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Spurensuche: Friedrichsdorfer Straßennamen: Von Färbern, Wagnern und Hirten

Straßennamen können viel über einen Wohnort aussagen. Oder doch nicht? Die TZ wollte es genauer wissen und hat sich auf Spurensuche begeben. In diesem Teil unserer Serie geht es um Berufe.
Schäferstraße oder Hirtenweg – in der Hugenottenstadt erinnern gleich zwei Straßen an die Schafhüter, die einst mit ihren Herden durch den Ort zogen. Foto: Matthias Reichwein Schäferstraße oder Hirtenweg – in der Hugenottenstadt erinnern gleich zwei Straßen an die Schafhüter, die einst mit ihren Herden durch den Ort zogen.
Friedrichsdorf. 

Von Hirtenweg bis Färberstraße: Friedrichsdorfer Straßennamen, die auf Berufe hindeuten, beziehen sich oft auf alte Handwerkskunst oder Arbeit in der Natur. Prägend war hier die Zeit der hugenottischen Besiedlung.

„Früher war hier alles Handwerk, das Elitäre im Zusammenhang mit den Landgrafen kam erst später.“ Kurz und bündig fasst Nils Störling, Anwohner der Landgraf-Friedrich-Straße und glücklicherweise gern bereit, seine Autowäsche zu unterbrechen, die spannende lokale Geschichte Friedrichsdorfs zusammen. Eigentlich Mathematiker, ist er geschichtlich interessiert – und kann zur Not auch immer noch seine Tochter fragen, die Geschichte und Germanistik studiert hat.

Hugenottisches Erbe

Faszinierend findet er die erhaltenen Färberwerkstätten in Friedrichsdorf (da haben wir mit dem Färberweg schon den ersten Straßennamen, der auf vergangenes Handwerk hinweist) und auch die umliegenden Mühlen interessieren ihn.

Im Mittelalter habe man das weniger angesehene und mit Schmutzarbeit verbundene Handwerk außerhalb der Stadt angesiedelt. Aber letztlich seien es gerade diese Tätigkeiten gewesen, die mit der hugenottischen Besiedlung auch den wirtschaftlichen Aufschwung brachten. Die ersten Hugenotten kamen Ende des 17. Jahrhunderts nach Friedrichsdorf. Störling ist froh, dass sich insbesondere die Färbhäuschen und auch die schönen Innenhöfe erhalten haben. So bleibe das Gespür für die eigene Geschichte erhalten. „Auch darum wohnen wir ja hier.“

Altes Handwerk

Schön, dass auch über Straßennamen an die Geschichte erinnert wird. Tatsächlich sind die meisten Namen handwerklich geprägt: Der Gärtnerweg führte seinerzeit zu einer Gärtnerei, auf dem Hirtenweg, früher Schäferweg, führten die Schäfer ihre Herden, der Töpferweg bezeichnet ein typisches Seulberger Handwerk und die Wagnerstraße bezieht sich auf das Handwerk der Wagenmacher.

Der Name „Am Köhlerberg“ erinnert an die Holzkohleherstellung in Meilern – vor allen Dingen zur Eisenverhüttung, Glasherstellung und Verarbeitung von Edelmetallen. Der Küfer unterdessen, verewigt im Friedrichsdorfer Küferweg und auch Fassbinder genannt, stellte Behälter und Gefäße her. Meist aus speziellen Holzstücken, den sogenannten Dauben, die mit hölzernen oder eisernen Reifen zusammengehalten wurden. Belegt ist diese Technik bereits für das erste Jahrhundert vor Christus, in Friedrichsdorf weist die Straßenbezeichnung auch auf früheren Weinbau hin.

In Burgholzhausen war das Leinenweber-Handwerk Tradition, daher die Webergasse. Der Brauhannsweg schließlich führt zu den Brauhannswiesen, früher soll auf der anderen Seite ein Brauhaus gestanden haben, belegt ist das aber nicht.

Die Bleichstraße hingegen erinnert tatsächlich an die mühsame Arbeit der Hausfrauen, die auf den Wiesen „im Oberborn“, dorthin führt die Straße, Garn und Wäsche bleichten.

Akademisch wird es in Studentenweg, Ratsweg und Philosophenweg: Dort sind, Erzählungen nach, früher immer die Studenten des Instituts Garnier entlang spaziert – aber wohl weniger, um akademische Diskussionen zu führen, sondern weil sie zum Schwimmbad in der Nähe wollten. Sie konnten durch den Spieß direkt dorthin laufen, heute ist der Weg jedoch bebaut.

Bei den beiden angrenzenden Straßen, Ratsweg und Philosophenweg, handele es sich eher um Verlegenheitslösungen, sagt Lokalhistoriker August Will. Der Philosophenweg war früher die Friedrichsdorfer Straße, eignet sich aber auch gut zum Philosophieren; schön ruhig ist es in diesem Viertel.

Andere Umbenennungen waren historisch notwendig, erzählt August Will: Relikte aus der NS-Zeit wie „Adolf-Hitler-Allee“ oder „Hindenburgstraße“ mussten weichen, wobei die Stadtverordneten in der Nachbarstadt Bad Homburg dies offenbar anders sehen: Dort gibt es nach wie vor den Hindenburgring, benannt nach dem Mann, der Hitler zum Reichskanzler ernannt hat.

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