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Städtepartnerschaftsverein Friedrichsdorf knüpft Kontakte nach Rumänien: Einladung nach Fagaras

Eine Abordnung des Friedrichsdorfer Städtepartnerschaftsvereins hat eine Fahrt nach Siebenbürgen unternommen. Bürgerreisen und ein Jugendaustausch könnten folgen.
Die mittelalterliche Festung von Fagaras gilt als größte Befestigungsanlage in Siebenbürgen. Bilder > Foto: Calin-Andrei Stan (165585099) Die mittelalterliche Festung von Fagaras gilt als größte Befestigungsanlage in Siebenbürgen.
Friedrichsdorf. 

Eine mittelalterliche Burg, edle Pferde, Wanderrouten und soziale Projekte haben sie angeschaut: Eine Abordnung des Friedrichsdorfer Städtepartnerschaftsvereins unter der Leitung der Vorsitzenden Beate Pötzsch-Ahrens ist nach Rumänien gereist und hat sich dort, in Siebenbürgen, die Stadt Fagaras angeschaut.

Von einer künftigen neuen Städtepartnerschaft will Pötzsch-Ahrens zwar noch nicht sprechen. Aber: „Wir finden es wünschenswert, auch Kontakte in ein osteuropäisches Land herzustellen und mit Leben zu erfüllen.“ Bürgerreisen und eventuell ein Jugendaustausch seien denkbar. Ein Städtepartnerschaftsvertrag könne das Ergebnis intensiver Erkundigungen und gefestigter Freundschaften sein. Die ersten Kontakte jedenfalls sind geknüpft.

Sieben Burgen

Rumänien ist 238 391 Quadratkilometer groß und hat 21,7 Millionen Einwohner (so der Stand von 2002). Die Hauptstadt ist Bukarest (rund zwei Millionen Einwohner), Landeswährung ist der Leu.

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Wie der Verein auf Rumänien gekommen ist? „Vor einem Jahr kam die Friedrichsdorferin Hedda Hanna Stengel auf den Städtepartnerschaftsverein zu und hat uns, im Namen ihres Sohnes, nach Fagaras eingeladen.“ Familie Stengel kommt nämlich ursprünglich aus Fagaras. „Wegen der Diskriminierung der deutschen Minderheit, den Nachkommen der Siebenbürger Sachsen, hatten Stengels Rumänien nach dem Zusammenbruch des Ceausescu-Regimes 1989 verlassen und waren nach Deutschland gekommen“, so Pötzsch-Ahrens weiter. Die beiden Kinder wuchsen in Deutschland auf. Sohn Norbert kehrte jedoch vor 12 Jahren in die alte Heimat zurück und übernahm die Schreinerei seines Großvaters. Zudem gründete der heute 43-Jährige in Fagaras das dortige deutsche Forum, ist inzwischen Stadtrat und setzt sich für die Pflege der Kultur der deutschsprachigen Siebenbürger ein. Jetzt will er deutsche Touristen und Investoren für sein Land interessieren.

„Rumänien ist interessant und schön, aber es blutet aus. Weil Arbeitsplätze fehlen, zieht es viele Rumänen nach Westeuropa“, berichtet Pötzsch-Ahrens. Dieser Entwicklung wolle unter anderem die Region um Fagaras entgegenwirken.

Zusammen mit Pötzsch-Ahrens reisten Brigitte Arnold, Irmgard Buggert-Fehn, Anja Canenbley und Erika Freppon auf eigene Kosten für drei Tage in die 30 000-Einwohner-Stadt, die rund 80 Kilometer von Sibiu (Herrmannstadt) entfernt ist. Ihr Fazit: „Wir waren beeindruckt von der Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen und von ihren Bemühungen um eine bessere Zukunft für die Menschen in Fagaras.“ Reiseführer in deutscher Sprache lagen bereit, herausgegeben vom „Regionalen Zentrum für nachhaltige Entwicklung und Förderung des Tourismus“ mit der Beschreibung von Wanderrouten durch die Karpaten. Reit- und Wandertourismus sowie Rad- und Wintersport sollen mit Nachdruck gefördert werden.

Wechselvolle Geschichte

In der mittelalterlichen Festung von Fagaras wurden die Gäste von Bürgermeister Gheorghe Sucacin begrüßt. „Die Burg gilt als größte Befestigungsanlage in Siebenbürgen. Sie hat eine wechselvolle Geschichte. Ungarn, Rumänen, Siebenbürger Sachsen und Türken wechselten sich in der Herrschaft ab. Unter dem kommunistischen Regime wurde die Burg Gefängnis für politische Gefangene. 1962 wurde mit Sanierungsarbeiten zum Erhalt der Burganlage begonnen. Später wurde das Burgmuseum eröffnet und die Stadtbücherei in der weiträumigen Anlage untergebracht“, erzählt Pötzsch-Ahrens.

In Fagaras bewunderten die Gäste zudem die Architektur und die reichen Fassaden der Stadthäuser. Sie schauten in der Markthalle vorbei, wo es Obst, Honig, Nüsse, Fleisch und Käse aus der Region gab. Und sie besichtigten Kirchen verschiedener Konfessionen, darunter orthodoxe, reformierte und römisch-katholische. „Es gab bis zur Verfolgung der Juden durch die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg eine Synagoge, die als Gebäude noch erhalten ist.“

Auf dem Besichtigungsprogramm stand zudem das staatliche Lipizzaner-Gestüt im Dorf Sambata de Jos, am Fuß der Karpaten. „Es wurde vom Freiherrn von Brukenthal im 17. Jahrhundert unter der Herrschaft Maria Theresias gegründet.“ Weiter ging es zum bedeutendsten Wallfahrtsort und Mittelpunkt der orthodoxen Religion und Kultur in Siebenbürgen: Kloster Sambata de Sus mit Ikonenmuseum. „Befremdlich war für uns das hingebungsvolle Küssen und leidenschaftliche Reiben und Wischen an Abbildungen von Heiligen auf Ikonen, Altären und sonstigen Darstellungen mit mitgeführten Tüchern, die dann sorgsam verpackt wurden.“

Projekte für Schulkinder

Gleich am Ankunftstag hatten die Friedrichsdorferinnen zudem Pfarrer Johannes Klein von der evangelischen Gemeinde Fagaras kennengelernt. Mit ihm besuchten sie zwei soziale Projekten für Schulkinder von 7 bis 17 Jahren: Eines war die Ferienaktion Kinderuniversität in Bekokten. Hier konnten die Teilnehmer unter anderem verschiedene Berufe kennenlernen und Natur erleben. Das andere war die Kinderspielstadt in Seligstadt. In Holzhütten sind dort Geschäfte, Handwerksbetriebe und Institutionen dargestellt, die zum Zusammenleben von Menschen in einer Stadt notwendig sind.

Die Projekte werden von 40 Sponsoren aus Rumänien, Deutschland, Österreich und der Schweiz unterstützt, dazu gehören auch Kooperationen mit Pädagogischen Hochschulen in Ludwigsburg und Hamburg.

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