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Frauenfrühstück: Frauen:„Wir wollen genau so viel verdienen wie Männer“

Beim traditionellen Frauenfrühstück im Oberurseler Rathaus kamen rund 80 Gäste zusammen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das Thema Frauenwahlrecht, das in Deutschland vor 100 Jahren eingeführt wurde.
Beim Frauenfrühstück im Sitzungssaal des Rathauses wurde nicht nur diskutiert, sondern auch fröhlich getanzt. Foto: Jochen Reichwein Beim Frauenfrühstück im Sitzungssaal des Rathauses wurde nicht nur diskutiert, sondern auch fröhlich getanzt.
Oberursel. 

Lange hatten Frauen dafür gekämpft. 1918, vor 100 Jahren war es so weit: Frauen durften in Deutschland erstmals wählen. Das Frauenwahlrecht und allgemein die Rechte der Frauen standen jetzt im Mittelpunkt des diesjährigen Frauenfrühstücks der Stadt Oberursel.

„Das war noch viel zu spät. Eigentlich sollte die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen selbstverständlich sein“, meint Silke Mühlhaus aus Oberursel zur Einführung des Frauenwahlrechts. Die 52-Jährige ist mit ein paar Freundinnen zum ersten Mal beim Frühstück im Rathaus und freut sich über die schöne Atmosphäre und den netten Austausch mit den rund 80 Gästen.

„Wir sollten dankbar sein, über das, was wir bereits erreicht haben. Dankbar darüber, dass wir wählen können, über das Recht auf Bildung und Selbstbestimmung“, sagt Astrid Müller (52). Und auch Sylvia Navarrete stimmt dem zu: „In Deutschland gab es das Frauenwahlrecht früher als in meiner Heimat Ecuador. Ich selbst habe aber noch nie gewählt.“

Neue Rollen-Definition

Erstaunen bei den anderen Frauen am Tisch, denn Navarette ist auch schon Mitte fünfzig. Die Lateinamerikanerin, die seit 22 Jahren in Oberursel lebt, erklärt: „In Ecuador weiß man nicht, wen man wählen soll, denn die meisten Politiker sind korrupt. In Deutschland ist das zum Glück anders.“ Daher habe sie sich auch fest vorgenommen, bei den nächsten Wahlen mitzumachen. Sylvia Navarrete bewegt besonders das Thema Gleichberechtigung. Frauen müssten sich immer noch allein um die Kindererziehung und Betreuung kümmern, neben Haushalt und Arbeit. „Die sozialen Medien sind voller Frauen, die einen Kita-Platz für ihren Nachwuchs suchen“, weiß sie.

„Wir haben zwar viel erreicht, aber wir haben auch mehr Arbeit“, meint Ingrid Rojas (42). Sie kommt aus Kolumbien, wo das Frauenwahlrecht auch erst später eingeführt wurde und ist der Meinung, dass man dringend nach neuen Möglichkeiten suchen sollte, „damit wir nicht alles machen müssen“. Dazu gehöre auch eine neue Rollen-Definition der Männer, denn auch diese müssten sich neu finden. Rojas ist seit zehn Jahren beim Verein Frauen helfen Frauen aktiv und tauscht sich regelmäßig beim Frauenfrühstück mit den Besucherinnen aus.

Jede Menge zu tun

Ihre Bekannte Anna Saez (41) sinniert: „Ich bin hier aufgewachsen und mit dem Selbstverständnis, das Recht zu wählen zu haben. Dass das für andere gar nicht so selbstverständlich ist, das ist einem oft nicht klar.“ Es sei wichtig, sich dessen bewusst zu werden und auch darüber froh zu sein, wie viel man bereits erreicht habe. Jedoch bleibe auch noch jede Menge zu tun. Beispielsweise bei der Gleichstellung. „Dazu muss sich aber unsere ganze Gesellschaft ändern. Ich bin Mutter von drei Kindern und immer wieder erstaunt, wie ausgeprägt die Rollenverteilung bereits in jungen Jahren schon ist. Sich davon frei zu strampeln ist schwierig.“

Ein Aspekt ist zudem allen Frauen am Tisch wichtig: „Wir wollen genau so viel verdienen wie die Männer“, sagen sie. Das sei eine große Ungerechtigkeit. So sind sich am Ende alle einig. „Wir müssen weiterkämpfen.“

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