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Der chinesische Funke: Dr. Iwo Amelung spürt dem wirtschaftlichen Denken im Reich der Mitte nach

Von Das neue Gastmitglied am Forschungskolleg Humanwissenschaften liest und spricht fließend Chinesisch. Vier Jahre lang will der Sinologie-Professor Dr. Iwo Amelung am Wingertsberg zur Kontinuität der chinesischen Wirtschaftstradition forschen.
Chinesische Lektüre? Kein Problem: Dr. Iwo Amelung liest und spricht fließend Chinesisch. Foto: Leonhard Hamerski Chinesische Lektüre? Kein Problem: Dr. Iwo Amelung liest und spricht fließend Chinesisch.
Bad Homburg/Frankfurt. 

Von seinem Büro im siebten Stock des Juridicums der Universität Frankfurt schaut Dr. Iwo Amelung direkt in den Taunus. „Ins schöne Bad Homburg“, sagt der Professor für Sinologie, der am heutigen Mittwoch als Goethe-Fellow am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Universität Frankfurt in Kooperation mit der Werner-Reimers-Stiftung eingeführt wird. Die Präsidentin der Goethe-Universität, Professor Birgitta Wolff, wird die drei neuen Fellows (Gastmitglieder), unter ihnen die Soziologin Daniela Grunow und Christian Wiese (Jüdische Religionsphilosophie), vorstellen. Als Senior Fellow wurde der Ökonom Professor Dr. Bertram Schefold berufen. Gemeinsam mit ihm hatte sich Amelung um die Förderung des Fellowships beworben.

In Amelungs und Schefolds Projekt geht es um wirtschaftliches Denken in China. Amelung sagt: „China versucht, eine Tradition zu konstruieren, die eine Verbindung zwischen traditionellem chinesischem Wirtschaftsdenken und dem jetzigen wirtschaftlichen Erfolg herstellt.“ Er wolle Quellen untersuchen, wie das heute rezipiert werde, und sie kritisch bewerten. Er sagt weiter: „Noch nehme ich das China nicht ab, davon müsste ich erst überzeugt werden.“ Bis vor vierzig Jahren sei China gewesen, was Nordkorea heute sei, brotarm. Vor 1978 habe dort strikte Planwirtschaft geherrscht. Der Aufschwung sei in rasendem Tempo gekommen. „Als ich 1985 das erste Mal in China war, öffnete das erste private Restaurant. Seither hat sich ein Umbruch vollzogen, der wiederum gegen eine fortlaufende Entwicklung spricht.“ Die kommunistische Regierung hätte sich aber die Tradition nutzbar gemacht; die Utopie der Gleichheit sei aufgegeben worden. „Heute sieht man in den Städten viele wohlhabende Chinesen.“

Iwo Amelung, 1962 in Dresden geboren und in einer der seltenen Familienzusammenführungen 1963 mit der Mutter zum Vater in den Westen gelangt, ist ein hochgewachsener Mann, der schnell spricht. Während der ersten Phase der China-Begeisterung studierte er in Göttingen Geschichte. Im Leistungskurs in der Schule war bereits der chinesische Funke auf ihn übergesprungen. Er kaprizierte sich auf Sinologie, studierte in Bonn weiter und wurde in Berlin promoviert. Er sagt: „Ich kann Chinesisch lesen und die Hochsprache sprechen. Ich gehöre zur ersten Generation, bei der das Mündliche eine große Rolle spielt. Die Schrift ist faszinierend, sie besteht seit 1350 vor Christus – ein hohes Maß an Kontinuität. Die Grammatik ist einfach, ohne Endungen, ohne Artikel.“

Von 2003 bis 2007 lehrte Amelung Sinologie an der Uni in Peking und erfuhr die dramatischen Veränderungen. Seither lehrt er am renommierten Interdisziplinären Zentrum für Ostasienstudien der Goethe-Universität. Gemeinsam mit Professor Schefold will er auf dem Wingertsberg einen Workshop zum Vergleich des chinesischen und westlichen Wirtschaftsdenkens organisieren.

Zum Fellowship zwischen der Goethe-Universität und dem Forschungskolleg sagt er: „Das ist eine wunderbare Gelegenheit zum vom Unterricht unbelasteten Forschen. Es ist sehr zu begrüßen, dass es nun auch in Bad Homburg die Möglichkeit gibt, sich, wie etwa am Wissenschaftskolleg in Berlin oder dem Institute for Advanced Studies in Princeton, auf ungewöhnliche Themen zu konzentrieren und sich mit Kollegen aus anderen Disziplinen über das eigene Fach auszutauschen.“

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