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Wichtiger Zeitzeuge: Eckard Zielke befürchtet, dass eine Fläche am Bahnhof mit Diesel kontaminiert ist

Von Die künftige Verkehrsführung am Oberurseler Bahnhof beschäftigt derzeit Stadt und Anwohner. Einer, der weiß, wie es dort früher aussah, ist Eckard Zielke. In den 60er Jahren war der Friedrichsdorfer als Fahrdienstleiter und Umlaufablöser am Bahnhof tätig. Jetzt treibt ihn eine Sorge um – dabei geht es um ein Areal, auf dem ehedem ein Kleinlokschuppen stand.
Eckard Zielke arbeitete in den 60er Jahren als Fahrdienstleiter am Oberurseler Bahnhof. Nicht nur die Erinnerungen daran hat er in einem Band festgehalten. Auf dem Monitor ist die Zeichnung zu sehen, die er vom Bahngelände angefertigt hat. Foto: Jochen Reichwein Eckard Zielke arbeitete in den 60er Jahren als Fahrdienstleiter am Oberurseler Bahnhof. Nicht nur die Erinnerungen daran hat er in einem Band festgehalten. Auf dem Monitor ist die Zeichnung zu sehen, die er vom Bahngelände angefertigt hat.
Oberursel. 

Friedrichsdorf, eine helle Wohnung im Schäferborn. Die Sonnenstrahlen, die durch die große Fensterfront hineingelangen, tauchen das Wohnzimmer und den PC-Arbeitsplatz von Eckard Zielke in ein warmes Licht. „Dort befand sich der Kleinlokschuppen“, sagt der 78-Jährige und deutet am Monitor auf eine Zeichnung, die er selbst angefertigt hat. „Und dort war das Stellwerk, auf dem ich als Fahrdienstleiter eingesetzt war, in der Nähe der Drei-Hasen-Unterführung. Von da bis zu dem Lokschuppen, das waren vielleicht 40, 50 Meter.“

Zielke hat sich an die Taunus Zeitung gewandt, nachdem wir in der Ausgabe vom 11. Januar über einen Entwurf für das Areal rund um den Bahnhof berichtet hatten, den eine Gruppe von Anwohnern gern verwirklicht sähe. Die Bürger wollen, wie berichtet, einbezogen werden und trommeln für ihren Vorschlag, vor allem, was die von ihnen gewünschte neue Trasse zwischen Drei-Hasen-Brücke und dem geplanten Parkdeck am Bahnhof angeht, über die es künftig entlang der S-Bahnlinie stadtein- und -auswärts gehen soll, so die Idee.

Zielke aber treibt der Blick auf die Infografik die Sorgenfalten auf die Stirn. Seine Befürchtung: Das Areal, auf dem ehedem der Kleinlokschuppen stand, könnte kontaminiert sein.

Am Schuppen, so Zielke, gegenüber dem Stellwerk, am Ende der Ladestraße in Richtung Bad Homburg, habe sich auch eine Dieseltankstelle befunden. Dort seien die Kleinlok, die für Rangierarbeiten genutzt wurde, und manchmal auch größere Dieselloks oder Baufahrzeuge betankt worden.

„Kräftig geschlampt“

„Und da wurde kräftig geschlampt. Das Dieselöl, das in Fässern per Güterwaggon angeliefert wurde, konnte man teilweise bis zum Stellwerk riechen. So etwas wie Umweltschutz gab es ja damals nicht – die Erde ist da mit Sicherheit bis in zwei, drei Meter Tiefe kontaminiert“, befürchtet der gelernte Molkereigehilfe, der es in der darauffolgenden Eisenbahnerkarriere bis zum Bundesbahn-Oberamtsrat gebracht hatte. 1994 musste er aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand gehen.

Von 1960 bis 1965 war Zielke am Bahnhof der Brunnenstadt sowie in Weißkirchen als Fahrdienstleiter und Umlaufablöser im Einsatz, sein erstes Gehalt lag bei 401,60 Mark, plus Zuschläge, bei bis zu 64 Wochenstunden. Auch wie einer seiner ersten Nachtdienste im Fahrdienstleiterstellwerk ablief, das sich gegenüber der damaligen Kneipe „Drei Hasen“ befand, weiß der Friedrichsdorfer noch genau; vor ein paar Jahren hat er eigens eine Sammlung von anekdotischen Erinnerungen an seine Eisenbahnerzeit in Bad Homburg, Oberursel und Friedrichsdorf zwischen 1958 und 1973 erstellt.

„Nach kaum acht Tagen Einweisung wurde es ernst. Und ich hätte fast eine 50er-Dampflok zum Entgleisen gebracht!“ Es sei vier Uhr früh gewesen, bei dichtem Nebel, eine Verständigung sei nur über lautes Schreien mit einer altertümlichen metallenen „Flüstertüte“ und einer dürftigen Taschenlampe möglich gewesen. „Ich war der Meinung, dass die Lok beim Vorziehen und Umsetzen schon über eine danach umzustellende Weiche gefahren war, und hebelte sie um. In dem Moment fuhr sie aber erst drüber, die Sicherungseinrichtung riss mir den halben Arm ab. Ich brüllte in Richtung Lokführer, der mich gar nicht hören konnte, er hatte aber etwas bemerkt, die Lok blieb stehen und der Heizer kam zu Fuß zum Stellwerk gerannt“, erinnert sich der gebürtige Danziger, der in Friedrichsdorf, wo er seit 1968 lebt, kein Unbekannter ist – unter anderem begründete er 1976 als „Schultheiß von Dillingen“ die Dillinger Kerb, für die er jahrzehntelang verantwortlich zeichnete.

Für die Stadt ist Zielke in Sachen Altlasten jetzt ein wichtiger Zeitzeuge. „Die Umweltabteilung ist sehr interessiert daran, den Kontakt aufzunehmen und der Sache gegebenenfalls auch an Ort und Stelle auf den Grund zu gehen“, sagt Sprecherin Nina Kuhn der Taunus Zeitung. Laut Stadtarchiv habe es im Bereich der Nassauer Straße womöglich sogar mehrere dieser Schuppen gegeben. Es habe zwar im Bahnhofsgebiet schon an manchen Stellen Untersuchungen gegeben, aber ob das auch für die von Zielke benannte Fläche gilt, müsse jetzt erst einmal geklärt werden.

„Geguckt wird aber in solchen Fällen ohnehin immer, und im Bereich von Bahnhöfen und Gleisanlagen findet sich leider auch oft etwas“, so Kuhn. Wenn man aber einen konkreten Hinweis habe, mache das die Sache einfacher. „Dann muss genau geschaut werden, was in den Boden gelangt ist, was noch übrig ist und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, ob zum Beispiel abgetragen oder versiegelt wird“, erklärt sie. Zuständig für Altlasten sei formal das Regierungspräsidium Darmstadt, mit dem man eng zusammenarbeite.

Eckard Zielke will seinen Beitrag leisten. „Meine Mutter hat immer gesagt: Tu was für andere, Junge, dann kannst du ruhig schlafen.“

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