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Er legt das Alte Testament neu aus

Von Ist die „Jungfrauengeburt“ ein Übersetzungsfehler, und hat Gott Frau und Mann in der Schöpfungsgeschichte auf eine Stufe gestellt? Professor Achim Behrens hat bei Forschungen im Alten Testament Interessantes entdeckt.
Professor Dr. Achim Behrens betrachtet das Alte Testament im Kontext der Zeit und der Sprache, in der es geschrieben wurde.	 Foto: Mai Professor Dr. Achim Behrens betrachtet das Alte Testament im Kontext der Zeit und der Sprache, in der es geschrieben wurde. Foto: Mai
Oberursel. 

„In den vergangenen 25 bis 30 Jahren ist in der wissenschaftlichen Erforschung des Alten Testaments kein Stein auf dem anderen geblieben“, erklärt Dr. Achim Behrens, Professor für Altes Testament an der Lutherischen Theologischen Hochschule in Oberursel. Er beschäftigt sich mit dem Alten Testament und seiner Auslegung, auch vor dem Hintergrund neuerer geschichtlicher Erkenntnisse. Beispiele für seine Forschungsergebnisse beschreibt er in 17 teils neuen, teils überarbeiteten Beiträgen im kürzlich erschienenen Buch „Theologische Reflexionsgeschichte des Alten Testaments“. Es soll nicht nur Lehrbuch für Studenten und Pfarrer sein, sondern gibt auch allgemeinverständliche Impulse und Antworten.

Für den Theologen der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) steht die „historische Sinnbestimmung“ an erster Stelle, und daher hat er auch alle von ihm verwendeten Texte selbst aus dem Hebräischen übersetzt. Für den 47-Jährigen ist nicht sicher, dass die Prophezeiungen Jesajas, unter anderem die der Geburt Jesu, in der Zeit vom achten Jahrhundert bis in die Zeit der 30er Jahre vor Christus geschrieben sind. Möglich, dass die Kapitel sechs bis acht als „Jesaja-Denkschrift“ viel später entstanden und sie damit in einen anderen Kontext zu stellen sind.

Schriftzeichen verglichen

Bei seinen Übersetzungen hat er erkannt, dass es sich etwa bei der „jungfräulichen“ Geburt Marias um einen Übersetzungsfehler handelt. Behrens hat die hebräischen Schriftzeichen für Jungfrau verglichen und festgestellt, dass sie an acht weiteren Stellen vorkommen und im jeweiligen Zusammenhang immer „junge Frau“, aber kein einziges Mal „Jungfrau“ unserem heutigen Verständnis nach bedeuten. Muss also das Alte Testament neu geschrieben werden? Nein, sagt der Fachmann. Aber vielleicht der heutigen Zeit entsprechend neu ausgelegt. Das Verstehen von Bibeltexten ziele auf den Glauben, und auch daher gehören historisch-kritische und theologische Exegese zusammen.

Auch das Verständnis vom Verhältnis zwischen Mann und Frau, das Frauen in seiner Kirche eine Ordination zur Pfarrerin heute noch unmöglich mache, erscheint bei genauem Hinsehen in einem anderen Licht. Die Schöpfungsgeschichte stelle beide Geschlechter eindeutig auf eine Stufe, wenn es in Vers 27 heiße: „Gott schuf den Menschen als sein Bild. Als Bild Gottes schuf er ihn; männlich und weiblich schuf er sie.“ Für Behrens ist klar: „Erst im Miteinander sind sie vollständig, und nur so sind sie Bild Gottes.“ Außerdem stehe „Adam“ nicht für das Männliche, sondern sei eine Gattungsbezeichnung für Menschen.

Für die Frage, warum die Frau im „Sündenfall“ der Schlange erliegt, hat der Theologieprofessor eine Erklärung bei seinem Kollegen Dr. Diethelm Michel gefunden: Im Hebräischen sei Schlange maskulin, das Tier also ein „Schlangerich“. Da dieser aber nicht homosexuell sei, wende er sich mit seinen Verführungskünsten an die Frau.

Behrens schreibt, dass eine historisch-kritische Exegese auch an ihre Grenzen stoße, es aber gut sei, Offenheiten und Deutungsmöglichkeiten zu benennen. Keinesfalls ist es für ihn möglich, ganz auf das Alte Testament zu verzichten, schließlich würden alttestamentarische Texte im Talmud und im Neuen Testament fortgeführt. Er sieht es als Herausforderung an, wegweisende Texte zu erschließen und zu erklären, was sie in der heutigen Zeit bedeuten.

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