Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Bad Homburg 7°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Volksbühne in Kirdorf: Eiskalt und ohne Menschlichkeit

Die Volksbühne widmet sich dem Dürrenmatt-Klassiker „Der Besuch der alten Dame“. Darin geht es um Liebe, Verrat und Rache sowie um die Frage, unter welchen Umständen Menschen bereit sind, das Leben eines anderen zu opfern. Dass dies hoch aktuelle Themen sind, wollen die Darsteller in ihrer Inszenierung zeigen. Daher ist bei den Probenhöchste Konzentration gefragt.
Auch wenn das Bühnenbild (noch) nicht passt: Die Akteure der Volksbühne gehen hochkonzentriert zu Werke. Bilder > Foto: Jochen Reichwein Auch wenn das Bühnenbild (noch) nicht passt: Die Akteure der Volksbühne gehen hochkonzentriert zu Werke.
Bad Homburg. 

Hochkonzentriert sitzt Regisseurin Sylvia van Bentum auf dem roten Sofa im Probenraum der Volksbühne in Kirdorf. Das Textbuch, das auf ihren Knien liegt, ist voll von handschriftlichen Anmerkungen und Notizen. Manchmal murmelt sie den Text der Schauspieler leise mit. Wer sie dabei beobachtet, dem ist schnell klar: In ihrem Kopf ist das Stück „Der Besuch der Alten Dame“ des Schweizer Dramatikers und Schriftstellers Friedrich Dürrenmatt schon bis in kleinste Detail fertig.

„Du musst noch viel schleimiger mit ihr sprechen“, fordert sie Rainer Kremin auf, der, ebenso souverän wie eindringlich, den Alfred Ill spielt, der nach Jahrzehnten wieder mit Clara zusammentrifft. Die heißt jetzt Claire Zachanassian und hat sich vom mittellosen Mädchen durch etliche Ehen zur mehrfachen Milliardärin geheiratet. Das Verhängnis beginnt, als sie ihrem wirtschaftlich komplett am Boden liegenden Heimatort Güllen eine Milliarde bietet. Allerdings nur unter einer grausamen Bedingung: Alfred, der sie als schwangere 17-Jährige verraten, aus dem Dorf und in ein Bordell getrieben hat und dem sie die Schuld am Tod der gemeinsamen Tochter gibt, muss getötet werden. Die subtile Hatz beginnt: Nach und nach treiben die Bürger Ill immer weiter in eine tödliche Enge. Die Rettung des abgehängten Ortes durch Claires Milliarde vor Augen, werfen die Bewohner jede Menschlichkeit über Bord. Das alles wird eiskalt von der „alten Dame“ beobachtet, deren Rolle mit Ingrid Petry perfekt besetzt ist. Schon in der Probe gelingt es ihr, die zutiefst verletzte und ebenso rachedurstige Frau glaubwürdig zu verkörpern. „Dabei ist sie vom Charakter her genau das Gegenteil von mir“, gibt Petry zu, für die diese Rolle eine Traumrolle ist, die sie schon lange spielen wollte.

Seit Juni laufen die Proben bei der Volksbühne. Vieles sitzt schon, jetzt geht es um den Feinschliff. „Seid hier etwas lauter und sprecht aufgeregt durcheinander, sonst ist die Anspannung weg“, gibt van Bentum vor, als es um die Szene der Ankunft der Milliardärin am Bahnhof geht, die viel früher ankommt als erwartet und damit das Begrüßungsprogramm mit Ansprachen und Kinderchor komplett durcheinander bringt.

Die Inszenierung ist für die Regisseurin eine weitere Begegnung mit Friedrich Dürrenmatt. Vor einem Jahr inszenierte sie für die Friedrichsdorfer Theatergruppe „Theater pur!“ erfolgreich dessen Kammerspiel „Abendstunde im Spätherbst“. „Für mich ist Dürrenmatt genial, und das Stück ist mit den Themen Korruption, Gruppendruck und Gerechtigkeit hochaktuell“, schwärmt sie. Auch deshalb wird es diesmal eine exklusive Aufführung der Volksbühne für Schulen aus Bad Homburg und Umgebung geben.

Gleichzeitig ist Sylvia van Bentum klar, dass das Stück mit seinem 14-köpfigen Ensemble keine Kleinigkeit ist und genau organisiert werden muss. Bis zur den gemeinsamen Durchlaufproben wird in kleinen Gruppen geübt. Auch das von van Bentum entworfene und von Andreas Erler und Ina Jochen gebaute Bühnenbild, das schnell vom Bahnhof, in einen Krämerladen oder in das Rathaus verwandelt wird, ist im kleinen Probenraum nur angedeutet. Die große Spannung und Eindringlichkeit der Tragikomödie ist aber jetzt schon zu spüren. Das liegt auch daran, dass die Besetzung der Rollen absolut stimmig ist. Wenn Premiere und Aufführungen des Bühnenklassikers das halten, was die besuchte Probe verspricht, dann dürfen sich Theaterfans auf einen Höhepunkt der Arbeit der Volksbühne Bad Homburg freuen – Livemusik inklusive.

Zur Startseite Mehr aus Vordertaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse