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Königsteiner Soiree: Die Deutschen tun sich schwer mit Revolutionen

Von Fürstenschlösser gibt es viele, Erinnerungsorte der Demokratiegeschichte nur wenige. Die Podiumsdiskussion der siebten Königsteiner Soiree widmete sich der Frage, welche Stätten der freiheitlich-demokratischen Identität das Land braucht.
Christoph Schlott ist überzeugt davon, dass die Königsteiner Burg wie auch die Villa Rothschild Denkmäler der Demokratie sind. Foto: Jochen Reichwein Christoph Schlott ist überzeugt davon, dass die Königsteiner Burg wie auch die Villa Rothschild Denkmäler der Demokratie sind.
Königstein. 

Weit fortgeschritten zeigt sich die Außenfassade des monumentalen Bauwerks auf der Spreeinsel. „Wir geben sehr viel Geld aus für die Rekonstruktion historischer Bauten wie das Berliner Hohenzollernschloß“, sagte Christoph Schlott. Dabei tritt nach Ansicht des Vorsitzenden des Vereins „Terra Incognita“ die entscheidende Frage in den Hintergrund: Was haben diese Gebäude für eine Botschaft? Ob Niederwalddenkmal, Schloß Neuschwanstein, die Walhalla bei Regensburg – Deutschland, hob Schlott eingangs der siebten Königsteiner Soiree im Haus der Begegnung hervor, stehe voller „Denkmäler der Unterdrücker von einst“, während es an Erinnerungsstätten der deutschen Demokratieentwicklung sehr mangele.

Historie müsse virtuell über die Neuen Medien erfahrbar gemacht werden. Dafür plädierte Dr. Jürgen Bokr, Europabeauftragter und Stadtverordneter der Königsteiner FDP, während der Podiumsdiskussion. Dass Demokratie bildlich nur schwer darzustellen sei, darüber waren sich Dr. Kai-Michael Sprenger vom rheinland-pfälzischen Wissenschaftsministerium und der Frankfurter Geschichtsprofessor Andreas Fahrmeir einig. „Demokratie bedeutet gelebte Praxis. Ein Denkmal friert diese Praxis gleichsam ein“, sagte der Historiker.

Erfolglose Revolutionen

Den Revolutionen in Deutschland hafte der Makel des Scheiterns, der Erfolglosigkeit an, sagte Fahrmeir. Obgleich davon positive Wirkungen ausgegangen seien, wie die liberale Badische Verfassung zeige. Erfolg oder Scheitern dürfen nach Sprengers Worten nicht Maßstab einer Erinnerungskultur sein, wie das Gedenken an den 17. Juni 1953 zeige. Er regte an, den Denkmalbegriff neu zu durchdenken. „Ein Denkmal kann sehr viel sein: ein Monument, eine Straße, ein Text, eine Wohnung, ein Datum.“ Oder auch eine Auszeichnung wie der Königsteiner „Eugen-Kogon-Preis“.

Europastadt Königstein?

Damit gelte es so umzugehen, „dass sie als Erinnerungsorte sichtbar und erkennbar werden“, ergänzte Elke Steinwand, für Kommunikation und Neue Medien beim Landtag Rheinland-Pfalz verantwortlich. Beispielsweise werden nach ihren Worten Besuchergruppen des Landesparlaments auch über das Verwaltungsgebäude informiert, in dem 1793 die Mainzer Jakobiner tagten und dort die „Mainzer Republik“ ausriefen.

Revolutionen zu feiern, falle in Deutschland schwer. „In Frankreich, Italien ist das eine ganz große Nummer“, sagte Lars Frick, Fachbereichsleiter Kultur und Tourismus der Stadt Lörrach. Dort gebe es kaum noch eine Stätte, die anschaulich machen könne, wo ein Teil der Badischen Revolution stattgefunden habe. Gleichwohl brauche es Orte der Erinnerung wie das Berliner Denkmal für die ermordeten Juden. An diesen Orten gehe „Geschichte in Gegenwart und Zukunft über“, sagte Schlott. Es bedürfe der Anstrengung „von unten“, die Orte der Demokratiegeschichte sichtbar zu machen. Dazu gehörten auch die Königsteiner Soireen sowie Netzwerke. Er warb dafür, dass Königstein den Titel „Europastadt“ erwerbe.

Wie Joseph Haydn die Melodie der Nationalhymne aus einem kroatischen Volkslied entwickelte, beleuchtete die Leiterin der Königsteiner Musikschule, Garnet Gien. „Wenn wir den Humanismus ernstnehmen, müssen wir früh mit der ästhetisch-musikalischen Bildung der Kinder beginnen“, sagte sie mit Blick auf Friedrich Schillers Erziehungskonzept mit Ziel einer umfassend gebildeten Persönlichkeit.

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