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Königsteiner Bahnhofsfest: Faszination für historische Dampfrösser ist ungebrochen

Von Für jüngere Menschen heute gar nicht mehr vorstellbar: Früher musste man in Zügen Kohle schaufeln. Das Königsteiner Bahnhofsfest entführt in eine (fast) vergessene Zeit.
Schnaubt im Königsteiner Bahnhof: die Dampflokomotive 52 4867 mit ihrem Kohlehänger. Schnaubt im Königsteiner Bahnhof: die Dampflokomotive 52 4867 mit ihrem Kohlehänger.
Königstein. 

Zischend, fauchend und schwerfällig setzen sie sich in Bewegung. Ihr Signal ist weit über die Königsteiner Kernstadt hinaus zu vernehmen. Manch einer, der direkt neben ihnen steht, zuckt merklich zusammen. Doch die Faszination für historische Loks und Züge ist nach wie vor ungebrochen. Ein Querschnitt der Generationen fand sich am Pfingstwochenende wieder beim Königsteiner Bahnhofsfest ein. Bereits zum 38. Mal rollten die alten Dampfrösser und Dieselloks in und aus dem Bahnhof. Und, manch ein Besucher kam Ruß verschmiert aus dem Führerstand der 01. Denn in dieser alten Lady durften die Besucher Sigrid Tscherneck über die Schulter schauen. Sie ist nicht nur „Lokführer“, sondern auch „Kesselwärter“.

„Hier kann man mit allen Sinnen genießen“, plauderte die Lokführerin lachend. Normalerweise ist sie im Führerstand eines ICE beziehungsweise TGV von und nach Frankreich zu Hause. „Wenn ich hier auf der Lok bin, habe ich alles – Fitnessstudio und Sauna“, sagt sie und spielt damit auf die Hitze und die schweißtreibende Arbeit im Führerstand an. Denn der Kessel muss permanent befeuert werden, damit er seine Arbeit leistet. „Aber“, so Tscherneck, „hier ist alles robust. Hier geht nix kaputt“. Das sei in den modernen digitalen Nachfolgern nicht immer so.

Da schlägt das Sammlerherz höher: Devotionalien aus der Zeit der Dampflokomotiven. Bild-Zoom
Da schlägt das Sammlerherz höher: Devotionalien aus der Zeit der Dampflokomotiven.

Für Klaus Weitzel vom Verein Historische Eisenbahn ist die Lokomotive der Baureihe 01 etwas „ganz Besonderes“. Von dieser Baureihe gibt es in Deutschland nämlich nur noch zwei Stück. „Unser Fahrzeug ist seit 1934 durchgängig im Dienst und war nie abgestellt“, so Weitzel. „Die 01 war der ehemalige ICE unter den Dampfloks.“ Ende der 1920er Jahre wurden diese Loks entwickelt. Ebenfalls im Einsatz die Lok der Baureihe 52 von 1943, die der Verein von einer Privatbahn in Österreich erhalten hat. „Das Besondere an dem Fest ist, dass die Menschen ganz nah an die Loks und Züge herankommen“, erklärt Klaus Weitzel.

Moderne Historie

Doch Historie hin oder her, ohne neueste Technik dürfen die alten Bahnen auch nicht betrieben werden. „Sie mussten mit der neuesten Sicherungstechnik ausgestattet werden. Alle Lokomotiven, die von uns betrieben werden, haben eine digitale Sicherung.“ Wenn Klaus Weitzel die Zusammenhänge erklärt, verliert er sich in Details, wo der gemeine Laie schlicht „aussteigt“. Es zeigt allerdings auch, wie liebevoll die Mitglieder des Vereins ihr Hobby sehen und betreiben. Auch seine Frau Andrea ist von Kindesbeinen an von dem „Virus“ historische Eisenbahnen infiziert. „Ich habe nie mit Puppen gespielt. Unter meinem Bett stand eine Eisenbahn.“

Liebe zum Detail

Von Berufswegen sind die Mitglieder des Vereins nicht unbedingt alle Bahner. Klaus Weitzel ist von Haus aus Laborant und in seinem Betrieb für die Arbeitssicherheit zuständig. Und die ist auch sein „Job“ im Verein. Was wiederum die Liebe zu technischen Detail erklärt.

Das ist den Besuchern erst einmal nicht so wichtig. Hier steht der Spaß an vorderster Stelle. Die Nachfrage, Lokführerin Sigrid Tscherneck auf der alten Dampflok über die Schulter zu schauen, ist riesig. Während die ältere Generation diese Technik noch kennt, halten die Jüngeren erst einmal respektvoll Abstand von dem Kessel. Wer es weniger „feurig“ mochte, bestieg die Waggons, die an der alten Diesellok zwischen Königstein und Höchst pendelte. Als „eine ganz andere Art des Reisens“ bezeichnete eine Besucherin die Fahrt. Und bei der An- und Abfahrt erleben die Besucher des Bahnhofsfestes nicht nur „eine andere Art des Reisens“, sondern werden dabei noch fast in eine andere Zeit versetzt. Denn wer steht heute noch winkend bei der An- und Abfahrt an offenen Zugfenstern . . .

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