Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Fundamentalismus auf dem Vormarsch: Expertin beleuchtet, warum Religion immer mehr politisiert und radikalisiert wird

Von Religion erlebt im Bereich des Politischen eine regelrechte Renaissance. Mit welchen Auswirkungen rund um den Globus zeigte Professor Susanne Schröter vor dem Königsteiner Forum.
Das Taj Mahal. Das Taj Mahal.
Königstein. 

Auf dem „absterbenden Ast“ sahen Ende des vergangenen Jahrhunderts viele Experten die Religion. Diese Prognosen haben sich nach den Worten von Professor Susanne Schröter jedoch nicht bewahrheitet. „Wir sehen eine Wiederbelebung der Religionen, und zwar nicht im spirituellen, vielmehr im politischen Bereich“, sagte die Lehrstuhlinhaberin für Völkerkunde an der Frankfurter Goethe-Universität jetzt beim Königsteiner Forum.

„Überlegenheitsansprüche, die auch mit Gewalt durchgedrückt werden“ nannte sie vor dem Königsteiner Forum als gemeinsames Merkmal politisch begründeter Religionsauffassungen, ganz gleich ob es sich um buddhistische, christliche, hinduistische, jüdische, muslimische Fundamentalisten handele.

Sinnbild der Liebe oder der Unterdrückung?

Das Taj Mahal ist für viele Touristen das Sinnbild indischer Kultur. Und doch wird im Land derzeit heftig über den Stellenwert des Bauwerks diskutiert, ist es Streitobjekt und Synonym einer wachsenden

clearing

Am Beispiel des indischen Hindu-Nationalismus zeigte sie sowohl die ideologische Fundierung als auch Mechanismen der Gewalt auf. Es handele sich um eine „Erweckungsbewegung“, die den Hinduismus als „einzig legitimierte Religion“ sehe und die extrem gewalttätig sei, skizzierte Schröter im Foyer der Frankfurter Volksbank. Ziel sei ein „Hindu-Großreich“ im Umfang des vorkolonialen Mogul-Reiches mit ausschließlich hinduistischer Bevölkerung.

Pulverfass Subkontinent

Dabei spielten Konflikte um Symbole eine bedeutende Rolle. Um Gewalt gegen Muslime zu rechtfertigen, werde ihnen vorgeworfen, die für Hindus heiligen Kühe zu schlachten. Hingegen haben die religiös motivierten Konflikte zwischen Buddhisten und Tamilen in Sri Lanka ihre Wurzel in der Zeit des britischen Empire. „Die Briten holten Tamilen ins Land, um sie die Arbeiten erledigen zu lassen, die einheimische Buddhisten nicht tun wollten.“

Dass die Mehrheit der südthailändischen Muslime inzwischen salafistisch geprägt und radikalisiert sei, „verdanke“ man vor allem saudischem Geld. Saudi-Arabien verfolge weltweit ein „radikales Missionierungsprogramm“ und investiere darin große Summen. So finanziere Riad Fernsehprediger und sorge für die Herstellung von islamistischen „Fanartikeln“ wie T-Shirts mit Bin-Laden-Porträts, die überall in der Region zu finden seien. „Mit katastrophalen Wirkungen“, unterstrich die Leiterin des „Forschungszentrums globaler Islam“ in Frankfurt. Der islamische Fundamentalismus sei sehr viel agiler und weltweit ausgerichtet.

Verantwortlich für Konflikte sei aber auch eine verfehlte Politik des Westens, wie das Beispiel Irak zeige. „Der Grund, das Saddam-Regime zu stürzen, war ein erlogener.“ Schröter zeigte außerdem die Verflechtungen zwischen jüdischem und islamischem Fundamentalismus anhand des Brandherdes Naher Osten auf. „Der Islamismus ist ein globales Problem, das auch uns in Deutschland betrifft“, warnte sie. Hass und Radikalisierung leiste allerdings Vorschub, wer wie in Frankfurt eine Aufnahmestation für Flüchtlinge direkt neben einer Moschee errichte, in der ein bekannter radikaler Prediger wirke. Aber auch große islamische Verbände wie „Ditib“ zeigten sich Schröter zufolge „nicht immer als Bollwerk gegen Radikalisierung“.

Für Unmut eines großen Teils der Forumsgemeinde sorgte der erste Beitrag zur Diskussion. Ein jüngerer Zuhörer, der sich als Student an der Frankfurter Universität vorstellte, zeigte sich nicht einer Ansicht mit der Referentin. Er tat das laut vernehmlich und merklich aufgeregt kund.

Ein Grund, ihm das Mikrofon aus der Hand zu nehmen und „Aufhören!“ zu rufen, war diese Wortmeldung indes nicht.

Zur Startseite Mehr aus Vordertaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse