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Im Barbor-Shop: Eine Welt nur für Männer

Waschen, schneiden, föhnen können Sie hier vergessen. Und anstelle von Prosecco gibt es einen Whiskey. Der Barbershop ist eine völlig andere Welt, das fängt schon mal damit an, dass sich hier ausschließlich Männer verwöhnen lassen. TZ-Redakteur und Bartträger Marc Kolbe hat sich von Daniel Kitanovski in die Rituale dieser Männerwelt einführen lassen.
Das stylische Auftreten von Chef Daniel Kitanovski (sitzend) und Mitarbeiter Mauro Sigona ist Teil des Barbershop-Konzepts. Bilder > Das stylische Auftreten von Chef Daniel Kitanovski (sitzend) und Mitarbeiter Mauro Sigona ist Teil des Barbershop-Konzepts.

Frauen haben unseren Fußball längst erobert, sie stehen im Boxring, sie fliegen Flugzeuge, ja, Frauen erzählen mittlerweile sogar Männerwitze. Es ist erschreckend, aber es gibt sie nicht mehr, die männlichen Domänen, die Orte, an denen Männer noch unter sich sein können. Orte, an denen man nicht prahlen oder jemand umgarnen muss, sondern einfach man(n) selbst sein kann. Aus und vorbei. Selbst Begriffe, die auf „-mann“ enden, sind mittlerweile verpönt, nur der Doofmann ist uns, den ehemaligen Herren der Schöpfung, noch erhalten geblieben. Ist das das Ende der Männlichkeit? Bleibt uns Y-Chromosomen im Jahre 2017 n. Chr. kein eigenes Refugium mehr?

Bilderstrecke Prominente Bartträger, beurteilt von Barbier Daniel Kitanovski

Whiskey oder Rum?

Doch! Es gibt ihn noch, diesen Ort, an dem Männer unter sich sein können. Denn ein von unbeugsamen Mannen geführter Barbershop in Steinbach hört nicht auf, dem Gender-Wahnsinn Widerstand zu leisten. Im „Maskulin“ in der Bahnstraße 3 kann sich der gepflegte Mann von heute bei einem Glas Whiskey, Gin oder Rum in entspannter Atmosphäre verwöhnen lassen. Denn im Barbershop von Daniel Kitanovski darf Mann noch Mann sein, und eine Auszeit vom hektischen Alltag zelebrieren. Wenn man erst mal die Augen schließt und das Gesicht dann unter dem heißen Handtuch verschwindet, lässt man den Stress und die Hektik des Alltags hinter sich. „30 Minuten Urlaub im Kopf“, nennt es Kitanovski.

Mit 16 Jahren hat er seine Ausbildung begonnen, mit 21 den Meisterbrief in der Tasche. Anschließend arbeitete er drei Jahre bei einem türkischen Friseursalon. Hier wird der Grundstein für eine Leidenschaft gelegt, die seine berufliche Laufbahn bis heute begleitet, die Lust am Barbieren. „Ein Barbier zu sein ist einfach was anderes als ,nur‘ Friseur zu sein“, erklärt der 30-Jährige. Es gehe nicht nur darum, jemanden einen Schnitt zu verpassen, sondern den Besuch im Barbershop zu zelebrieren. „Die Leute sollen sich hier wohlfühlen.“

Ein Stück weit bedienen die Barbiere auch eine Marktlücke – denn die wenigsten Herrenfriseure bieten heutzutage eine professionelle Bartrasur an. Das Rasieren mit dem Messer hat sich Kitanovski selbst beigebracht. „Diese Technik war in Zeiten von Aids lange Zeit verpönt“, erklärt er. Seine beiden Mitarbeiter Mauro Sigona und Cesare Stabel hat er auf entsprechende Seminare geschickt.

Seinen Traum vom eigenen Barbershop hat er mit Mitte 20 verwirklicht. Er eröffnet – auch schon in der Bahnstraße – ein kleines Lädchen von 30 Quadratmetern und mit nur zwei Stühlen, damals noch unter dem Namen DK Cutmore. Und von Anfang an setzt er auf ein für Barbershops unverzichtbares Element: Er verzichtet auf Frauen. „Wir alle lieben Frauen, aber es muss einfach diesen Raum nur für Männer geben.“ Im Dezember nun der nächste Schritt: Kitanovski verpasst sich und seinem Shop ein Upgrade. Schräg gegenüber vom bisherigen Laden eröffnet er seinen neuen „Maskulin Barbershop“.

Im Barbershop muss ein Mann nicht darauf achten, was er sagt. Er und sein Look sind hier das Thema, und so sitzen der Banker und der Maurer bei einem guten Schluck beieinander und warten darauf, dass der Barbier bei ihnen das Messer ansetzt. Es gibt übrigens auch durchaus unterschiedliche Arten von Barbershops. Der gediegen-stylische Salon setzt mehr auf Entspannung, der Hip-Hop-Laden mehr auf Party. In dem einen ist der Barbier stylisch gekleidet, im anderen trägt er Basecaps und weite Klamotten.

Aber was, wenn der Bart-Hype endet? Da lächelt Kitanovski nur und schüttelt weise den Kopf: „Ein Bart ist keine Phase, ein Bart ist ein Lebensgefühl. Und Phasen enden, ein Lebensgefühl hält an.“ Er selbst changiert zwar irgendwo zwischen Dreitagebart und glatt rasiert, seine liebste Wangenpracht ist dennoch der Vollbart. „Mach es zu deinem Projekt“, rät er Anfängern, „aber keine Experimente.“

Zwischenzeitlich hat er meinen Vollbart auf Normalmaß zurechtgestutzt. Und am Ende frage ich noch mal nach: Es gibt im Barbershop keine Frauen? „Na ja“, sagt Daniel und grinst, „sie dürfen mal reinschauen, um ihren Männern einen Gutschein zu kaufen . . .“

Von Hipstern, Heinrich IV. und Tom Selleck

Es waren die Hipster, die den Bart in jeglicher Form wieder salonfähig machten. War die Gesichtsbehaarung lange Jahre geradezu verpönt, ließen sich plötzlich vor allem junge Männer wieder Vollbärte stehen.

clearing
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