Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Landratswahl: FDP-Kandidat Holger Grupe: "Den S-Bahn-Ausbau beschleunigen"

Wer wird der neue Chef im Landratsamt? Diese Frage wird am Sonntag, 28. Januar, vom Wähler beantwortet. Aber wofür stehen die Kandidaten? Welche politischen Ziele haben sie sich gesetzt? Wie sehen sie die Zukunft des Hochtaunuskreises? Darüber hat diese Zeitung mit den Bewerbern gesprochen. Lesen Sie heute das Interview, das Redakteurin Stefanie Heil mit FDP-Kandidat Holger Grupe (41) geführt hat.
Deutlich aufzeigen, was geplant ist: Holger Grupe (FDP) will Entscheidungsprozesse für Bürger transparenter machen. Foto: (Heiko Rhode) Deutlich aufzeigen, was geplant ist: Holger Grupe (FDP) will Entscheidungsprozesse für Bürger transparenter machen.
Hochtaunus. 

Herr Grupe, Sie sind der erste FDP-Mann im Hochtaunus, der sich bei einer Direktwahl als Landrat bewirbt. Was macht ein Liberaler anders?

HOLGER GRUPE: Wenn man gegen den Amtsinhaber antritt, muss man mehr Einsatz, mehr Transparenz, mehr Innovation bieten. Wir als FDP haben zwei, drei ordnungspolitische Themen, die wir anders sehen als die anderen Parteien: die Beteiligung an Unternehmen, privat versus Staat. Und wir würden uns freuen, wenn Entscheidungsprozesse öffentlicher diskutiert werden könnten.

Wie wollen Sie Entscheidungsprozesse transparenter machen?

GRUPE: Gerade bei Beteiligungen liegen viele Dinge bei Aufsichtsräten. Das kann man auch im Kreistag diskutieren, und man kann Dinge frühzeitiger ansprechen. Großes Thema war der Ankauf des Landratsamts, mit dem man sich ja auch nicht jeden Tag befasst. Da wäre es schon gut, mehr Zeit zu haben und den Prozess besser zu verstehen.

Wie wollen Sie es für die Bürger transparenter machen?

GRUPE: Das ist ein sehr guter Punkt. Wir müssen uns überlegen, wie wir die Menschen mitnehmen können. In Kronberg wird eine Konzerthalle gebaut, dafür mussten Bäume gefällt werden. Doch viele Leute haben das erst mitbekommen, als die Arbeiten begannen. Vielleicht muss man bei so etwas eine große Infowand aufstellen und sagen: Hier kommt was hin – und das auch über die sozialen Medien verbreiten. Nur über die Zeitung, die Internetseiten der Städte und Bürger-Infoabende erreicht man die Menschen offensichtlich nicht mehr in ausreichendem Maße.

Wir haben übers Andersmachen gesprochen. Was wollen Sie besser machen als CDU-Amtsinhaber Ulrich Krebs?

GRUPE: Ich möchte nicht sagen: Ulrich Krebs macht dies oder das schlecht. Ulrich Krebs ist auch ein guter Kandidat. Es geht primär darum, neue Impulse zu setzen und neue Ideen reinzubringen. Neudeutsch würde man sagen, Dinge zu challengen, zu hinterfragen.

Bei Ihrer Vorstellung als FDP-Kandidat haben Sie gesagt, der Hochtaunuskreis biete viele spannende Themen. Welches ist das Spannendste?

GRUPE: Die Infrastruktur. Das ist nicht nur Breitband für Schulen und im ländlichen Raum, sondern das sind auch Verkehrswege. Straßen, die Elektrifizierung der Taunusbahn, aber auch Mobilität in der Zukunft, selbstfahrende Autos. Da sagt man jetzt, wir möchten die S-Bahn bis nach Usingen. Das ist super, das wollen wir auch. In der Zukunft haben wir aber vielleicht den selbst fahrenden Bus für die Gemeinden, die an keine Bahn angebunden sind. In der Metropolregion ist das ein Schlüsselthema.

Die Verlängerung der S-Bahn ins Usinger Land verschiebt sich. Wie wollen Sie die Verkehrsprobleme lösen?

GRUPE: Die Frage ist, warum sich das verschiebt. Der Ausbau ist unabdingbar, wenn man sich den Siedlungsdruck und die Potenziale im Usinger Land ansieht. Man muss den S-Bahn-Ausbau forcieren und beschleunigen. Aber es gibt bei der Verkehrsinfrastruktur keinen Königsweg. Es ist eine Kombination aus vielen Dingen: Die Regionaltangente West zum Beispiel wird sich extrem positiv auf den Hochtaunuskreis auswirken. Aber wir dürfen den Individualverkehr nicht vergessen. Generell muss man wohl an den Themen aktiver dran sein.

Was ist für Autofahrer das drängendste Problem im Hochtaunus?

GRUPE: Für das Usinger Land ist es sicher die PPR-Kreuzung. Die Hauptrichtung des Verkehrs ist nach und aus Frankfurt. Wenn wir uns um E-Mobilität bemühen, können wir zum Beispiel auf die Süwag zugehen und aus Straßenlaternen E-Tankstellen machen. Solange wir Aktien der Süwag halten, sollten wir da unseren Einfluss geltend machen.

Der Siedlungsdruck in der Region führt in Bezug auf den geplanten Frankfurter Stadtteil beiderseits der A 5 zum Konflikt zwischen Frankfurt auf der einen sowie Oberursel und Steinbach auf der anderen Seite. Wie stehen Sie zu dem Vorhaben?

GRUPE: Die FDP hat in den Kreistag den Resolutionsantrag eingebracht, sich dagegen zu wehren und die Autobahn als Grenze festzulegen. Das ist unsere Position. Denn der neue Stadtteil wäre wesentlich dichter bevölkert als Steinbach und Weißkirchen. Das Gegenargument wird immer sein: Wir brauchen ja Wohnraum. Aber er muss vielleicht nicht so massiv an einer Stelle geschaffen werden. Aus ökologischen und ökonomischen Aspekten ist eine innerstädtische der außerstädtischen Verdichtung vorzuziehen.

Ist diese Taunus-Position – Nein zu einer Bebauung westlich der A 5 – mittelfristig überhaupt haltbar?

GRUPE: Ich denke schon. Wenn man die gesamte Region betrachtet, entsteht auch Druck dadurch, dass andere Gemeinden zu wenig Wohnraum geschaffen haben. Da muss man ein bisschen ab- und zugeben und selbst Wohnraum schaffen.

Sie bleiben beim Nein zu einer Bebauung westlich der Autobahn?

GRUPE: Ja.

Und wo sehen Sie im Hochtaunus Potenzial für bezahlbaren Wohnraum?

GRUPE: Für eine Versachlichung der Diskussion halte ich eine Definition für wichtig, was bezahlbarer Wohnraum ist. Sind das zehn Euro pro Quadratmeter? Und was heißt das für den Hochtaunuskreis? Dann müssen die Städte und Gemeinden, denen die Grundstücke ja meistens gehören, auch bereit sein, Grund und Boden unter Marktwert abzugeben. Das muss man politisch wollen. Ich denke aber, da sind sich alle Parteien einig. Allein schon, weil wir eine gesunde Durchmischung der Bevölkerung wollen und nicht nur Schlafstädte, wo sich keiner mehr sozial engagiert oder in Vereinen einbringt.

Welche Flächen haben Sie für Wohnraumentwicklung im Blick?

GRUPE: Wenn ich jetzt eine Liegenschaft benenne, wird irgendjemand schreien: „Um Gottes willen, Du kennst Dich mit dieser Liegenschaft gar nicht aus.“ Das soll keine Plattitüde sein, aber ich glaube, dass man es sich im Einzelfall angucken muss. Tatsächlich wäre es gar nicht so schlecht, ein Gesamtkonzept für den Kreis zu entwickeln und zu schauen, welche Kommune wie viel Platz hat. Standorte in der Nähe vorhandener Verkehrswege sollten bevorzugt entwickelt werden. Aber natürlich – und da sind wir wieder bei der S-Bahn – ist das realistischste Potenzial in Kommunen wie Friedrichsdorf, Wehrheim, Usingen.

Lassen Sie uns über Geld sprechen: Sie wollen die Kreisumlage senken. Mal angenommen, Sie werden Landrat – nehmen Sie sich da nicht selbst Geld weg?

GRUPE: Das Geld gehört allen. Es gehört nicht dem Kreis, es gehört den Steuerzahlern, die es erwirtschaftet haben. Aber wir wollen es auch nicht wegnehmen. Wir fordern die Senkung jetzt, weil für das nächste Jahr knapp acht Millionen Euro Überschuss geplant sind.

Wenn Sie von den Kommunen weniger Geld einnehmen, hat der Kreis aber weniger im Topf . . .

GRUPE: Vollkommen richtig. Aber in der Wirtschaft müsste ich ja als Geschäftsführer auch damit umgehen, wenn ich weniger Budget hätte. Trotzdem wird von mir verlangt, dass ich die gleichen Ziele erreiche. Das Geld würde ja den Städten und Gemeinden zugute kommen, die es dann vor Ort, zum Beispiel in die Kinderbetreuung investieren können.

Der Kreis muss finanziell unter anderem den Kauf des Landratsamts stemmen, die Rhein-Main-Deponie kostet Geld, und die Hessenkasse, mit der er seine Kassenkredite loswerden will, auch. Wie wollen Sie sparen und Schulden abbauen?

GRUPE: Das Argument für den Kauf des Landratsamts war, dass es langfristig Geld spart. Haken dran. Für die Hessenkasse müssen wir einen Überschuss haben, aber wir nehmen ja auch teil, damit es uns entlastet. Bei der Deponie muss man tatsächlich fragen: Was ist denn das Kerngeschäft? Kann man bestimmte Teile nicht veräußern? FDP-Idee ist seit langem, alle Beteiligungen zu überprüfen und zu fragen, was wir wirklich brauchen.

Wo sehen Sie weitere Möglichkeiten zur Konsolidierung?

GRUPE: Eine Möglichkeit ist die Organisation der Kreisverwaltung. Da muss man sich ansehen, wo es noch Potenziale gibt. Ebenso bei den Liegenschaften und mit interkommunaler Zusammenarbeit.

Welche Chancen gibt es bei der interkommunalen Zusammenarbeit, auch kreisübergreifend?

GRUPE: Beispiele sind KfZ-Anmeldung, Gesundheitsamt oder Veterinäramt. Kann das der eine für den anderen übernehmen? Außerdem könnte man Schwerpunkte setzen oder sich spezialisieren. Hier sind wir besser, dort seid Ihr besser.

Bei kreisübergreifender Zusammenarbeit meinen Sie den Main-Taunus?

GRUPE: Ich meine den Main-Taunus, der hat eine ähnliche Größe und Struktur wie der Hochtaunuskreis. Aber ich würde andere da nicht ausschließen.

Mit dem Main-Taunus-Kreis verbindet uns die wegen ihrer finanziellen Schieflage in die Schlagzeilen geratene Rhein-Main-Deponie. Was müssen die Bürger da noch befürchten?

GRUPE: Als erstes glauben die Mitarbeiter der RMD dran, sie haben jetzt den ersten Einkommensverzicht. Aber das Geflecht ist intransparent, so dass man nicht weiß, was da alles noch auf die Bürger zukommt.

Man muss das Konstrukt vereinfachen?

GRUPE: Wir sind nicht gegen alles, der Geschäftszweck Müllentsorgung ist ja erst mal gut. Aber man muss es verschlanken. Was nichts mit Abfallentsorgung zu tun hat, können andere machen.

Ist für Sie eine Privatisierung der Hochtaunus-Kliniken denkbar?

GRUPE: (atmet durch) Denkbar ist das schon. Ich würde es nicht kategorisch ausschließen. Uns wäre es am liebsten, es würde im jetzigen Konstrukt funktionieren und man würde einen Weg finden, nicht so hohe Zuschüsse zahlen zu müssen.

Kann denn ein Privater, der auf Gewinne schauen muss, überhaupt seriös eine Klinik betreiben?

GRUPE: Es gibt Beispiele, wo das funktioniert. Aber könnte er das an diesem Standort? Das ist ein sehr kompliziertes Thema. Gerade im Rhein-Main-Gebiet haben wir viele spezialisierte Kliniken. Die Frage ist, wie wir für die Patienten die bestmögliche Behandlung erreichen können, und welchen Weg man dafür in Kauf zu nehmen bereit ist oder in Kauf nehmen kann.

Welche Versorgung sollten die Hochtaunus-Kliniken bieten?

GRUPE: Auf jeden Fall eine gute medizinische Grundversorgung. Wenn es um Fälle für Spezialisten geht, kann man dorthin gehen, wo die Spezialisten sind. Ziel sind ja möglichst hohe Genesungschancen.

Die von vielen erhoffte Kinderklinik oder Notfallversorgung ist ein hochemotionales Thema. Wie sehen Sie die Chancen für ein solches Angebot?

GRUPE: Ich bin selbst Vater und sehe das auch emotional. Ich kann verstehen, dass man das möchte. Aber wie sich die Situation für mich zurzeit darstellt, ist es finanziell und von der Qualität her nicht darstellbar. Wenn es eine Möglichkeit gäbe, wären wir sofort dabei.

Großer Kostenfaktor war und ist das Schulbauprogramm. Wo wollen Sie da die Schwerpunkte setzen?

GRUPE: Was den Schulbau angeht, sind wir erst mal gut aufgestellt. Vielleicht haben wir darüber hinaus Möglichkeiten, den Schulen individueller unter die Arme zu greifen. Indem wir ihnen einen Topf zur Verfügung stellen, aus dem es Sonderzuwendungen für Ideen gibt, zum Beispiel für einen Schulgarten.

Zur Startseite Mehr aus Vordertaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse