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Die Kralle des Tigers hat ihn früh gepackt

Von Michael Schröder kennt sehr viele Kampfkunstarten aus dem Effeff. Die perfekte Balance zwischen Geist und Körper ist sein Ziel. Vor 25 Jahren war er sogar Deutscher Bodybuilding-Meister.
Auch 25 Jahre nach seinem Meistertitel im Bodybuilding ist Michael „Mike“ Schröder noch immer dem Sport verbunden. In den Ferien gibt er sein Wissen in Kursen im Bad Homburger Kurpark weiter. Auch 25 Jahre nach seinem Meistertitel im Bodybuilding ist Michael „Mike“ Schröder noch immer dem Sport verbunden. In den Ferien gibt er sein Wissen in Kursen im Bad Homburger Kurpark weiter.
Bad Homburg. 

Es war die Zeit, da ein gewisser Arnold Schwarzenegger die Bodybuilder-Szene beherrschte. Unzählige Male wurde das Kraftpaket aus der Steiermark, das später noch Film- und Politikgeschichte schreiben sollte, Mr. Olympia und Mr. Universum. Seinen letzten Titel errang er 1980. Damals imponierte er unter anderem einem jungen Burschen aus Frankfurt. Michael „Mike“ Schröder (Iron Mike) war damals zwar erst zehn Jahre alt, doch der Arnie ist ihm im Gedächtnis geblieben. Heute, 38 Jahre später, weiß Schröder aus eigener Erfahrung, wie viel Energie und Schweiß der Österreicher in seine Bodybuilder-Karriere gesteckt hat. Denn auch der Höchster Bub hat in dieser oft verkannten Sportart viel erreicht.

Doch der Reihe nach, zunächst eroberte nämlich das Kung Fu Schröders Herz. Er spielte zwar auch Fußball, doch die fernöstliche Kampfkunst hatte es ihm ganz besonders angetan – und das hatte auch mit dem Kino zu tun. „Am Hauptbahnhof gab es ein Kino, das hat nur Kung-Fu-Filme gezeigt. Jeden Donnerstag kamen neue Filme. Das war alles leicht anrüchig, weil gleich nebenan ein Porno-Kino war.“ Und so war es zunächst die Kralle von Bruce Lee, die den kleinen Michael packte.

Vom Kino aus betrat er quasi direkt den „Weg des Kriegers“ (die deutsche Übersetzung von Bushido) und landete bei Meister Tanako in Bornheim. Und schon wenig später nahm der Frankfurter an diversen Meisterschaften in unterschiedlichen Klassen teil und sammelte bereits als 17-Jähriger Medaillen. Doch dann machte eine Sportverletzung seiner hoffnungsvollen Sportkarriere einen Strich durch die Rechnung. „Jetzt war erstmal Fitness hochhalten und eine Alternative suchen angesagt.“ Und so kam Schröder zum „Eisenbiegen“ – und wieder betrieb er seinen Sport mit vollem Einsatz. Innerhalb von nur drei Monaten nahm er zehn Kilo an Muskelmasse zu – „eine Kombination aus viel Training und Talent“. Fünf mal die Woche schuftete er im legendären Colosseum („Ein Top-Studio, sehr amerikanisch geprägt“), dass es nicht sieben Tage wurden, war lediglich der Tatsache geschuldet, dass die Muskulatur zwischendurch auch mal ruhen muss.

Vom Hobby zum Beruf

Im Colosseum begann dann auch seine Trainerkarriere, zunächst „learing by doing“, später hat Schröder dann auch noch die entsprechenden Scheine gemacht. „Aber in den ersten Jahren gab es keine richtige Ausbildung, das lief über die Praxis. Seine damaligen Mentoren Jörg Berthold, Karl-Heinz Becker und Markus Klock (allesamt Legenden der Frankfurter Bodybuilding-Szene) hätten ihm ihre Erfahrung weitergereicht. Zwischenzeitlich hat er auch eine Hotelfachlehre absolviert und arbeitete sieben Jahre in Hotels. Doch schon damals zeichnete sich ab, dass seine Leidenschaft, der Sport, sich mehr und mehr in den Vordergrund drängt. „Später habe ich dann mein Hobby wirklich zum Beruf gemacht.“

Mit 23 Jahren holte Mike dann zum ganz großen Wurf aus. Zunächst gewann er den Großen Preis von Hessen in Offenbach und qualifizierte sich so für die Deutschen Meisterschaften in Dortmund 1993. Dort räumte er nicht nur den Sieg im Schwergewicht, sondern auch den Gesamtsieg ab und durfte sich Meister aller Klassen nennen. Doch da von nichts bekanntlich auch nichts kommt, hatte der heute 48-Jährige vor den Meisterschaften auf so gut wie alles verzichtet. „Ich habe mich wie ein Eremit gefühlt“, erinnert er sich an die entbehrungsreiche, aber erfolgreiche Zeit.

Man sah ihn damals eigentlich nur im Studio, wo er zwei Mal am Tag trainierte – morgens eineinhalb Stunden Kraft, am frühen Abend noch mal Ausdauer. Der Rest war Schlafen und Essen. Vor allem viele Kohlenhydrate – „das ist quasi der Sprit fürs Training, der Körper braucht Energie“. Mal ein Bier oder abends ausgehen? Fehlanzeige! „Ich war da sehr professionell.“ Und es funktionierte, Mike aus Frankfurt wurde ein Nachfolger von Ralf Möller, der später – wie Weiland Arnie – Schauspielkarriere in Hollywood („Gladiator“) machte.

Auch der Weg von Schröder führte nach der Meisterschaft nach Los Angeles. Von Sponsoren wurde er ins legendäre Ghost-Gym eingeladen und wohnte in einer „Hammer-Villa“ direkt am Muscle Beach. „Ich hatte das Angebot, Profi zu werden.“ Doch er entschied sich anders, nach dem großen Erfolg war das Thema Wettkampf für ihn abgehakt. 1996 stellte er die Hanteln sogar komplett in die Ecke und kehrte zurück zum Kung Fu. „Dessen Philosophie hatte mich nie ganz losgelassen.“ Heute vereinbart er beides miteinander, die fernöstliche Kampfkunst und die Arbeit an seinem Körper.

Körper, Seele und Geist

Nach einer „beruflichen Zwischenstation“ bei der Deutschen Post stieg Mike dann endgültig ins Trainergeschäft ein. „Ich habe, seitdem ich Sport treibe, eigentlich auch immer als Trainer gearbeitet, zum Teil nach Feierabend.“ Er arbeitete für Studios in Hamburg, Berlin und Karlsruhe, eröffnete zwischenzeitlich eine eigene Kampfschule – bis ein Anruf der Kette „Fitseveneleven“ kam. Damals, um 2010 herum, noch ein kleiner Anbieter, mittlerweile einer der großen Player im Rhein-Main-Gebiet. Dort ist er seitdem „Sport-, Fitness- und Gesundheitslehrer“, arbeitet aber auch als Personalcoach. „Ich setze auf eine ganzheitliche Schiene“, sagt der Mann, der sich seit 2011 vegan ernährt. „Ich nenne es natürliche Ernährung, ich esse einfach keine Tiere“, erzählt der Coach.

Seit geraumer Zeit hat Mike eine weitere „große Leidenschaft entdeckt – das Tai Chi“. Für ihn eine „Kampfkunst, die die innere Struktur trainiert“. Die „Faust des höchsten Prinzips“ hat er bei seinen Reisen nach China kennen und schätzen gelernt und sein Können bei buddhistischen Mönchen an der Hanauer Landstraße verfeinert. „Letztlich geht es darum, Energien fließen zu lassen und innere Ruhe und Stärke zu finden.“ Was ihn besonders fasziniert: „Tai Chi ist ein sehr sanfter Weg, der kein Alterslimit kennt.“

Das ist eine wirklich gute Nachricht für alle, die die Sportart mal ausprobieren wollen. Mike Schröder lädt vom kommenden Mittwoch an zu Tai-Chi-Kursen in den Bad Homburger Kurpark ein – kostenfrei und für alle, die es ausprobieren möchten. Ab 7 Uhr („morgens, wenn der Tag erwacht“) stellt er an der Thai-Sala an der Paul-Ehrlich-Anlage in den Sommerferien die Basics der Kampfkunst vor. Weitere Fragen beantwortet Mike Schröder unter Telefon 01 51 -44 55 77 99 oder per E-Mail an mike@schroedertraining.de.

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