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Evangelisch-methodistische Prediger: Gedenken an 13 Pastoren

Auf dem Friedrichsdorfer Friedhof in der Taunusstraße sind 13 methodistische Pastoren bestattet – so viele wie auf keinem anderen örtlichen Friedhof in Deutschland. Jetzt erinnert eine Gedenktafel an die verstorbenen Prediger und ihre Frauen.
Bei der Einweihung des Gedenksteins für die methodistischen Pastoren auf dem Friedrichsdorfer Friedhof (von links): Bürgermeister Horst Burghardt, Günter Hammann und Pastor Gerald Kappaun. Foto: Jochen Reichwein Bei der Einweihung des Gedenksteins für die methodistischen Pastoren auf dem Friedrichsdorfer Friedhof (von links): Bürgermeister Horst Burghardt, Günter Hammann und Pastor Gerald Kappaun.
Friedrichsdorf. 

Knapp zwei Jahre ist es her, dass Günter Hammann bei einem Gang über den Friedhof in der Taunusstraße eine spannende Entdeckung machte: 13 evangelisch-methodistische Pastoren und ihre Ehefrauen liegen hier begraben. Neun Gräber sind noch erhalten. „Diese hohe Dichte an bestatteten Gemeindepastoren ist außergewöhnlich und wohl einmalig für einen örtlichen Friedhof in Deutschland“, sagte Hammann am Sonntagvormittag bei der feierlichen Einweihung der Gedenktafel.

Info: Evangelisch-methodistisch

Woher der Name der evangelisch-methodistischen Kirche kommt? „Evangelisch“ nennt sich die Kirche, weil, „das Evangelium von Jesus Christus unser Fundament ist“, steht auf der Homepage der

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Intensive Nachforschungen über die Pastoren hat Hammann angestellt. Der Friedrichsdorfer studierte kirchliche Nachrufe, befragte Nachfahren und ging im Stadtarchiv auf Informationssuche. Dabei stellte er fest, dass alle Pastoren den Menschen sehr zugewandt waren. „Heute würde man sagen, sie besaßen eine hohe Kompetenz von sozialem Handeln.“ Prediger Karl Kunde beispielsweise beerdigte einmal einen Selbstmörder, nachdem sich der evangelische und der katholische Pfarrer zuvor geweigert hatten. „Ihm waren die Achtung und Würde dieses Menschen wichtiger“, betonte Hammann.

Johannes Gotthold Schultheis, der von 1949 bis 1951 als Pastor im Bezirk Friedrichsdorf wirkte, nahm das Gebot der Nächstenliebe sehr ernst. Nachdem er seinen Dienst in Friedrichsdorf aufgenommen hatte, meldete sich bei ihm eine vierköpfige Flüchtlingsfamilie aus Ostdeutschland. Der Familienvater, ein Spätheimkehrer aus dem Krieg, bat den Pastor um eine Wohnung für seine Familie. „Angesichts großer Wohnungsnot konnte Schultheis ihnen jedoch keine Wohnung anbieten. Kurzerhand rückte er mit seiner Familie zusammen und nahm die Flüchtlinge in die Pastorenwohnung in der Saalburgstraße auf“, erzählte Hammann.

Hugenottische Ehefrauen

Er fand außerdem heraus, dass acht der 13 Pastorenfrauen aus hugenottischen Familien (darunter Garnier, Archard und Foucar) stammten. Auch Hammanns Familienname taucht in dem Zusammenhang auf: Emma Hammann, die Schwester von Günter Hammanns Urgroßvater, hatte den Pastor Konrad Walz geheiratet. „Offenbar waren solche Frauen eine gute Partie“, mutmaßte er. Sie seien gebildet gewesen und hätten über gute Sprachkenntnisse verfügt, da sie zwei- oder sogar mehrsprachig aufgewachsen waren. Seine Erkenntnisse hat Hammann inzwischen niedergeschrieben.

Die Idee, mit einer Steintafel vor der Trauerhalle an die Verstorbenen zu erinnern, ist übrigens in den Gesprächen mit den Nachfahren entstanden. Günter Hammann hat sie gemeinsam mit Gerhard Bank, Erhard Grünewald, Dietrich Jenth und dem Steinmetz Stefan Roos – er war für die praktische Umsetzung zuständig – innerhalb von neun Monaten konzipiert. Die helle Granitplatte zieren 13 schmale Bronzetafeln mit den Namen der Pastoren sowie ihrer Ehefrauen und die Inschrift: „Botschafter an Christi statt“. Komplettiert wird die Tafel durch ein Logo der evangelisch-methodistischen Kirche, eingraviert in der linken oberen Ecke.

Pastor Gerald Kappaun lobte: „Vor allem die Inschrift gefällt mir. Der Satz stammt aus dem Korintherbrief 5 und wird üblicherweise bei Amtseinführungen verlesen. Für unsere verstorbenen Pastoren ist er zutreffend, da er ihr Leben geprägt hat.“

Übrigens: Die Kosten für die 4500 Euro teure Gedenktafel sind noch nicht gedeckt. Spenden sind erwünscht, und zwar auf das Konto der evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) Friedrichsdorf unter dem Kennwort „Gedenktafel“, Konto Nummer: IBAN: DE 59 51 25 00 00 00 20 09 24 32 BIC: H EL AD EF 1T SK

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