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Frisch bezogene Betten im Rathaus

Ein bisschen wie in einer Jugendherberge sieht es im fünften Stock des Rathauses jetzt aus. Einfache Metallbetten, Gemeinschaftsküchen und Gemeinschaftsbadezimmer warten auf Asylbewerber. Wir haben uns die Räume gestern angeschaut.
Hier werden zu Weihnachten Flüchtlinge schlafen: Einfache Metallbetten mit bunter Bettwäsche in einem ehemaligen Sitzungsraum. Bilder > Foto: Matthias Reichwein Hier werden zu Weihnachten Flüchtlinge schlafen: Einfache Metallbetten mit bunter Bettwäsche in einem ehemaligen Sitzungsraum.
Friedrichsdorf. 

Kurz vor Weihnachten sollen sie kommen: Voraussichtlich am Montag, 21. Dezember, treffen die Flüchtlinge ein, die im fünften Stock des Hinterhauses des Friedrichsdorfer Rathauses untergebracht werden sollen. 24 frisch bezogene Betten stehen inzwischen dort – auf mehrere Räume verteilt – bereit, außerdem Tische, Stühle, Kühlschränke und Gemeinschaftsküchen.

Wie berichtet, hat Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) Anfang November auf der Suche nach Wohnraum für Asylbewerber Platz im Rathaus geschaffen. Die Mitarbeiter der Jugendpflege und die Personalratsvorsitzende mussten ihre Büros räumen. Dort und in zwei Sitzungszimmern sowie in einer ehemaligen Hausmeisterwohnung wurde umgebaut. Vor allem Küchen und Badezimmer mussten eingerichtet werden.

Insgesamt 34 000 Euro habe alles zusammen gekostet. Und zwar inklusive Mobiliar, Sanitäranlagen, Meldeanlage, Brandschutz, Küchenausstattung, Waschmaschinen und Trockner. Die Umbaumaßnahmen, die Fremdfirmen erledigt haben, sollen vom Hochtaunuskreis erstattet werden. Für die Leistungen des Bauhofs und der Stadtwerke (rund 5000 Euro) müsse die Stadt dagegen selbst aufkommen.

Am Donnerstag endlich war alles fertig. Die Spinde und die einfachen Metallbetten standen an ihren Plätzen. Matratzen, Kopfkissen und Bettdecken waren ebenfalls eingetroffen. Die galt es nun zu beziehen. Das machten die Sozialarbeiterinnen Nicole Braun und Alicia Wiedelmann, unterstützt von Helfern vom Verein „Wir Friedrichsdorfer“ unter der Regie von Birgit Merklein, Projektleiterin der Flüchtlingshilfe des Vereins, sowie einer Gruppe Helfer aus der Taunus Residenz. Auf jedem Bett legten sie Handtücher und Waschlappen bereit. Außerdem kam auf jedes Kopfkissen ein kleines Kulturtäschchen mit Zahnbürste und Zahnpasta, ein Adventskalender mit Schokolade und ein Deutsch-Bildwörterbuch.

Das Geld für die Bücher – 1332 Euro – kommt vom Friedrichsdorfer Fotografen Rainer Harscher. Er hatte bei seiner Multivisionsschau im November das Publikum um Spenden gebeten und den Verkaufserlös seiner DVDs dazu gepackt.

Kühlschrank und Fön

Wie in einer Jugendherberge sehen die Rathaus-Räume für die Flüchtlinge aus. Die Leuchtstoffröhren-Lampen an den Decken verbreiten zwar Büro-Atmosphäre, aber die bunte Bettwäsche lässt die Zimmer freundlich wirken – auch wenn Tische und Stühle schon älter sind. „Die wurden gespendet“, berichtet Burghardt. Neu gekauft dagegen hat die Stadt Betten, Matratzen, Spinde und Bettwäsche. „Insgesamt haben wir 200 Betten und Spinde gekauft und eingelagert, damit nach und nach neue Flüchtlingsunterkünfte ausgestattet werden können.“

Fünf Betten für eine Familie stehen in einem Raum, drei in einem anderen und in einem weiteren können vier Personen in Doppelstockbetten schlafen. Auf den ersten Blick merkwürdig: In jedem Schlaf-Wohnraum steht auch ein Kühlschrank. „Es ist wichtig, dass jede Familie ihren Kühlschrank in ihrem abschließbaren Bereich hat. Sonst kann es Streit geben“, erklärt Burghardt. Im Badezimmer steht sogar ein Bügelbrett mit Bügeleisen bereit. Auch an den Handfön wurde gedacht.

Das frühere Büro der Personalratsvorsitzenden ist zum Aufenthaltsraum umfunktioniert worden. Ein Schild mit dem Wort „Aufenthaltsraum“ in sechs Sprachen, darunter Englisch („community lounge“), Französisch („Salon“), Fasrsi und Arabisch, hängt an der Tür. Auf dem Tisch dort liegen Gesellschaftsspiele bereit. Drumherum stehen Stühle.

Wie viele Menschen genau ins Rathaus ziehen werden, aus welchen Ländern sie kommen und ob kleine Kinder dabei sind, ist noch nicht bekannt. „Nötigenfalls stellen wir zusätzliche Kinderbetten auf oder tauschen Erwachsenenbetten gegen Kinderbetten aus“, sagt Burghardt.

250 Plätze fehlen

Feststeht aber schon, dass am kommenden Montag 12 junge Erwachsene ins Burgholzhäuser Jugendzentrum an der Peter-Geibel-Straße einziehen werden. „Diese Flüchtlinge werden dann von den dortigen Jugendpflegern betreut“, erklärt Burghardt. Am 4. und 11. Januar sollen weitere 48 Flüchtlinge ins Verwaltungsgebäude des Milupa-Hochregallagers an der Max-Planck-Straße ziehen. „Am 19. Dezember fangen wir damit an, dieses Gebäude als Flüchtlingsunterkunft einzurichten.“ Dann wären insgesamt 241 Flüchtlinge in der Stadt untergebracht.

Wie’s im neuen Jahr weitergehen soll? „Das wissen wir nicht“, sagt Burghardt. Bis Ostern müsse die Stadt fast 300 weitere Menschen unterbringen (insgesamt wären es dann 537 Flüchtlinge), derzeit seien aber nur 50 Plätze in Sicht: In einem Bürogebäude in der Otto-Hahn-Straße in Köppern – das übrigens das Diakonische Werk mit Mobiliar ausstatten werde. Rund 250 Plätze fehlen noch. Das Schwesternwohnheim des Waldkrankenhauses sei voraussichtlich erst im Sommer bereit. „Wir verhandeln nach wie vor mit verschiedenen Leuten, aber es bleibt schwierig“, so Burghardt.

Wer der Stadt Friedrichsdorf eine Immobilie für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung stellen kann, der wird gebeten, sich im Rathaus, Hugenottenstraße 55, zu melden. Und zwar bei Wolfgang Ditterich, Telefon (0 61 72) 7 31 12 42, und Claudia Strack, Telefonnummer (0 61 72) 7 31 12 60.

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