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Benefizkonzert: Ein Krankenwagen für den Senegal

Von Innerhalb von zehn Minuten nach der Alarmierung muss hierzulande ein Rettungsfahrzeug an Ort und Stelle sein: So sieht es das Hessischen Rettungsdienstgesetz vor. Das mag zwar nicht überall auf die Minute gelingen. Aber Tatsache ist: Der Krankenwagen kommt. Immer. Das sieht in anderen Teilen der Welt ganz anders aus – in Agnam-Goly im Senegal zum Beispiel. Mit einem Benefizkonzert will die Bigband der Humboldtschule zumindest dort Abhilfe schaffen.
Die HUSsiten bitten zum Benefizkonzert. Die HUSsiten bitten zum Benefizkonzert.
Bad Homburg. 

Ein zwölfjähriger Junge stirbt an den Folgen eines Unfalls, weil kein Krankenwagen zur Verfügung steht und er nicht rechtzeitig in das weit entfernte Krankenhaus gebracht werden kann. Unvorstellbar. Aber tatsächlich genau so passiert. Und zwar im Senegal. „So etwas sollte heutzutage überhaupt nicht mehr passieren, und zwar nirgends auf der Welt“, sagt Alexander von Edlinger. Weswegen er sich dazu entschlossen hat, mit seinen HUSsiten, der Bigband der Humboldtschule (HUS), ein Benefizkonzert zu organisieren, um so zu helfen, einen Krankenwagen anzuschaffen.

Das Ganze hat einen sehr persönlichen Hintergrund: Der Junge, der den Tod fand, ist der Neffe eines Mitarbeiters an der Humboldtschule, Tafsirou Thioune. Er ist seit etwa drei Jahren so etwas wie der gute Geist der HUS. In Bad Homburgs größter Schule kümmert er sich um alles, was rund um die große Halle und den Kiosk anfällt. Sorgt dafür, dass die Schüler in der Pause ordentlich anstehen und sich nicht anrempeln, sieht zu, dass die Halle immer sauber ist, kurzum, geht einer Art Hausmeistertätigkeit für diesen Bereich nach.

Der große Bruder

„Als er damals zu uns kam, war das für den einen oder anderen unserer Schüler schon ein Novum, einen Senegalesen hatten die wenigsten bis zu diesem Zeitpunkt jemals gesehen, geschweige denn kennengelernt“, erinnert sich von Edlinger. Aber rasch habe er sich unentbehrlich gemacht und schnell eine Stellung als „eine Art großer Bruder“ eingenommen – obwohl Thioune eher im Alter so mancher Eltern ist. Als vor etwa einem Jahr Thiounes Neffe verunglückte und ins Koma fiel, war die Betroffenheit in der Schulgemeinde entsprechend groß. „Die Anteilnahme war immens, am Kiosk wurde sofort eine Sammelbüchse aufgestellt, um die medizinische Versorgung des Jungen sicherzustellen“, erinnert sich von Edlinger. Und die Vorsitzende des Kioskvereins, Simone Loewen, sagt: „Die Resonanz war überwältigend. Binnen weniger Tage hatten wir nur über diese Spenden unserer Schüler knapp 2400 Euro zusammen.“ Doch der Junge starb, bevor ihn die Hilfe überhaupt erreichen konnte.

Manco Group als Hauptakt

Die HUSsiten, die Bigband der Humboldtschule, laden für den kommenden Mittwoch zum Benefizkonzert „Krankenwagen für Senegal“ ein. Beginn ist um 19 Uhr in der Aula der Humboldtschule.

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Loewen und ihr Team schlugen Thioune dann vor, dass er seiner Familie im Senegal das Geld trotzdem geben solle, etwa, um die Beerdigungskosten zu decken. „Aber Thioune winkte ab und sagte, das sei doch viel zu viel. Mit dem Geld müsste man etwas Weitreichenderes machen.“

Es stellte sich heraus, dass der Junge hätte überleben können, wenn er seinerzeit adäquat und vor allem schnell hätte behandelt werden können. Allein: Es stand kein Krankenwagen zur Verfügung, der ihn ins 100 Kilometer entfernte Krankenhaus hätte bringen können. „Das hat uns alle so bewegt, dass es seither, auf Anregung Thiounes, verschiedene Aktivitäten gab, um in dieser Region des Senegal – es handelt sich um Agnam-Goly im Nordosten des Landes, 600 Kilometer weit entfernt von Dakar – einen Krankenwagen zu stationieren“, sagen von Edlinger und Loewen unisono.

Die von von Edlinger geleitete Bigband etwa stellte im vergangenen Jahr zusammen mit der damaligen Musikklasse 7 a eine Jazzrevue zusammen und gab die dort gesammelten Spenden in den Topf. Tafsirou Thioune zog alle Register in seiner Heimat und warb für das Projekt, bekam so ebenfalls Geld zusammen. Der Kioskverein sammelte fleißig weiter – unter anderem über spezielle Backaktionen oder Lotterien, bei denen die Schüler ein Frühstück oder ein Mittagessen gewinnen konnten. Und von außen gab es noch eine große Spende vom Lions Club Bad Homburg Weißer Turm.

Fünfstelliger Betrag

„Mittlerweile haben wir einen hohen vierstelligen Betrag zusammen und hoffen, dass wir mit unserem Benefizkonzert, bei dem auch senegalesische Künstler auftreten, einen fünfstelligen Betrag draus machen können“, sagt von Edlinger. Denn 8000 Euro wird, das zeigt ein kurzer Blick auf entsprechende Gebrauchtwagenseiten im Internet, ein gebrauchter Krankenwagen schon kosten. Hinzu kommen noch mal rund 1500 Euro an Kosten für die Fähre.

Tafsirou Thioune ist das natürlich klar, weswegen er selbst auch einen nicht unerheblichen Anteil an dem Konzert hat. „Im Grunde genommen ist es seinem Engagement sogar zu verdanken, dass das Konzert ein internationales Musikfest wird“, sagt von Edlinger. Thioune habe nämlich alle seine Kontakte angezapft, um die senegalesische Musikgruppe Manco Group für ein Konzert zu gewinnen. „Sie wird im Zentrum der Veranstaltung stehen, aber natürlich werden die HUSiten und auch Musiker aus den Musikklassen und eine Schülertanzgruppe den Abend umrahmen“, sagt von Edlinger und fügt hinzu: „Das wird sicher ein wunderbarer Abend, der vom Geist unserer Schule zeugt.“

In der Tat: Als UNESCO-Projektschule engagiert sich die HUS für eine Kultur des Friedens, für den Schutz der Umwelt, für eine nachhaltige Entwicklung und für einen gerechten Ausgleich zwischen Arm und Reich. Das Schulleben gestaltet sie im Sinne des interkulturellen Lernens. Das übergeordnete Bildungsziel lautet: Zusammenleben lernen in einer pluralistischen Welt in kultureller Vielfalt. Und sich dabei trotzdem um jeden einzelnen kümmern, könnte man dieser Definition sicher noch hinzufügen.

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