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19. Turnier auf Burg Königstein: Duell im Sonnenschein

Mittelalterliches Leben und Kämpfen waren am Wochenende hautnah zu erleben: Die Königsteiner Ritter hatten wieder die Kollegen aus Württemberg eingeladen.
Einer der Württemberger Ritter mit schwarzem Pferd und blau-grauer Lanze hebt sich von der Masse des Publikums ab. Foto: Maik Reuß Einer der Württemberger Ritter mit schwarzem Pferd und blau-grauer Lanze hebt sich von der Masse des Publikums ab.
Königstein. 

So viel ist sicher: An Ideen mangelt es den Königsteiner Rittern ganz und gar nicht. „Alle zufrieden zu machen und den Besuchern ein wunderbares Erlebnis zu schenken“ hat schließlich nicht nur für Thomas Lederer, quasi den „Ersten Ritter“ der Königsteiner, höchste Priorität.

Diesem Ziel haben sich ohne Wenn und Aber alle 59 Helfer allein aus den Reihen der Königsteiner Ritter verschrieben. So viele jedenfalls stehen auf dem Dienstplan für das 19. Königsteiner Ritterturnier. Und ein Teil davon campiert sogar fünf Tage lang auf der Burg. Weil sich ein mittelalterliches Ritterturnier der Königsteiner Größenordnung nicht aus dem Ärmel schütteln lässt, sondern unzählige Helfer braucht, die von morgens bis abends im Einsatz sind.

Bilderstrecke Ritter, Knappen, Rüstungen: Mittelalter in Königstein
Ritter, Knappen, Pferde und Burgbewohner sind in historischen Gewändern auf der Königsteiner Burg zu sehen. 
Eindrücke rund um das Ritterturnier am Samstagnachmittag im Innenhof der BurgruineRitter, Knappen, Pferde und Burgbewohner sind in historischen Gewändern auf der Königsteiner Burg zu sehen. 
hiert sitzt Jürgen Michel alias Vom Wolkenhort  mit einer DrehleierRitter, Knappen, Pferde und Burgbewohner sind in historischen Gewändern auf der Königsteiner Burg zu sehen. 
Eindrücke rund um das Ritterturnier am Samstagnachmittag im Innenhof der Burgruine

Doch zurück zu den ausgefallenen Ideen. Alles hat seine Grenzen. Auf den Plan, die entscheidenden Szenen des DFB-Pokal-Endspiels zwischen der Eintracht und Dortmund am Samstagabend mit Handpuppen leicht verzögert nachzuspielen, um König Fußball zu huldigen, wurde dann doch verzichtet. Dass es wohl für die treuesten der treuen Eintracht-Fans unter den Rittern irgendwo auf dem Burggelände einen Fernseher gegeben haben soll, dürfte ein Gerücht gewesen sein. Oder? Wer weiß?

Auch für die jungen Besucher gab es Wettkämpfe. Bild-Zoom Foto: Maik Reuß
Auch für die jungen Besucher gab es Wettkämpfe.

Wie auch immer: Die, die vielleicht via TV oder Handy mit einem Auge nach Berlin geschielt haben, ließen sich die Enttäuschung über das 1:2 jedenfalls nicht anmerken. Das Mittelalter war wie gewohnt zwei Tage lang Programm und die Zeitreise begann schon am Eingang zum Burggelände, wo höfische Damen das Einlassgeld (12 Euro für Besucher ab 16 Jahren) entgegennahmen und gestrenge Torwächter anschließend den Weg freimachten. Für Sicherheit war auch ohne Drängelgitter und Leibesvisitation gesorgt, Thomas Lederer konnte dem Treiben am Eingang beruhigt zusehen. Seine Ankündigung: „Wenn wir Einlasskontrollen wie beim Fußball machen müssen, höre ich auf. Von den 4000 Menschen, die wir pro Tag auf das Burggelände lassen dürfen, sind 50 Prozent Kinder. Deren leuchtende Augen zu sehen, wenn die Württemberger Ritterschaft sie auf ihre Zeitreise mitnimmt oder sie selbst mit Begeisterung zu Rittern werden, ist unsere Motivation. Das darf nicht durch immer schärfere Kontrollen zerstört werden“, sagt er.

Scherenschleifer Jan Oberländer Bild-Zoom Foto: Maik Reuß
Scherenschleifer Jan Oberländer

„Die Kosten für die Security belasten die Kasse ordentlich“, weiß etwa Marktvogt Matthias Clemenz, der das Leben als Ritter als perfekten Ausgleich zum Beruf erachtet: „Besser kann ich den Stress, den der Job nun mal mit sich bringt, nicht loswerden.“ Überhaupt: Vom Rechtsanwalt bis zum Büroangestellten trifft man fast alles bei einem mittelalterlichen Spektakel. Der flotte Spruch „hier tauscht so mancher die Rolex mit dem Einhandschwert“ kommt nicht von ungefähr. Hinter den zumeist selbst geschneiderten Kostümen verstecken sich oftmals auch die, denen man im zivilen Leben „alles, nur das nicht zutrauen würde“, lacht Clemenz und winkt hinüber zu Ehefrau Stefanie, die vor vier Wochen Mutter geworden ist.

Bis die Funken sprühen

Die Württemberger Ritter, die seit 1992 als eingetragener Verein bestehen, heute mehr als 200 aktive und passive Mitglieder umfassen, sorgen als eingeschworener Haufen seit Jahren in Königstein für Begeisterungsstürme, weil sie die Zeit der mutigen Ritter und ihrer tapferen Recken so prachtvoll und gekonnt aufleben lassen. Wenn die Mannen von Andreas Windmüller alias Andreas le Haziel von Flandern gut gerüstet auf ihren geschmückten Pferden in den Wettstreit ziehen und beim Lanzenstechen, Speerwurf oder im Kampf gegen den Eisernen Ritter den Besten unter ihresgleichen küren, könnte man schon auf die Idee kommen, unter den schmucken Helmen stecken professionelle Stuntmen. Doch nichts da: Bis auf die Markthändler sind alle Akteure an diesem Wochenende waschechte Amateure.

Was die Show umso erstaunlicher macht. Wenn Rabenschnäbel, Äxte, Morgensterne und Brandfackeln im Zweikampf eingesetzt werden, ziehen die Zuschauer nicht nur in der ersten Reihe schon mal den Kopf ein. Da fliegen die Funken und die Schilde splittern. Wer die Gelegenheit nutzt, eines der kunstvoll geschmiedeten knapp drei Kilo schweren Schwerter in die Hand zu nehmen, merkt schnell: Das Mittelalter erfordert vor allem sportliche Höchstleistungen. Oder wie es die Württemberger von sich selbst sagen: Mut, Geschicklichkeit, Kraft und Ausdauer sind heute genauso entscheidend wie damals.

200 aktive Mittelalter-Fans sorgen mit viel Liebe zum Detail auch abseits der „Arena“ dafür, dass die Zeitreise für alle Besucher zu einem besonderen Erlebnis wird. Dazu zählt die Begegnung mit dem mittelalterlichen Bettler, der seine Gage jedem Einzelnen aus der Tasche locken muss, ebenso wie die Akrobaten und Stelzenläufer, Gaukler und Marktbeschicker oder die Spielleute der Mittelalter-Band „Tarranis“ aus der Wetterau und der Gruppe „Eulental“.

Kurzum: Das halbe Jahr Vorbereitung, die 14-tägigen Treffen und Näh-Wochenenden haben sich im 19. Jahr einmal mehr ausgezahlt. Auch, wenn so mancher unterm dicken Wams ordentlich ins Schwitzen geraten sein dürfte. Ein bisschen Schwund ist eben immer …

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