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Baugebiet im Hardtwald: Ein Heim für „Bizonesier“

Vor 70 Jahren, 1947, begann die Bebauung des Hardtwaldes. Das Baugebiet entstand seinerzeit aus der Hoffnung heraus, dass Frankfurt Hauptstadt der im Entstehen begriffenen Bundesrepublik werden sollte. Doch es kam bekanntlich anders – und aus den eilig für Regierungsbeamte gezimmerten Häuschen wurde nach und nach eine großzügige und für damalige Verhältnisse höchst moderne Bebauung.
Einfach und zweckmäßig: Einstöckige Häuschen mit ausgebautem Dachstock: So sah vor 70 Jahren die erste Wohnbebauung im Hardtwald aus. Einfach und zweckmäßig: Einstöckige Häuschen mit ausgebautem Dachstock: So sah vor 70 Jahren die erste Wohnbebauung im Hardtwald aus.
Bad Homburg. 

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs gehörte Bad Homburg mit seinen 18 500 Einwohnern trotz des Prädikats „Kurbad“ zu den Kleinstädten. Heute belebte Verkehrswege wie Dietigheimer-, Kirdorfer- oder untere Louisenstraße waren einfache Landwege, während der Hardtwald weitgehend unbebaut blieb. Eine Ausnahme bildeten der Viktoriaweg sowie die Heinrich-von-Kleist-Straße und der Hölderlinweg. Diese beiden wurden schon um 1920 im Rahmen der „produktiven Erwerbslosen-Fürsorge“ befestigt. Der heute bis in den Wald führende Hölderlinweg existierte zwar, zählte aber vor dem Ersten Weltkrieg nur sechs Häuser. Das älteste von diesen hatte hier lange ohne Nachbarn gestanden und war ein kleines hölzernes Forsthaus, in dem der Förster Richard Tietz lebte, der sich stolz „Königlicher Hegemeister“ nannte.

1945 gab es viele Probleme zu lösen, so dass an eine Erweiterung des Stadtbildes nicht zu denken war, doch die überregionale Politik sorgte für Veränderungen. Nachdem am 1. September 1947 die Vereinigung des amerikanischen und britischen Wirtschaftsraumes dieser Besatzungszonen zur Bizone erfolgt war, mussten für die einzelnen Verwaltungen möglichst rasch intakte Bürogebäude gefunden werden. Dies war in Anbetracht der ungeheuren Zerstörungen deutscher Städte nicht einfach.

Da Bad Homburg trotz einiger Fliegerangriffe verhältnismäßig unversehrt geblieben war, hatte der Deutsche Finanzrat hier seine Arbeit in der Terrassenstraße 1 aufgenommen. Hier im ehemaligen „Taunus-Sanatorium Dr. Goldschmidt“ arbeiteten bis zu 300 Angestellte. Junggesellen wurden als „möblierte Herren“ in bereits belegte Wohnungen zwangsweise eingewiesen, doch auf weite Sicht war dies keine Lösung. Man rechnete nämlich nicht nur in Bad Homburg sehr optimistisch damit, dass Frankfurt zur Bundeshauptstadt gewählt würde. Dann würden auch Familien hierher ziehen.

Es wird gebaut

Unter Stadtbaurat Dr. Rudolf Müller, der seit 1. April 1946 im Bad Homburger Magistrat wirkte, begann im Herbst 1947 die später noch ausgedehnte Bebauung des Hardtwaldes. Dafür wählte er das Areal zwischen der heutigen Kantstraße, Herderstraße, dem Philosophenweg und der Schillerstraße. Für das benötigte Gelände veräußerte die Stadt 20 Hektar Wald. Anfangs standen 69 Grundstücke zur Verfügung, deren Erschließung 450 000 Mark kostete. Da die Bebauung des neuen Wohngebietes auf 93 Grundstücke erhöht werden sollte, begann man mit dem Bau einiger Straßen. Alles ging so rasch vor sich, dass man sich keine Gedanken über ihre Namen machte. Es gab einfach die A-Straße, die B-Straße und die C-Straße. Erst später wurden sie zur Schiller-, Goethe- und Lessingstraße. Am 5. Juli 1948 stimmte der Magistrat dem Bebauungsplan zu, der dann nachträglich von den Stadtverordneten genehmigt wurde.

Bald gab es im Hardtwald vorfabrizierte Bauten: Einstöckige Häuser mit ausgebautem Dachstock. Alle waren von gleichem Entwurf und standen in einem Garten; ein hölzerner Jägerzaun trennte das Grundstück vom Bürgersteig. Diese Siedlung war die einzige Baumaßnahme der Stadt noch vor der am 20. Juni 1948 durchgeführten Währungsreform, die dem Land die so geliebte D-Mark bescherte.

Langsamer Wandel

Die ersten Bewohner der neuen Siedlung „Bizonesien“ konnten ihr Heim jedoch nicht lange genießen, denn am 3. November 1949 wurde nicht Frankfurt, sondern Bonn die Bundeshauptstadt. Nach und nach verließen die Bizonesier, wie sie von den Homburgern hinter vorgehaltener Hand genannt wurden, die Kurstadt. Im Laufe der Zeit veränderten die neuen Bewohner die einfachen Häuser und statteten sie mit modernen Anlagen aus, wozu auch gehörte, die Stromleitungen unter Putz zu legen. Der seit 1. Juli 1948 im Amt befindliche Oberbürgermeister Karl Horn hatte sich über den Zuzug so vieler Beamten und Angestellten der Finanzbehörden gefreut und war der Meinung, durch das neue Siedlungsgebiet im Hardtwald sei Bad Homburg auch zur Verwaltungsstadt geworden.

1950 setzte eine ausgedehnte Bebauung des einstigen Hardtwaldes ein, über den der „Taunusbote“ drei Jahre später schrieb, in diesem Wohnviertel könne man moderne und vornehme Wohnkultur beobachten, neben Schweizer Holzhäuschen auch schlichten Landhausstil und gediegenen Villenkomfort. Zehn Jahre später gab es viel aufregendere Informationen.

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