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Lieferengpass: Gelbe Säcke sind Mangelware

Von Seit Monaten gibt es Probleme bei der Versorgung der Bürger mit gelben Säcken. Das seit Anfang Januar im Hochtaunuskreis tätige Entsorgungsunternehmen will nun bis Ende nächster Woche an alle Haushalte neue Müllsäcke verteilen. Wie funktioniert das kostenlose Müllsystem? Wird das Plastik tatsächlich recycelt?
Auch bei Schneefall müssen Müllmänner wie Stephan Markovic die gelben Säcke abholen – wenn sie denn vorrätig sind. Foto: Piereb Auch bei Schneefall müssen Müllmänner wie Stephan Markovic die gelben Säcke abholen – wenn sie denn vorrätig sind.
Hochtaunus. 

Schwungvoll wirft Stephan Markovic zwei, manchmal sogar drei oder vier gelbe Säcke auf einmal in das offene Maul im Heck des Müllautos. Im Vergleich zu den im Sommer stinkenden Bio-Tonnen oder den zum Teil schweren schwarzen Restmüll-Tonnen ist der heutige Job des Müllmanns nicht sonderlich anstrengend.

So leicht die Müllabfuhr auch von der Hand geht: die Entsorgung der gelben Säcke für Verpackungsmüll kam in den vergangenen Monaten kräftig ins Stottern. Zahlreiche Haushalte im Hochtaunuskreis hatten ihre liebe Müh’ und Not, neue Rollen der mittlerweile hauchdünnen Säcke zu bekommen.

Egal ob in Oberursel, Bad Homburg, Usingen oder Grävenwiesbach – überall im Hochtaunuskreis war es den Bürgerbüros der Rathäuser nicht möglich, Nachschub bereitzuhalten. Auch die angekündigte Verteilung neuer Säcke Ende 2017 direkt an die Haushalte hatte nicht oder nur eingeschränkt geklappt.

Mit dem Problem sind die Kommunen im Taunus nicht allein: Bundesweit gibt es bereits seit August einen Lieferengpass für die Kunststoffsäcke. Kurios: die gelben Säcke werden genau dort produziert, wo ein Teil später wieder gefüllt landet: in China. „Es gibt Probleme bei der Herstellung neuer Säcke“, teilt dazu die seit diesem Jahr im Hochtaunuskreis für die Abholung zuständige Entsorgungsfirma Knettenbrech und Gurdulic (K&G) aus Wiesbaden auf Anfrage dieser Zeitung mit. „Bis Ende nächster Woche werden wir allen Haushalten eine neue Rolle mit gelben Säcken ausliefern.“

Transparent geht auch

Während K&G im Vordertaunus mit eigenen Fahrzeugen unterwegs ist, hat das Unternehmen im Usinger Land die Entsorgungsfirma Kilb aus Kelkheim mit der Abfuhr als Subunternehmen beauftragt. Falls bis zum nächsten Abholtermin einzelne Haushalte dennoch ohne die vorgeschriebenen Beutel sind, könne der Verpackungsmüll auch ausnahmsweise in durchsichtigen Abfallsäcken entsorgt werden, teilen die Unternehmen jetzt mit. Dass nur transparente Beutel von den Mitarbeitern der Entsorgungsfirmen mitgenommen werden, liegt daran, dass auf diese Weise sichergestellt werden kann, dass auch nur Verpackungsmüll im Sack steckt.

Bizarres Geschäft mit dem Plastikmüll

Die Müllwagen der Entsorgungsfirma Knettenbrech und Gurdulic (K&G), die zwischen Wiesbaden und Würzburg sowie Kassel und Karlsruhe aktiv ist, fahren die gelben Säcke zu den zentralen Müll-Sammelhöfen

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„In den Städten und Kommunen des Hochtaunuskreises wurden in den Vorjahren zu viele gelbe Säcke im Verhältnis zur Einwohnerzahl verbraucht“, teilt die Stadt Neu-Anspach mit. Es sei bekannt, dass die gelben Säcke gerne als Müllbeutel für Restmüll oder für die Entsorgung von Altkleidern in entsprechende Sammelcontainer zweckentfremdet würden. Damit wird das Prinzip des Dualen Systems konterkariert.

Offenbar ist das schon seit 1991 existierende Duale (Entsorgungs-)System für Verpackungsmüll komplizierter als gedacht. „Bei der Abholung der gelben Säcke handelt es sich nicht um eine Plastikmüll-Abfuhr, sondern um die Abfuhr von Verpackungsmüll“, teilt dazu K&G mit. In den gelben Sack gehören daher ausschließlich gebrauchte und restentleerte Verkaufsverpackungen aus Kunststoff, Metall und Verbundstoffen.

Übrigens, was viele Bürger nicht wissen: Den seinerzeit eingeführten „Grünen Punkt“ als Kennzeichen für die Entsorgung in gelben Säcken gibt es gar nicht mehr.

Trennung ist Pflicht

So weit, so gut. Doch obwohl seit 2012 das Mülltrennen laut Kreislauf-Wirtschaftsgesetz Pflicht ist, halten sich viele Menschen nicht daran: Sie werfen ihren Abfall wahllos weg oder trennen falsch. Dadurch verschwindet eine große Menge an Wertstoffen im Restmüll. Doch auf dem Recycling der in den gelben Säcken gesammelten Verpackungen fußt eigentlich die Grundidee der Mülltrennung.

Gesetzliche Grundlage für die Abholung ist die Verpackungsverordnung. Demnach muss die Wirtschaft für die Entsorgung – konkret sind das Sammlung, Sortierung und Verwertung – der Produktverpackungen sorgen. Organisiert wird das ganze über das Duale System, das sich wiederum über Lizenzentgelte finanziert, die Verpackungshersteller und Handel entrichten.

Mittlerweile sind es bundesweit elf Systembetreiber, die das Duale System tragen.

Zum Jahresende hat der Betreiber Reclay Vfw, der sechs Jahre lang für den Hochtaunuskreis zuständig war, das Gebiet an die RKD (Recycling Kontor Dual) in Köln verloren. Dieser hat nun K&G beauftragt, von 2018 bis 2020 die Verteilung der Sackrollen und die Abholung der gefüllten gelben Säcke zu garantieren.

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