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Medaille für Birgit Merklein: Friedrichsdorf ehrt beim Jahresempfang engagierte Flüchtlingshelferin

Die 49 Jahre alte Birgit Merklein leitet ehrenamtlich zwei Spendenlager, empfängt ankommende Flüchtlinge und betreut zwei Familien aus Syrien und Afghanistan. Die Ehrenmedaille versteht sie als Anerkennung für das ganze Team.
Birgit Merklein hat die Ehrenmedaille der Stadt erhalten. Bilder > Foto: Jochen Reichwein Birgit Merklein hat die Ehrenmedaille der Stadt erhalten.
Friedrichsdorf. 

Der 23 Jahre alte Vahid Behroz singt ein wunderschön melancholisches persisches Liebeslied und begleitet sich dabei auf der Gitarre. „Es handelt davon, dass der Liebende seiner Geliebten eines Tages in den Tod folgen will, um nicht allein auf der Welt bleiben zu müssen“, hatte Stadtverordnetenvorsteher Karl Günther Petry (FWG) erklärt, nachdem er die Ehrengäste aus Politik und Gesellschaft zum Jahresempfang der Stadt im Forum Friedrichsdorf begrüßt hatte.

Seit einem Jahr ist der junge Sänger in Deutschland. Mit ihm sitzt noch ein weiterer Flüchtling unter den Musikern des Weltmusikensembles der Musikschule Friedrichsdorf: Majid Heydar (34) spielt die Kistentrommel Cajon. „Vor einem Jahr hat uns die Flüchtlingskrise sehr intensiv beschäftigt. Heute haben wir es geschafft“, sagte Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) erleichtert. Und er betonte: „Das ,Wir‘ sind die Friedrichsdorfer.“ Unzählige Menschen hätten sich für die derzeit insgesamt 360 Flüchtlinge in der Stadt engagiert. Zahlreiche Bürger und Unternehmen hätten Wohnraum für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung gestellt. Deshalb könne auch die provisorische Unterkunft im Rathaus, in der 27 Flüchtlinge leben, innerhalb eines Jahres aufgelöst werden. Sehr engagiert in Sachen Hilfe für Flüchtlinge seien die Mitglieder des Vereins für gegenseitige Hilfe „Wir Friedrichsdorfer“. Auch das Mentorenprogramm für die Neuankömmlinge habe sich bewährt.

Eine der ganz besonders aktiven ehrenamtlichen Helferinnen ist die 49 Jahre alte Birgit Merklein. Für ihr außerordentliches Engagement erhielt die diplomierte Bankkauffrau gestern die Ehrenmedaille der Stadt. Die verheiratete Mutter eines inzwischen 15 Jahre alten Zwillingspaares organisiert unter anderem die Spendenlager in der Herrenhofstraße und der Max-Planck-Straße, wo sich nicht nur Flüchtlinge, sondern alle Bedürftigen mit Kleidung versorgen können.

Burghardt fuhr fort: „Wir alle erinnern uns nur allzu gut an die Zeit, in der uns wöchentlich eine große Zahl Flüchtlinge zugewiesen wurde. Zusammen mit den Mitarbeiterinnen im Rathaus organisierte Merklein die Ankunft, richtete mit tatkräftiger Unterstützung weiterer Helferinnen die Betten her, besorgte Nahrungsmittel und die notwendigen Dinge des täglichen Lebens.“ Bei nahezu jeder angekündigten Ankunft der Flüchtlinge sei Merklein dagewesen. Oft habe sie stundenlang auf die ankommenden Personen warten müssen, wegen der Bürokratie. „Meine Mitarbeiterinnen im Rathaus bezeichnen sie mit Respekt und Bewunderung als ,eine hauptamtlich ehrenamtliche Kollegin‘.“ Seit März 2015 betreut sie zudem eine syrische und eine afghanische Familie.

Sie packte gleich mit an

Zur Flüchtlingsarbeit ist sie durch einen Zufall gekommen. Die Vorsitzende des Vereins „Wir Friedrichsdorfer“, Luitgard Schader, hatte sie im Herbst 2014 angerufen, weil Winterstiefel und Jacken für Flüchtlingskinder gebraucht wurden. „Mit frisch gewaschenen Kleidungsstücken im Rathaus angekommen, erfuhr sie von unserer Sozialarbeiterin, dass ein Spendenlager für Flüchtlinge aufgebaut werden solle“, berichtete Burghardt. „Sie packte sofort mit an, strukturierte in der Folge die Arbeitsweise und übernahm die organisatorische Leitung. Inzwischen arbeiten rund 30 Personen in den sehr gut laufenden Spendenlagern.“

Merklein selbst wollte eigentlich gar nicht im Vordergrund stehen. „Die Medaille ist eine Anerkennung für uns alle zusammen“, sagte sie. Ohne die Menschen, die Spenden entgegennehmen und sortieren, die Fahrräder reparieren, ohne die Spenden von Unternehmen und Bürgern wäre es nicht möglich, alle Hilfebedürftige in der Stadt zu versorgen.“ Auch die Mentoren, die die Flüchtlinge im Alltag betreuen und ihnen bei Behördengängen helfen, seien überaus wichtig: „Es reicht nicht, eine Jacke und eine Hose aus dem Spendenlager zu bekommen. Danach geht es erst richtig los.“

Merklein dankte auch den vielen ehrenamtlichen Deutschlehrern, den Mitgliedern des Arbeitskreises Asyl, die nötigenfalls auch Rechtsanwälte vermittelten, den Ärzten, die Flüchtlinge auch behandelten, wenn der Krankenschein noch nicht da sei („Der Kreis darf noch größer werden“), den Erziehern und Lehrern, die den Flüchtlingskindern Wärme und Geborgenheit vermittelten, und den Sozialarbeitern, „die in jedem Flüchtling einen Menschen sehen und nicht eine Nummer“.

Zum Schluss war nochmals das Weltmusik-Ensemble an der Reihe und spielte das christliche Spiritual „Nobody Knows The Trouble I’ve Seen“. Zu Beginn des Empfangs haten die sechs Musiker „When Israel Was In Egypt’s Land“ präsentiert. Beide Lieder handeln von Vertreibung, Flucht und Glauben. Vahid Behroz sang als zweite Zwischenmusik ein weiteres ergreifendes persisches Liebeslied. Darin beschreibt ein Liebender, dass er seiner Geliebten nichts Würdigeres zu schenken weiß als sein Herz.

„Wir möchten im Weltmusikensemble Musik aus den Kulturen der in Friedrichsdorf lebenden Menschen zusammenführen“, sagte der Leiter der Musikschule, Bert Jonas, der den E-Bass spielte. Die weiteren Mitglieder der Gruppe auf der Bühne waren Robert Winderling (Gitarre), Jochen Schimmelschmidt (E-Piano und Background-Vocals), Manfred Volbers (Vocals und Percussion) und Rita Bank (Percussion).

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