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Heimatmuseum Seulberg: Ein Fingerhut für die Liebste

Im Heimatmuseum Seulberg laufen zurzeit die Vorbereitungen für eine Sonderausstellung rund um den Fingerhut. Unter dem Titel „Nähutensil und Liebesgabe“ werden zum ersten Mal überhaupt alle 450 Fingerhüte aus verschiedenen Epochen, Ländern und Materialien gezeigt, die die Sammlerin und ehemalige Museumsleiterin Ingeborg Dittler aus Seligenstadt in über 40 Jahren zusammengetragen hat. Die Ausstellung mit Begleitprogramm startet am 19. April und läuft bis 26. Juli.
Der kleinste Fingerhut der Schau ist kaum größer als der Fingernagel eines Kindes. Der silberne Zierbecher in Fingerhutform ist das größte Exponat. Zum Größenvergleich in der Mitte: ein handelsüblicher Fingerhut. Der kleinste Fingerhut der Schau ist kaum größer als der Fingernagel eines Kindes. Der silberne Zierbecher in Fingerhutform ist das größte Exponat. Zum Größenvergleich in der Mitte: ein handelsüblicher Fingerhut.
Seulberg. 
Alles voller Fingerhüte: Sammlerin und Museologin Ingeborg Dittler hat ihre oftmals farbenfrohen Ausstellungsstücke in den insgesamt sieben Vitrinen mit erklärenden Texten und Hinweisen versehen.	Fotos: alv (3) Bild-Zoom
Alles voller Fingerhüte: Sammlerin und Museologin Ingeborg Dittler hat ihre oftmals farbenfrohen Ausstellungsstücke in den insgesamt sieben Vitrinen mit erklärenden Texten und Hinweisen versehen. Fotos: alv (3)

Es begann mit einem zierlichen Fingerhut aus Alabaster mit zartem Goldreif. Den hatte seinerzeit die Urgroßmutter von Ingeborg Dittlers Ehemann beim Nähen am Finger. Aber erst mit dem zweiten Fingerhut, einem mexikanischen Stück aus Silber, verziert mit einem aufgelöteten floralen Muster aus feinem Silberdraht, packte die Seligenstädterin 1970 die Sammelleidenschaft so richtig. Seitdem hat die ehemalige Leiterin des Dreieich-Museums 450 Fingerhüte aus aller Welt, verschiedenen Epochen und aus den unterschiedlichsten Materialien zusammengetragen.

Dass die Prachtstücke demnächst für 14 Wochen im Seulberger Heimatmuseum zu sehen sind, ist auch insofern eine Premiere, als die Sammlung, die Ingeborg Dittler ansonsten zuhause in vielen Setzkästen aufbewahrt, hier zum ersten Mal vollständig zu bewundern ist.

Das älteste Stück ist ein antiker, leicht verbeulter, bräunlicher Fingerhut aus Messing, Rohzink und Kupfer, der aus dem 16. Jahrhundert stammt. Der nimmt sich fast schon bescheiden aus, wurde aber, anders als seine mit bunten Dekoren geschmückten Brüder aus Porzellan, tatsächlich als Fingerschutz beim Nähen benutzt. Die Porzellanfingerhüte waren, genauso wie die aus Kristall, dafür nie gedacht, weiß Ingeborg Dittler zu berichten. Sie waren vielmehr kleine Mitbringsel oder Liebesgaben für die Angebetete. Damit war dieses spezielle Nähutensil über Jahrhunderte nicht nur ein kleines nützliches Werkzeug für Schneider, Näherinnen, Hausfrauen, Perücken- und Segelmacher sondern immer auch Reisesouvenier oder kleiner Schmuckgegenstand. Die Wahl der Materialien scheint dabei keine Grenzen zu kennen. So sind in der liebevoll eingerichteten Ausstellung in insgesamt sieben Vitrinen japanische Fingerhüte aus Leder ebenso zu sehen wie empfindliche Exponate aus filigraner Emaille, edlem Elfenbein, Perlmutt, Olivenholz und sogar aus Pappmaché.

 

Steinzeitliche Spindeln

 

Gerade die Stücke aus Gold oder Silber erzielen unter Sammlern heute Preise von 150 Euro an aufwärts“, weiß die diplomierte Museologin zu berichten. Aber auch als Formgeber für Pfeffer- und Salzstreuer und kleine Schnapsbecher machte der Fingerhut Furore. Auch solche Exemplare sind in der Ausstellung zu sehen, die weit über eine einfache Präsentation hinausgeht. Denn sie ist zugleich eine chronologisch aufbereitete Kulturgeschichte, in der auch Nachbauten steinzeitlicher Wollspindeln, interessante Näh-Etuis, Stopf-Eier und fingerlange. mit edlen Steinen verzierte Fingernagelschützer zu sehen sind, wie sie die feinen Damen im alten China trugen.

Info: Sonderausstellung

Die Sonderausstellung der Fingerhutsammlung „Nähutensil und Liebesgabe – Fingerhüte aus aller Welt“ wird am kommenden Sonntag im Heimatmuseum, Alt Seulberg, eröffnet und läuft bis Sonntag, 26.

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Dass diese Sammlung nun im Heimatmuseum präsentiert werden kann, ist auch der langjährigen ehrenamtlichen Mitarbeiterin Reinhild Massey zu verdanken, die im vergangenen Jahr im Offenbacher Haus der Stadtgeschichte auf Ingeborg Dittler aufmerksam wurde, die dort einen Teil ihrer Fingerhüte zeigte. Und so habe das Heimatmuseum die Sammlung nach Seulberg geholt, sagt die stellvertretende Leiterin des Museumsvereins, Ute Desch.

„Wir sind immer auf der Suche nach interessanten Ausstellungen. Jetzt kurz vor dem Start geht es uns darum, die richtige Umgebung für die vielen Fingerhüte zu schaffen.“ Dafür sind Nähkörbe und -kästen aus Beständen des Museums und aus privatem Besitz genauso herangeholt und ausgeliehen worden wie Schneiderpuppen, alte Schnittmuster, weiteres Schneiderwerkzeug sowie Modellkleider und Stoffballen.

Abgerundet wird die Nähstuben-Atmosphäre mit einer rund 100 Jahre alten Singer-Nähmaschine mit schmiedeeisernem Fußtritt und Schwungrad, die Freunde von Ute Desch dem Museum anlässlich der Ausstellung kurzerhand schenkten. Begleitet wird die Fingerhutpräsentation außerdem von einem eigenen Führungs- und Veranstaltungsprogramm, bei dem natürlich auch an die bastelbegeisterten Kinder gedacht wurde. Diese können sich bei den Workshops „Sulinchens Kindereien“ unter anderem mit dem Knüpfen von Puppen und dem Besticken von Muttertagskarten beschäftigen.

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