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Main/Taunus International School: "Die Schule wurde zum Geschäft"

Die Schließung der Main/Taunus International School (MTIS) war ein herber Schlag für Lehrer, Schüler und Eltern. Während die meisten Kinder inzwischen andere Schulen und Kindergärten besuchen, haben die meisten Lehrer der Privatschule seit Monaten kein Gehalt mehr bekommen und stehen jetzt ohne Arbeit da. Was hinter den Kulissen geschah, erzählen zwei frühere Lehrerinnen und eine Mutter.
Die Lehrerinnen Teresa Serdio (links) und Mirela Duplancic fühlen sich ihrer alten Schule  verbunden. Nach dem Wechsel in der Geschäftsführung habe es jedoch viele Veränderungen gegeben, berichten sie. Die Lehrerinnen Teresa Serdio (links) und Mirela Duplancic fühlen sich ihrer alten Schule verbunden. Nach dem Wechsel in der Geschäftsführung habe es jedoch viele Veränderungen gegeben, berichten sie.
Friedrichsdorf. 

Der Fototermin vor dem Gebäude der Main/Taunus International School (MTIS) weckt Erinnerungen an fröhliche Tage. An die vielen Projekte und Aktivitäten mit den Schülern, die Theater-Aufführungen und die Feste. „Diese Schule hatte großes Potenzial“, sagt Mirela Duplancic mit Blick auf das alte Gebäude, in dem die Grundschule untergebracht war und in dem bereits im frühen 20. Jahrhundert unterrichtet worden ist.

Der früheren Grundschulleiterin wurde am 27. September 2016 gekündigt, aus heiterem Himmel, wie sie sagt. Ebenfalls nach den Sommerferien 2016 hatte Spanisch-Lehrerin Teresa Serdio ihre Kündigung erhalten. Beide sind bereit, von den Ereignissen an der seit Anfang Dezember 2017 geschlossenen Privatschule zu sprechen. Die meisten anderen Lehrer schweigen lieber, weil sie Nachteile befürchten.

Vor elf Jahren ist Duplancic als ausgebildete Montessori-Lehrerin, mit AMI-Diplom (Association Montessori International), aus den Vereinigten Staaten nach Friedrichsdorf, an die damals frisch gegründete Rhein-Main International School (RIMS) gekommen. „Die Montessori-Umgebung von Grund auf aufzubauen war eine tolle Aufgabe“, sagt sie. Jetzt stehen sie und Serdio vor dem Schuleingang und der Briefkastenanlage, aus der vom Regen aufgeweichte Wurfsendungen herausquellen.

Glaube ans Konzept

„Dort oben war mein Büro“, sagt Duplancic und zeigt auf ein Fenster oberhalb des Eingangs im ersten Stock. Zusätzlich zu ihrer Lehrtätigkeit hatte Duplancic im Jahr 2009 die Leitung der Grundschule übernommen. Es war der Glaube an das Schulkonzept, der die Eltern dazu bewogen hatte, der Schule ein Darlehen zu gewähren, unterstreichen die beiden Lehrerinnen und Anja Albertini-Coles, deren Tochter noch bis zur Schließung Schülerin der MTIS war. Die Schule sei wie eine große Familie gewesen. „Die gegenseitige Unterstützung ist Teil des Montessori-Gedankens“, erklärt Duplancic.

Schroff abgewiesen

Der von Eltern und Lehrern häufig zitierte Gemeinschaftsgedanke, der einst die RIMS zusammenhielt, löste sich später aber offenbar nach und nach auf. Hans-Peter Dahlmann, der neue Gesellschafter der Privatschule, habe die Schule vor gut zwei Jahren mitsamt den vertraglich geregelten Darlehen übernommen, wissend, dass er ebendiese zurückzahlen müsse, berichtet Albertini-Coles. Doch als ein Elternpaar nach Ablauf der Frist die Auszahlung des Darlehens eingefordert habe, sei es nur schroff abgewiesen worden. „Die Stimmung an der Schule war mit einem Mal ganz anders als in der RIMS.“

Es habe viele Veränderungen gegeben, unterstreichen auch die Lehrerinnen. So habe Dahlmann von den Eltern verlangt, dass sämtliche Kommunikation über die Schulleiterin, Dr. Vivian Papafakli-Strouza, zu laufen habe. „Auch wir Lehrer durften die Eltern der Kinder nicht mehr direkt ansprechen, wenn wir Gesprächsbedarf erkannten“, sagen Duplancic und Serdio. Ferner seien die Notenkonferenzen abgeschafft worden, „wir mussten unsere Noten elektronisch in ein zentrales System eingeben, dabei ist gerade der Austausch mit anderen Fachlehrern bei der Notenvergabe wichtig“, sagt Serdio.

Fassungslos erzählt sie, dass ihr in diesem Zusammenhang erklärt worden sei, die Schule sei ein „Geschäft“. Bevor man Noten vergebe, müsse man prüfen, welche Eltern hinter dem jeweiligen Kind steckten. Dann fällt den Lehrerinnen der damals neu eingeführte Dresscode ein: Sie sollten fortan im Business-Look unterrichten, habe man ihnen gesagt. „Im Kostüm mit Grundschulkindern arbeiten?“, beide Lehrerinnen lachen heute darüber. Doch auch die Schüler mussten sich offenbar umgewöhnen. „Es gab einen neuen Verhaltenskodex“, erklärt Albertini-Coles, so musste beispielsweise eine Schülerin mit grün gefärbten Haaren in der Schule eine Perücke tragen. Und: „Wer gut für das Prestige der Schule war, war gut. Wer irgendetwas in Frage stellte, wurde als Feind angesehen.“ Als vor den Sommerferien 2017 publik wurde, dass die Schule keine Miete mehr zahle, habe Albertine-Coles noch gedacht, Dahlmann werde das während der Sommerferien richten. Denn: „Es hat doch keinen Sinn, Lizenzen für das IB (international baccalaureate) und die Cambridge School für viel Geld durchzusetzen und dann die Schule gegen die Wand zu fahren.“

Prozesse gewonnen

Und Duplancic berichtet, Dahlmann habe von ihr verlangt, sie solle in der Lehrerkonferenz für die „Lehrerrente“ – das ist ein Versorgungswerk für Lehrer und Erzieher nichtöffentlicher Einrichtungen, dessen Vorstandsvorsitzende Dahlmanns Frau Rosina ist – werben und auch selbst eine solche Versicherung abschließen. Doch Duplancic weigerte sich: „Das war wahrscheinlich einer der Gründe, weswegen er mich loswerden wollte“, vermutet sie. Auf unsere Frage an Dahlmann, ob er Lehrer dazu gedrängt habe, über sein Maklerbüro Versicherungen abzuschließen, antwortete eine Mitarbeiterin Dahlmanns bereits im vorigen September, die Schule biete ihren Angestellten eine betriebliche Altersvorsorge, „die momentan von zirka zehn Prozent der Mitarbeiter in Anspruch genommen wird. Daher kann ihre Aussage, dass Mitarbeiter dazu gedrängt werden, Verträge abzuschließen, keinesfalls bestätigt werden.“

Duplancic und Serdio haben gegen ihre Entlassungen geklagt und die Prozesse gewonnen, weil die Kündigungen jeglicher Rechtsgrundlage entbehrten. Sie dürften – eigentlich – wieder unterrichten. Auch stünden ihnen die ausstehenden Gehälter zu.

Von der RIMS zur MTIS – eine Zeitachse

Die „Rhein-Main International Montessori School (RIMS)“ wurde im Jahr 2004 von Eltern, allen voran dem Ehepaar Ingrid und Felix von Walderdorff, gegründet.

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