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Ein Hoch auf die Heimat

Von Alle Welt blickt derzeit auf die Nobelpreisträger – und damit auch auf Edvard Moser. Was jedoch kaum einer weiß: Der 52-jährige Forscher hat seine Wurzeln in Kronberg. Und dort erinnern sich viele an ihn und seine Familie.
Helmut Melzer Bilder > Helmut Melzer
Kronberg. 

Es ist eine bemerkenswerte Leistung, die Edvard Moser gemeinsam mit seiner Ehefrau May-Britt erbracht hat: Das forschende Ehepaar hat grundlegende Strukturen unseres Orientierungssinnes identifiziert, die auch in der Alzheimer-Forschung bedeutend sind. Dafür wurden sie vergangene Woche mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet.

Dass dieser bemerkenswerte Mann zwar Norweger ist, die Wurzeln seiner Familie jedoch in Kronberg liegen, weiß dabei kaum jemand. Dabei hat sein Großvater, Eduard Moser, sogar eine große Rolle in der Stadt gespielt: Von 1935 bis kurz vor seinem Tod 1949 war er Pfarrer in Kronberg.

Freude im Taunus

„In dieser Zeit hat er viel geleistet“, erinnert sich Helmut Melzer, langjähriger Kantor der Johanniskirche. Der 86-Jährige wurde einst von Pfarrer Moser, dem Großvater des Preisträgers Edvard Moser, konfirmiert – und war gut mit dessen Sohn, der ebenfalls Eduard hieß, befreundet. Umso größer war deshalb auch die Freude im Taunus: „Wir waren alle überrascht, als wir den Namen in der Zeitung lasen“, sagt Melzer. „Viele hier erinnern sich an die Familie, und wir sind jetzt natürlich alle sehr stolz.“

Eduard Moser, Vater des Preisträgers und Sohn des Pfarrers, verstarb vergangenes Jahr. Er und Helmut Melzer waren enge Freunde. „Ich habe ihn immer ,Edu’ genannt“, erzählt Melzer. Die Geschichte der beiden ist dann auch sehr eng zueinander verlaufen: „Ich habe mich schon früh für das Orgelspielen interessiert. Und Edu, angesteckt von meinem Interesse, beschloss dann, Orgelbauer zu werden.“ So gingen die Freunde lange Zeit durch dick und dünn – bis Eduard Moser nach Norwegen auswanderte, wo er sich als Orgelbauer und später Kunstschreiner selbstständig machte.

Der Kontakt in die Heimat ist jedoch über all die Jahre nie ganz abgebrochen: „Erst vor kurzem hat uns Ingrun, die Schwester von Edvard, besucht“, erzählt Melzer. Insgesamt drei Kinder habe sein Freund Edu gehabt, sie sind allesamt in Norwegen aufgewachsen. So wie der heutige Medizin-Nobelpreisträger Edvard Moser, der das beschauliche Familienheim jedoch zum Studium in Oslo verließ.

Ihn habe er leider nie persönlich kennengelernt, bedauert Helmut Melzer. Kurt Biron hingegen hat eine Erinnerung an ihn: „Als Kind war er einmal bei uns zu Besuch“, erinnert sich der 86-Jährige. „Da hat er bei uns im Garten gespielt.“ Kurt Biron und Eduard Moser waren Schulfreunde, sie sind gemeinsam auf das Kronberger Gymnasium gegangen. „Wir waren sehr gut befreundet in dieser Zeit“, sagt er heute. Man sei viel gemeinsam spazieren gegangen. „Viel mehr“, sagt er heute mit einem Lachen, „konnte man damals ja nicht machen.“

Nach der Schulzeit haben sich die Freunde dann aus den Augen verloren. Als Eduard begann, seine Ausbildung zum Orgelbauer zu machen, verließ er Kronberg bereits für längere Aufenthalte, unter anderem nach Bonn. „Und dann ist er ja nach Norwegen gegangen, das war dann irgendwie so weit weg“, bedauert Biron. Man habe sich noch lange geschrieben, „Eduard hatte mich auch eingeladen, ihn in Norwegen zu besuchen“, letztlich sei der Kontakt jedoch abgebrochen – ohne einen Besuch in Skandinavien.

„Bemerkenswerter Mann“

An ihren alten Freund erinnert haben sich jedoch beide, Kurt Biron und Helmut Melzer, noch oft. Auch an Kleinigkeiten erinnern sie sich: „Er war sehr gut in der Stolze-Schrey-Stenographie, da hat er sogar einen Weltmeistertitel gewonnen“, sagt Melzer, der heute noch in Altersheimen und einigen Gottesdiensten Orgel spielt, über den Vater von Preisträger Edvard Moser.

„Als Eduard in Marburg zur Schule gegangen ist, musste er bei wichtigen Gerichtsfällen immer in den Gerichtssaal und stenographieren.“ Ein anderer habe es eben nicht so gut gekonnt, sagt er heute mit einem Lächeln. „Nicht nur Edvard Moser ist eben ein bemerkenswerter Mann – sein Vater, der Edu, war es auch.“

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