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"Blickachsen"-Schau: Ein furchterregendes Gefängnis

In unserer Serie über die Künstler der diesjährigen „Blickachsen“-Schau wenden wir uns heute einem skurrilen Werk zu: „Il guerriero – der Krieger“ des Schweizer Objektkünstlers Daniel Spoerri. Wer sich näher heran wagt, sieht etwas Gruseliges.
„Il guerriero – der Krieger“ mit einem Kopf aus Krebsscheren steht unterhalb des Weißen Turms im Schlosspark. Foto: Jochen Reichwein „Il guerriero – der Krieger“ mit einem Kopf aus Krebsscheren steht unterhalb des Weißen Turms im Schlosspark.
Bad Homburg. 

Dank der harmonischen Umgebung des Schlossparks stellt sich bei Lustwandlern zumeist ein ausgeglichenes Lebensgefühl ein. Gerade der Hügel mit dem historischen Gebäude und dem Weißen Turm ist ein Fest fürs Auge. Somit erschrickt so mancher, wenn er sich Daniel Spoerris Kunstwerk „Il guerriero – der Krieger“ gegenübersieht. Vorbei ist es mit dem Frieden.

Die 2,40 Meter große Figur wurde unterhalb des Weißen Turms platziert; und obwohl sie auf dem Hügel leicht erhöht steht, wirkt sie kleiner, als sie ist. Farblich fügt sie sich in die graue Schlossmauer ein. Doch der krebsrote Kopf zieht die Blicke auf sich.

Zwei Krebsscheren

Dieser Kopf, der auf den ersten Blick aus zwei Krebsscheren besteht, verstört den Betrachter. Schließlich erwartet der in einem Kopf Augen, doch diese fehlen der Figur. So gleitet der Blick hilflos den Körper hinunter. Rot hervor sticht auch die eine Hand, die aus einem spitzen Haken besteht. Das Rot korrespondiert mit den rötlichen Sandstein-Elementen des Weißen Turms oberhalb der Figur und erinnert daran, dass auch der Burgfried einmal ein Wehrturm war.

Der Körper des „Kriegers“ gleicht einem Michelin-Männchen, das allerdings in einem Gefängnis aus Drahtgeflecht steckt. Was wir tatsächlich sehen, sind die Gusskanäle, die zur Herstellung einer Bronzeskulptur verwendet werden und die der Künstler normalerweise nach dem Gussvorgang entfernt. Spoerri bezieht die Kanäle in sein Kunstwerk mit ein, so dass sie wie ein Wurzelnetz anmuten und der Arbeit ein mystisches Aussehen verleihen.

Wer über die abschüssige Wiese nah an Spoerris Skulptur herantritt und ihm auf den Nacken schaut, sieht allerdings noch etwas Verstörendes. Quasi aus dem Hemdkragen des Kriegers kommt eine Hand hervorgekrochen. Der Körper ist also wirklich ein Gefängnis!

Ein Blick in die Lebensgeschichte des Schweizers offenbart, dass er 1930 in Rumänien geboren wurde. Er war elf, als die rumänischen Faschisten seinen jüdischen Vater 1941 ermordeten. Beim Iasi-Pogrom starben über 10 000 Juden, viele von ihnen in Güterzügen, in die sie eingesperrt waren und die tagelang durchs Hinterland fuhren.

Erfinder der Eat-Art

Mit seiner Mutter gelangte Daniel Spoerri in die Schweiz, wo er später klassischen Tanz und Pantomime studierte. Er wurde Kunst-Professor. Heute gilt er als ein wichtiger Vertreter der Objektkunst.

Um 1960 kreierte er als Mitbegründer der Künstlergruppierung Nouveau Réalisme sogenannte Fallenbilder. Benutztes Geschirr wurde mit Kunstharz auf einer Leinwand fixiert. Spoerri gilt als Erfinder dieser Eat-Art, die mit essbaren Kunstobjekten mitunter die gehobene Küche parodiert.

 

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