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Hilfsprojekt in Afrika: Else-Kröner-Fresenius-Stiftung unterstützt Hilfsprojekt in Malawi

Von Seit über 30 Jahren unterstützt die Fresenius-Stiftung Hilfsorganisationen. Zu ihren derzeit knapp 45 Projekten kommt nun ein weiteres dazu: Die Stiftung unterstützt den Verein „Ein-Dollar-Brille“. Der vertreibt in Malawi bezahlbare Brillen.
Bad Homburg, Else-Kröner-Stiftung, Thema: Brillen für Afrika, Martin Aufmuth, Gründer des Vereins EinDollarBrille (Ein-Dollar-Brille). Foto: Priedemuth Bad Homburg, Else-Kröner-Stiftung, Thema: Brillen für Afrika, Martin Aufmuth, Gründer des Vereins EinDollarBrille (Ein-Dollar-Brille).
Bad Homburg.  Die Augen liefern uns 80 Prozent aller Informationen aus der Umwelt. In der westlichen Welt müssen die wenigsten auf dieses Privileg verzichten. Im Falle einer Sehschwäche lässt sich der Betroffene einfach eine Brille anfertigen. In vielen Ländern Afrikas hingegen kommt die Sehhilfe einem Luxusgut gleich. Für die allermeisten Bewohner des südostafrikanischen Staats Malawi ist nicht nur die Finanzierung einer Brille ausgeschlossen, oft sind sie sich ihrer Sehschwäche auch gar nicht bewusst. Beides will die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) ändern. Sie unterstützt die Organisation „Ein-Dollar-Brille“ mit einem namhaften Betrag.

„Durch das Projekt lässt sich nicht nur sofortige medizinische Unterstützung leisten, wir können Malawi auch nachhaltig helfen“, verrät Dr. Ulrike Schneider und überlässt es dem Vereinsgründer Martin Aufmuth, das genauer zu erläutern. Der Ideenvater ist – wie er selbst sagt – „nebenberuflich“ Mathe- und Physiklehrer. „Ein Thema beschäftigt mich seit Jahren“, erklärt er. „Ich kann nicht hinnehmen, dass weltweit 150 Millionen arme Menschen mit der verminderten Sehfähigkeit auch eine verminderte Lebensqualität in Kauf nehmen müssen.“ So versuchte er bis 2013, Menschen in Entwicklungsländern mit Altmodellen auszustatten. „Das war hoffnungslos“, erinnert er sich. Brillengestelle müssten perfekt auf die Träger zugeschnitten, die Gläser ganz individuell auf deren Sehschwäche ausgerichtet sein.

Außerdem bekämen die Gläser im sandigen Afrika schnell Kratzer. „Dann haben die Menschen einmal im Leben erlebt, wie schön es ist, klar zu sehen, können sich aber nie wieder eine neue Brille leisten. Das ist doch zynisch“, findet der Erlangener. „2013 entschied ich mich also, ein eigenes Modell zu entwickeln.“ Und das musste einige Voraussetzungen erfüllen: Es sollte sowohl günstig als auch schick sein und sich zudem schnell produzieren lassen. Die Idee der Ein-Dollar-Brille war geboren: Das Gestell besteht aus einem leichten, flexiblen Federstahlrahmen und Gläsern aus Kunststoff. Um jedem Modell einen individuellen Touch zu verleihen, sind sie mit Perlen bestückt. Außerdem wird der Bügel mit farbigem Schrumpfschlauch ummantelt.

„Die Gestelle sind stabil,“ sagt Aufmuth, „da kann auch mal eine Kuh drauftreten.“ Und doch belaufen sich die Materialkosten auf nur einen Euro. Verkauft wird die Sehhilfe für zwei bis drei ortsübliche Tageslöhne. „Damit ist die Ein-Dollar-Brille bezahlbar – auch für sehr arme Menschen“, erklärt er und führt weiter aus: „Malawier müssen 5 Euro dafür zahlen. Für das Geld bekommen sie etwa ein Hühnergericht. Zum Vergleich: Für eine Ziege erhält der Malawier knapp 50 Euro.“
Eine weitere Besonderheit des Sparmodells: Die Gläser lassen sich aus dem Gestell entfernen. Das hat gleich zwei Vorteile: Zum einen zerbersten diese bei einem Schlag aufs Auge nicht, sondern fallen einfach aus dem Gestell. „Tatsächlich haben mich schon Kollegen gefragt, ob wir die Brille nicht auch im Sportunterricht einführen könnten“, erklärt Aufmuth. Zum anderen lassen sich die Gläser leicht ersetzen. „Neue bekommt der Malawier für umgerechnet drei Euro. Wir decken alle Sehschwächen ab – von minus sechs bis plus 6 Dioptrien.“

Doch das Außergewöhnlichste an Aufmuths Erfindung: Das Billigmodell kann vor Ort produziert werden. Dazu wird nur eine kleine, portable Brillenfabrik benötigt – eine Holzbox, etwa 30 mal 30 Zentimeter groß, in der sich eine Biegevorrichtung befindet. Darin wird der Federstahldraht – der das Gestell bildet – geformt. Es braucht keine Schrauben, keine extra Scharniere. Doch die Arbeit muss sauber verrichtet werden: Das Gestell muss symmetrisch sein, die Gläser müssen fest sitzen.

Und deshalb bildet der Verein in Malawi viele „Optiker“ aus. Zwei bis drei Wochen dauert der Kurs. Dann können die sogenannten Good Vision Agents an einer Maschine monatlich bis zu 500 Brillen herstellen. „Da sie pro Stück bezahlt werden, sind sie entsprechend motiviert“, erklärt Aufmuth. Einem Mitarbeiter sei es sogar gelungen, in zwei Wochen 700 Stück zu produzieren. „Nun ist er fort, an der Uni, er hat sich bei uns Geld fürs Studium dazuverdient.“ Neben der Produktion werden die Mitarbeiter auch in Sachen Vermarktung geschult. „Sie müssen schließlich auf die Brillen aufmerksam machen, Schulen besuchen und Prediger dazu aufrufen, die Gemeinde über den Verkauf aufzuklären“, so Aufmuth. Außerdem müssten sie lernen, Sehtests durchzuführen.

Am schwersten aber gestalte sich der Verkauf. Viele Malawier sähen trotz des günstigen Preises nicht ein, warum ihre Kinder nun plötzlich eine Brille benötigten. „Um einer Ungleichbehandlung entgegenzuwirken, verschenken wir dann auch das eine oder andere Gestell“, so Aufmuth. Grundsätzlich habe es sich als vernünftig herausgestellt, Brillen nach der Erntezeit zu verkaufen. „Da haben die Malawier am meisten Geld.“

Die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung will das Projekt anschieben. Ziel sei, dass es sich irgendwann selbst trage. Ulrike Schneider ist zuversichtlich: „Wir haben uns schließlich nicht zur Unterstützung entschlossen, weil wir die Brillen so schick finden. Das Projekt hat schon zahlreiche Preise gewonnen.“ Weitere Infos gibt es im Internet unter www.eindollarbrille.de.
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