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Bungalowsiedlung in Kronberg: Ensembleschutz für „Roten Hang“

Von Die Bungalowsiedlung „Roter Hang“ soll unter Denkmalschutz gestellt werden. Dabei geht es um den Schutz der Gesamtanlage. Der Doppel-Bungalow des Braun-Designers Dieter Rams soll zum Einzeldenkmal werden.
Terrassenförmig angeordnete Bungalows fügen sich dezent in die Hanglage ein. Für das Grün gibt es eine Pflanz-Satzung. Bilder > Terrassenförmig angeordnete Bungalows fügen sich dezent in die Hanglage ein. Für das Grün gibt es eine Pflanz-Satzung.
Kronberg. 

Die Siedlung „Roter Hang“ soll unter Denkmalschutz gestellt werden, unter Ensembleschutz, um genau zu sein. Das erfuhr die TZ auf Nachfrage beim Landesamt für Denkmalpflege. Laut Oberkonservator Dr. Dieter Griesbach-Maisant ist das Amt schon seit einer Weile mit der 70er-Jahre-Siedlung beschäftigt. Zurzeit stehe noch eine Stellungnahme der Stadt aus – „Benehmensherstellung mit der Gemeinde“ heißt das. Das Denkmalamt hat der Stadt aus diesem Grund ein 15-seitiges Gutachten zukommen lassen.

„Beim Roten Hang handelt es sich um eine relativ kleine Siedlung, die wir in ihrer Wirkung erhalten wollen“ sagt Griesbach-Maisant. Man wolle die Veränderungen, die stattfinden, eindämmen. Typische Modifikationen der Häuser, die den Gesamteindruck der Siedlung beeinträchtigen können, ist das Anbringen von Edelstahlkaminen und Solaranlagen oder dass größere Fenster eingebaut werden – und dann auch noch an anderer Stelle. Geschützt werden soll die Gesamtanlage. Bis auf eine Ausnahme: Das Haus von Dieter Rams soll ein Einzeldenkmal werden. Der Designer von Braun hat aus zwei Bungalows eine Einheit gebildet und diese mit Designobjekten – die meisten stammen von ihm selbst – eingerichtet.

Stadt hat keine Bedenken

Erster Stadtrat Jürgen Odszuck (parteilos) steht dem Ansinnen des Landesamtes, die Siedlung unter Ensembleschutz zu stellen, positiv gegenüber. Schließlich war es ja die Stadtverwaltung gewesen, die 2014 auf die Qualität der Siedlung in einer Präsentation beim Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt (ASU) auf die Schutzbedürftigkeit der Bungalowsiedlung hingewiesen hat. In einer ausführlichen Präsentation stellte Isabell Richter aus dem Fachbereich Stadtplanung „Überlegungen zur Sicherung der Gestaltungsqualität der Bauten und der öffentlichen Räume“ vor. Dabei ist die Siedlung, die Odszuck gar als Kleinod bezeichnete, nicht von außen bedroht. Vielmehr könnten Dachaufbauten, Maßnahmen zur energetischen Sanierung oder die Farbwahl das Erscheinungsbild verändern. Die Außenräume und die Bauten sind laut Experten von hoher Qualität. „Ohne Schutz und Pflege der Siedlung können diese Qualitäten auf Dauer nicht gesichert werden“, zeigte sich Richter bei der Präsentation 2014 überzeugt. 2005 wurde der Bebauungsplan aus formaljuristischen Gründen aufgehoben, seitdem hat die Stadt keine Möglichkeit, bauliche Veränderungen zu unterbinden.

Fakten zum Roten Hang

⋅ 1958 hatte die Firma Braun das Vorkaufsrecht für das Areal am Südhang des Altkönigs erworben. Mitte der 60er-Jahre wurde dann seitens der Stadt Kronberg eine Lösung für das Grundstück

clearing

Im selben Jahr hatte die Taunus Zeitung eine kleine Serie gestartet, in der Bewohner über ihre Eindrücke insbesondere der frühen Jahre berichteten. Die Planungs- und Verkaufsunterlagen entpuppten sich als beredte Quellen des Zeitgeistes.

Literarisches Denkmal

Besonders ist dem Autor im Gedächtnis geblieben, dass die Patios, um die herum sich die Gebäude ordnen, als „Intimhöfchen“ bezeichnet wurden. Ebenfalls kurios: Den Müttern sollte per Kamera und Bildschirm in der Küche ermöglicht werden, ihren Kindern beim Spielen im Sandkasten zuzu-gucken. Durchgesetzt hatte sich dieser Orwellsche Ansatz indes nicht.

Peter Handke hatte der „terrassenförmig angelegten Bungalowsiedlung am südlichen Abhang eines Mittelgebirges, gerade über dem Dunst einer großen Stadt“ mit seiner Erzählung „Die linkshändige Frau“ ein literarisches Denkmal gesetzt. An etlichen Stellen des Textes gibt es Bezüge zur Siedlung, der Umgebung und zur Region. Der gleichnamige Film indes spielt in einer alten Villa in Frankreich, anstatt am Roten Hang in Kronberg – was ein bisschen schade ist.

Wenn dem Landesamt die Stellungnahme der Stadt vorliegt, wird es die Siedlung in das Denkmalverzeichnis aufnehmen. Dann sei es wiederum an der Kommune, eine Gestaltungssatzung aufzulegen, sagt Griesbach-Maisant. „Dies ist ein Werkzeug, um die Eigentümer anzusprechen. Die Vorgaben werden von Landesamt und Stadt gemeinsam ausgearbeitet.“

In die Zukunft gerichtet

Odszuck hatte 2014 bereits angekündigt, eine solche Satzung könne helfen, bei Konflikten zwischen geändertem Nutzungsverhalten und dem Wunsch nach Erhalt des Ensembles tragbare Kompromisse zu finden, da sie den Hausbesitzern praktische Lösungen aufzeigt. Der Denkmalschutz bezieht sich auf die Zukunft, eine Verpflichtung, bereits umgesetzte Maßnahmen zurückzunehmen, ergibt sich daraus nicht unmittelbar.

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