so lange ich mich erinnere“, sagt er auf die Frage, was das Glockenläuten für ihn bedeutet.

Josef Friedrich lebt gern mit und nahe seiner Kirche, hat ein umfangreiches Buch über das Gotteshaus verfasst, in dem er getauft wurde und zur Erstkommunion ging. Im Buch geht es auch um die Glocken, von denen Maria Crafft die mächtigste und älteste ist.

Noch – denn die „alte Dame“ geht in Ruhestand. Maria Crafft hat Risse, was den Klang verändert hat. „Sie klingt sehr krank“, hat Friedrich schon 2017 gesagt. Eine weitere Reparatur nach 2011/12 hätte sich für die Gemeinde finanziell nicht mehr gelohnt. Deswegen darf die Glocke nun in Ruhestand gehen, ihre Nachfolgerin Maria Frieden ist bereits gegossen und wird in Kürze nach Oberursel transportiert (siehe weiteren Text).

„Ein Meisterwerk“

Zurück zu Maria Crafft. Sie wurde 1508 vom Mainzer Georg Crafft gegossen, auf ihr hat er sein Gesicht verewigt. Sein Name ist in mehreren Versionen überliefert, weshalb auch für die Glocke mehrere Schreibweisen kursieren. Sie ist 2620 Kilo schwer, hat einen Durchmesser von knapp 1,57 Metern.

Die Oberfläche der Bronzeglocke sei von wechselhafter Farbe, schreibt Friedrich in seinem Buch. Das führt er darauf zurück, dass die Glockenspeise nicht im klassischen Zinn-Kupfer-Verhältnis gestanden haben könnte. „Doch sie ist ein Meisterwerk in ausgewogener Form und Zier“, schreibt Friedrich. Doch sie hat was mitgemacht: Als der Kirchturm 1645 brannte, stürzte sie ab, überstand das aber gut. Erst 1986 kam ein Riss zutage.

Zweitgrößte und auch zweitälteste Glocke ist die 1696 gegossene Ursula-Glocke. 1360 Kilo bringt sie bei einem Durchmesser von 1,26 Meter auf die Waage. „Sie ist das Arbeitspferd da oben“, sagt Friedrich. Heißt: Sie kommt am häufigsten zum Einsatz. Dabei drohte der Ursula-Glocke das Schicksal vieler Glocken, die im Krieg für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen wurde. Sie war 1942 mit einer anderen Glocke abgeholt worden.

Im Hamburg entdeckt

Nach Kriegsende wurde sie jedoch unversehrt auf dem „Glockenfriedhof“ im Hamburger Hafen entdeckt. Kapitän Walter Glahn, der seine Jugend in Oberursel verbracht hatte, erkannt die Glocke und organisierte deren Transport in die Heimat.

Aber St. Ursula fehlte eine dritte Glocke: Die Josefsglocke, 864 Kilo schwer, kam 1954 hinzu: anlässlich des Priesterjubiläums (40 Jahre) von Pfarrer Josef Hartmann. Wie nun für Maria Frieden waren auch für diese Glocke Spenden in der Gemeinde gesammelt worden.

Seit 1986 hängt auch die Christophorus-Glocke (596 Kilo) im Turm von St. Ursula. Sie war ein Geschenk von Pfarrer Erich Einig, als dieser Oberursel verließ.

„Das Bedeutsame der Glocke ist ihre überreiche Beschriftung“, schrieb Friedrich in seinem Buch. Sie beginnt mit „Steige auf die Höhe, Freudenbotin Zion“ und stammt vom Künstler Georg Hieronymi. Zeile für Zeile habe er auf Papier entworfen und dann frei in den Glockenmantel geschnitten, weiß Friedrich. In der Mitte der Inschrift steht ein Kleriker, der drei Oberurseler Kirchen schultert: St. Ursula, Liebfrauen sowie St. Aureus und Justina.

Auf dem Dachreiter des Kirchenschiffs befindet sich eine weitere Glocke: die Sanktusglocke (135 Kilo). Sie wurde 1981 angeschafft.

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