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Klassische Musik: Erst die Geige, dann die Hausaufgaben

Die klassische Musik ist ein bedeutender Teil ihres Lebens, die Geige nehmen sie sogar in den Urlaub mit: Josefine Brockmann und Anna-Maria Farnung. Die jungen „Kulturköpfe“ haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihren Mitmenschen die Werke von Beethoven, Mendelssohn oder Dvorák näher zu bringen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch der deutsche Komponist und Erfinder des Taktstocks, Louis Spohr.
Anna-Maria Farnung (links) und Josefine Brockmann sind Konzertmeisterinnen des Jugendsinfonieorchester (JSO) Hochtaunus. Foto: Jochen Reichwein Anna-Maria Farnung (links) und Josefine Brockmann sind Konzertmeisterinnen des Jugendsinfonieorchester (JSO) Hochtaunus.
Hochtaunus. 

Im Jugendsinfonieorchester (JSO) Hochtaunus findet man Josefine Brockmann und Anna-Maria Farnung in der ersten Reihe. Als Konzertmeisterinnen sind sie tonangebend für die ersten Geigen, organisieren das gesamte Orchester während der Auftritte. In dieser Rolle wechseln sich die beiden Gymnasiastinnen ab, teilen sich die Verantwortung bei den Konzerten.

Meist sind es drei oder vier Aufführungen, die das Auswahlorchester talentierter Nachwuchsmusiker im Jahr in der Region zeigt. Zur Vorbereitung dient eine einwöchige intensive Probenwoche – und natürlich wird auch individuell mit den privaten Musiklehrern geübt. Die besten Kräfte werden zusätzlich in der Orchesterakademie gefördert, bei dem die Jugendlichen gemeinsam mit Profis proben.

Für die beiden bereits mehrfach für ihr musikalisches Können ausgezeichneten jungen Konzertmeisterinnen gehört das Üben zum Alltag: Zwei Stunden mindestens nehmen sie daheim jeden Tag die Geige in die Hand, in den heißen Phasen vor Konzerten sind es mehr. „Erst kommt die Geige, dann die Hausaufgaben“, lacht Anna-Maria Farnung. Wie wichtig ist ihr die klassische Musik auf einer Skala von eins bis zehn? „Zwölf!“

Die vielen Übungsstunden neben der Schule sehen die beiden 16-Jährigen nicht als Belastung an. Sie müsse ohnehin fortlaufend im Training bleiben, erklärt Josefine Brockmann. „Man merkt es direkt, wenn man zwei Tage lang nicht gespielt hat.“ Die Fingerfertigkeit lässt nach, die für Streicher so wichtige Hornhaut auf den Fingerkuppen baut ab. Deshalb nehmen die beiden ihre Violinen auch auf Reisen stets mit. Selbst beim Familienurlaub kommen die wertvollen Instrumente mit in den Flieger – samt „Hoteldämpfer“, damit sich andere Gäste nicht beschweren.

Josefine spielt seit zwei Jahren eine Violine des Berliner Instrumentenbauers Michael Strobl, Anna-Maria musiziert auf einer Sebastian-Klotz-Geige, die Mitte des 18. Jahrhunderts gebaut wurde.

Angefangen haben beide im Alter von fünf Jahren, und beide können sich auch noch genau an das jeweils entscheidende Erlebnis erinnern: Bei Anna-Maria war es ein im Fernsehen übertragenes Konzert der Berliner Philharmoniker auf der Berliner Waldbühne, bei Josefine ein Besuch des Papageno-Musiktheaters in Frankfurt. Danach stand fest: Ich will Geige spielen lernen! Seitdem erhalten sie regelmäßig Einzelunterricht, mittlerweile bei namhaften Musikdozenten: Anna-Maria wird von Jörg Heyer unterrichtet, Josefine von Gudrun Jeggle.

Die musikalischen Verbindungen der beiden Klassikfans kreuzen sich immer wieder: Mal spielen sie gemeinsam im heimischen JSO, mal in einem Streicherquartett und auch im Hessischen Landesjugendsinfonieorchester (LJSO). Dessen Sommerkonzert 2016 bezeichnen sie übereinstimmend als einen der bisherigen Höhepunkte ihrer musikalischen Karriere. Auf dem Programm stand die Alpensymphonie von Richard Strauss (1864–1949), ein pompöses, technisch anspruchsvolles Werk im Stile der bildmalerischen Programmmusik.

Zu Tränen gerührt

„Wir fühlten uns geehrt, dass wir ein solches Werk bereits in jungen Jahren spielen durften“, erinnert sich Anna-Maria. 130 Musiker brachte das Hessische LJSO auf die Bühne des Kurhauses in Wiesbaden. Viele Monate lang hatten sie für den exklusiven Auftritt geprobt. „Wir hatten nur diese eine Chance“, sagt Josefine. Dem jungen Orchester gelang Großartiges. Auch den Musikern ging die gewaltige Atmosphäre unter die Haut. Sie hätten auf der Bühne während des Konzerts weinen müssen, sagen beide, so groß seien die Gefühle gewesen.

Der in Schmitten lebenden Anna-Maria Farnung ist es ein Anliegen, „den Menschen mit der Musik etwas zu geben“. Natürlich wolle man sich selbst weiter verbessern und immer neue Stücke kennenlernen, hauptsächlich gehe es aber doch darum, „die Menschen durch die Musik zu inspirieren, ganz egal wo und in welcher Besetzung man spielt“. Modernen Interpretationen oder gar der Verwendung klassischer Werke in der Rock- und Popmusik stehen die jungen Violinistinnen kritisch gegenüber. Josefine befürchtet, dass „die ursprüngliche Intuition des Komponisten verloren geht, wenn die Leute nur noch die moderne Verwendung eines Stücks im Kopf haben.“ Anna-Maria drückt es noch deutlicher aus: „Was aus den Stücken zum Beispiel in der Werbung gemacht wird, ist manchmal dem Komponisten gegenüber schon unverschämt!“

Für Josefine, die in Oberursel lebt, hat die klassische Musik noch eine ganz besondere Bedeutung: Ihre familiären Wurzeln gehen auf Louis Spohr (1784–1859) zurück. Der deutsche Komponist, Dirigent und Geiger, dem man auch die Erfindung des Taktstocks zuschreibt, war zu Lebzeiten ähnlich bekannt wie Mozart und Beethoven. Sie fühle einfach eine innere Verpflichtung, diese Musik in der Familie und für die Menschen weiterzutragen, sagt die 16-Jährige. Das tut sie mit Leidenschaft; bei ihren Auftritten präsentiert sie gern die Werke des berühmten Vorfahren.

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