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Landratswahl: Ellen Enslin: Stark für die Umwelt, schwach bei Schokolade

Landrat Ulrich Krebs (CDU) will bei der Wahl am 28. Januar seinen Job behalten, Ellen Enslin (Grüne) und Holger Grupe (FDP) würden ihn gerne beerben. Als Politiker sind alle drei keine Unbekannten im Hochtaunuskreis. Aber man ist ja bekanntlich mehr als sein Amt. TZ-Reporterin Sabine Münstermann hat einen Fragebogen ausgearbeitet, der dabei helfen soll, die Menschen Krebs, Enslin und Grupe kennenzulernen. Die Antworten, die sie bekommen hat, waren zum Teil verblüffend. Oder hätten Sie gewusst, dass Ellen Enslin einen ziemlich perfekten Handstand hinbekommt? Mit ihr beginnt heute unser dreiteiliges Frage-Antwort-Spiel.
Ellen Enslin lebt seit 1989 in Usingen. Am 28. Januar ist die Grünen-Politikerin eine von drei Bewerbern um den Landratsposten. Foto: Jochen Reichwein Ellen Enslin lebt seit 1989 in Usingen. Am 28. Januar ist die Grünen-Politikerin eine von drei Bewerbern um den Landratsposten.
Hochtaunus. 

Seit wann wussten Sie, dass Sie Politikerin werden wollten?

ELLEN ENSLIN: Dass mir die Arbeit Spaß machen würde, habe ich bereits im Rahmen meines umweltpolitischen Engagements für den BUND gemerkt – von 1991 bis 2005 war ich ja dessen Vorsitzende im Usinger Land. Und das mündete dann später ganz natürlich in mein kommunalpolitisches Engagement. Aber es war nicht so, dass ich mit 20 plötzlich meinte, Kanzlerin werden zu müssen.

Aber war es schon immer Ihr erklärtes Ziel, Landrätin zu werden?

ENSLIN: Mir war es immer wichtig, mich in dem Bereich, in dem ich lebe und arbeite, einzubringen. Und viele Themen enden ja nun einmal nicht an der Gemeindegrenze. Insofern war auch die Entscheidung für meine Kandidatur Ergebnis einer natürlichen Entwicklung.

Was haben denn Ihre Eltern zu Ihrer Entscheidung gesagt, in die Politik zu gehen?

ENSLIN: Ich erinnere mich nur an die Reaktion meiner Schwiegermutter (lacht). Sie sagte damals: „Willst du dir das wirklich antun?“

Und Ihre Freunde?

ENSLIN: Also für die war das irgendwie klar, dass ich mich politisch engagieren würde. Denn ich habe mich schon früher für Belange, die mir wichtig erschienen, eingesetzt.

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Kuss?

ENSLIN: Natürlich. Den bekam ich auf einer Disco-Party in der Tanzschule.

Apropos: Was war denn das wildeste Erlebnis in Ihrer Jugend?

ENSLIN: Ich war keine wilde Draufgängerin, schon alleine deswegen, weil ich meine überschüssigen Energien beim Turnverein abbauen konnte. Ich war ja aktive Leistungsturnerin. Aber natürlich haben wir mit der Sportgruppe auch Zeltlager-Wochenenden gemacht, bei denen es hoch her ging.

Haben Sie in der Schule mal geschummelt?

ENSLIN: Tatsächlich habe ich das nicht getan. Ich gehörte eher zu denen, die mehr lernen, damit eben nichts schiefläuft. Ein bisschen erklärt sich das sicher aus meiner sportlichen Vita heraus. Auch und gerade im Leistungssport gibt es eben strenge Regeln – und an die muss man sich halten. Ob es einem nun gefällt oder nicht.

Verraten Sie uns doch mal, welche Ihre beiden größten Macken sind?

ENSLIN: Gute Schokolade, natürlich fair gehandelt und ökologisch angebaut, und auch guter Traubensaft sind meine Schwäche. Ich gönne mir ab und an einen Traubensaft, der teurer ist als so manche Flasche Wein. Wenn Sie mich jetzt nach charakterlichen Macken fragen: Ich presche manchmal zu schnell voraus. Da muss ich mich zügeln.

Und wenn wir jetzt Ihren Lebenspartner fragen würden, bekämen wir die gleiche Antwort?

ENSLIN: Davon bin ich fest überzeugt. Er sagt mir schon ab und zu, dass ich andere auf meinem Weg auch mitnehmen muss – auch wenn das bedeutet, ein bisschen langsamer zu marschieren.

Wer darf Ihnen halbwegs ungestraft sagen, wenn Sie schief gewickelt sind?

ENSLIN: Mein Lebenspartner natürlich, meine Familie, enge Freunde, aber auch Leute aus meinem Team. Im Prinzip Menschen, mit denen mich ein gemeinsames Ziel verbindet, denen ich vertraue. Falsch verstandene Rücksichtnahme ist meiner Meinung nach auch nicht angebracht. Man kann sich doch nur weiterentwickeln, wenn man weiterlernt.

Welches für die Politik komplett unwichtige Talent besitzen Sie?

ENSLIN: Ich kann zum einen tatsächlich toll Geschenke einpacken – umweltfreundlich, versteht sich – etwa mit Origami-Fächern verziert. Und natürlich kann ich ein perfektes Rad schlagen und einen Handstand machen.

Wofür haben Sie zu wenig Zeit?

ENSLIN: Momentan sicherlich zu wenig für meinen Sport und auch zu wenig, um zu lesen.

Wer war der Held Ihrer Kindheit?

ENSLIN: Ich hatte zwei: Flipper und Black Beauty.

Was haben Sie sich als Kind sehnlichst gewünscht, aber nicht bekommen?

ENSLIN: Ein Pony.

Und welchen Lebenstraum möchten Sie sich noch erfüllen?

ENSLIN: Ich würde wahnsinnig gerne eine dieser Initiativen unterstützen, die sich dem Schutz der Wale verschrieben haben. Es gibt Walbeobachtungsfahrten, die Helfer anheuern. So eine würde ich wirklich gerne einmal mitmachen.

Was ist das Nützlichste, das Ihnen Ihre Eltern beigebracht haben?

ENSLIN: Ich habe noch drei Geschwister und meine Eltern haben uns immer gesagt, dass Bildung und Fleiß der Schlüssel zu allem sind. Das habe ich immer beherzigt und das war ein guter Rat. Ich habe mir zum Beispiel meinen Führerschein selbst mit Ferienjobs verdient, war unter anderem in der Fischindustrie tätig, um das Geld zusammenzubekommen.

Was können Sie nur mit Humor ertragen?

ENSLIN: Ich bin ja eigentlich ohnehin ein humorvoller Mensch. Aber Tatsache ist, dass, wenn etwas schiefläuft, Humor das beste Mittel ist, um die Sache nicht ganz so ernst zu nehmen. Das gilt nicht nur für den, der die Sache sieht, sondern auch für den, dem sie passiert.

Was war der schlimmste Job, den Sie jemals erledigen mussten?

ENSLIN: Oh, das kann ich Ihnen sagen: Als ich für das Geld für meinen Führerschein jobbte, war ich auch in einem Restaurant tätig. Und zwar in der Küche. An meinem ersten Tag bekam ich einen Eimer mit Schollen hingestellt. „Hier, die musst du putzen, die stehen heute auf der Tageskarte“, sagte der Küchenchef.

Können Sie kochen? Und wenn ja, was ist Ihre Spezialität?

ENSLIN: Ich koche sehr gerne und mein Lieblingsgericht findet sich in einem alten englischen Kochbuch. Es handelt sich um ein indisches Gemüsecurry. Sehr, sehr lecker!

Worüber haben Sie sich zuletzt so richtig aufgeregt?

ENSLIN: Ich rege mich eigentlich nicht so schnell auf. Sehen Sie, ich war gerade erst einige Wochen im Landtag, als mein Mann starb. Das relativiert wirklich vieles. Allerdings ertrage ich Diskriminierung nicht. Da stehe ich dann schon auch mal in der S-Bahn auf und mache den Mund auf.

Welche berühmte Persönlichkeit würden Sie gerne mal treffen – und warum eigentlich?

ENSLIN: Ich würde sehr gerne mal diese junge pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai kennenlernen, die 2014 den Friedensnobelpreis erhielt. Ihre Geschichte – ein Talibankämpfer verletzte sie mit einem Schuss in den Kopf lebensgefährlich – hat mich berührt.

Und jetzt noch mal schnell ein paar Sätze zu Ende schreiben:

Meine schulischen Leistungen waren . . . akzeptabel – und in Sport sogar sehr gut.

Mein Spitzname lautet . . . Ellie.

Vor sechs Uhr morgens darf . . . man mich ruhig wecken. Ich bin eine Frühaufsteherin.

Meine Lieblings-Onlineseite . . .. gibt es nicht. Ich bin niemand, der ständig im Netz unterwegs ist.

Mit einem Lottogewinn würde ich . . . vermutlich ein sozioökologisches Projekt unterstützen.

Mit norddeutschen Wurzeln im Taunus eine Heimat gefunden

Ellen Enslin ist 1960 in Schleswig geboren und lebt seit 1989 in Usingen. Nach dem Abitur in Cuxhaven machte sie eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau und studierte Wirtschaftswissenschaften

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Podiumsdiskussion am 17. Januar

Drei Kandidaten, eine Wahl: Am Sonntag, 28. Januar, entscheiden die Bürger im Hochtaunuskreis, wer in den kommenden sechs Jahren im Landratsamt das Sagen hat.

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