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Prozess: Fahrerflucht: Strafe nach Einspruch verdoppelt

Von Oft genug lohnt sich ein Einspruch gegen einen Strafbefehl und eine verhängte Geldstrafe wird gemildert. Doch eine Gewähr gibt es dafür nicht. Diese Erfahrung machte jetzt ein 88-Jähriger.
Symbolbild Foto: dpa Symbolbild
Bad Homburg. 

Bei weniger bedeutsamen Straftaten versucht die Justiz, diese Verfehlungen ohne Verhandlung, sondern mittels Strafbefehls zu erledigen. Dem Betroffenen wird dann schriftlich eine Geldstrafe zugesandt. Er hat jedoch die Möglichkeit, hiergegen Einspruch einzulegen. Erst dann folgt eine Verhandlung bei Gericht. Doch manchmal ist man gut beraten, den Strafbefehl anzunehmen, denn im Falle einer Verhandlung kann es dann so richtig teuer werden.

So war es auch im jetzigen Fall beim hiesigen Amtsgericht. Ein 88 Jahre alter Autofahrer hatte laut Anzeige am 12. Mai vergangenen Jahres gegen 16 Uhr auf dem Parkplatz eines Lebensmittelmarktes im Gluckensteinweg beim Ausparken ein anderes Fahrzeug touchiert und dabei einen Schaden von 2900 Euro angerichtet. Trotzdem war der Senior davongefahren, ohne sich um den Schaden zu kümmern. Ein Zeuge hatte den Vorfall jedoch beobachtet und den Sachverhalt der Polizei geschildert. Es folgte ein Strafbefehl wegen Verkehrsunfallflucht in Höhe von 3500 Euro, gebildet aus 50 Tagessätzen zu je 70 Euro. Außerdem gab es noch einen Führerscheinentzug von neun Monaten.

Gegen den Strafbefehl hatte der 88-Jährige Einspruch eingelegt. Doch die Hoffnung, dass Strafmaß zu senken, zerstoben. Stattdessen setzte es am Ende eine Strafe von 7500 Euro, gebildet aus 50 Tagessätzen zu je 150 Euro. Der Führerscheinentzug wurde auf fünf Monate herabgesetzt, da zwischen Strafbefehl und Urteil vier Monate lagen.

Der Grund für die um 4000 Euro höhere Geldstrafe: In der Verhandlung wurde bekannt, dass der Angeklagte über ein wesentlich höheres Monatseinkommen verfügt, als bei Erlass des Strafbefehls eingeschätzt worden war. Dadurch erhöhte sich die Tagessatzhöhe von 70 auf 150 Euro.

Der 88-Jährige sieht sich hingegen als Gerichtsopfer. Er habe kein fremdes Auto angefahren, behauptete er in der Verhandlung. Er sei noch überdurchschnittlich fit und mache jeden Morgen Gymnastik. Und in all den vielen Jahren, in denen er am Straßenverkehr teilnehme, habe er noch nie einen Unfall verschuldet, ließ er das Gericht wissen. Dem fügte er hinzu, dass er ein hochmodernes Auto fahre, das so ausgestattet sei, dass er kein anderes Auto anfahre. Der Wagen bleibe bei Berührungsgefahr sofort stehen, sagte er.

Doch bei Gericht gab es einen Zeugen, der aus nächster Nähe den Unfall gesehen und die Polizei informiert hatte. Laut dessen Aussage hatte der angefahrene Wagen durch die Berührung sogar gewackelt. Die Verteidigerin bat nach Zeugenanhörung um eine kurze Unterbrechung, vermutlich, um mit ihrem Mandanten über die Rücknahme des Einspruchs zu reden. Dazu hatte auch die Richterin geraten.

Doch dem widersetzte sich der Angeklagte. Danach wurden auch noch zwei Polizeibeamte im Gericht angehört. Von ihnen war zu erfahren, dass die Beschädigung an dem fremden Fahrzeug und an dem des Angeklagten übereinstimmten. Für das Gericht war am Ende der Verhandlung die Beweislage eindeutig. Der Angeklagte wurde verurteilt. Er hat jedoch die Möglichkeit, hiergegen Rechtsmittel einzulegen. Dann gäbe es in Frankfurt vor der höheren Instanz eine neue Verhandlung.

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