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Geschichte im Anrollen

Von Ob zu Fuß, auf Rädern oder im Sattel – beim Königsteiner Burgfestumzug zählt nur eins: das Dabeisein. Da machte die gestrige Neuauflage keine Ausnahme. Sogar der Wettergott hatte – nach einer feuchten Schwächephase im Vorjahr – zu alter Stärke zurückgefunden.
Beim Burgfest in Königstein wurde der Schlüssel an das Burgfräulein übergeben. Damit war das Burgfest eröffnet. Fotos: Jochen Reichwein Beim Burgfest in Königstein wurde der Schlüssel an das Burgfräulein übergeben. Damit war das Burgfest eröffnet. Fotos: Jochen Reichwein
Königstein.   

Nicht zu heiß und nicht zu kalt, nicht zu nass und nicht zu trocken – so muss ein Sonntagnachmittag aussehen, dann klappt’s auch mit dem Burgfestumzug. Zumindest für die vielen hundert Zaungäste, die gestern in T-Shirts und Shorts, das Eis in der Hand, wohltemperiert und gut gelaunt den Königsteiner Kult-Zug an sich vorbeiziehen ließen.

 

Bilderstrecke Ritter und holde Damen: Burgfest in Königsstein
Beim Burgfest in Königstein wurde der Schlüssel an das Burgfräulein übergeben. Damit war das Burgfest eröffnet. Hier sind die Bilder dazu. Fotos: Jochen ReichweinGabriele Lundquist,die vor 50 Jahren Burgfräulein war und Bürgermeister Leonard Helm.Burgfräulein Nora I. trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein.

Gut gelaunt, das waren auch die unzähligen Teilnehmer des Zuges. Allein, mit der Wohlfühltemperatur war es nicht ganz so weit her. „Hier drinnen steht die Standheizung auf 45 Grad“, deutete Wolfgang Mazurek lachend auf seine hohen, zum Gewand, aber nicht zum Wetter passenden Stiefel. „Letztes Jahr wurden unsere Kleider von außen nass, dieses Jahr von innen“, ergänzte Alexandra Franz in einem Traum aus Samt und Seide schmunzelnd.

Was tut man und vor allem „frau“ eben nicht alles für das Burgfest. Das galt natürlich auch für Burgfräulein Nora I. Allerdings hatte ihre Lieblichkeit gestern von Amts wegen einen exponierten Platz, der ihr zumindest ein wenig kühlenden Fahrtwind einbrachte.

 

Grandezza trotz Hitze

 

Laufen, lächeln und winken – lautete derweil der majestätische Dreiklang, dem die Hohen Burgfrauen mit Grandezza folgten, während die Männer und Frauen der Königsteiner Musik- und Showband unter ihren dicken, schwarzen Fellmützen durch die Stadt marschierten und sprangen.

Wer ein echter Königsteiner ist, der wirft sich eben auch bei 30 Grad gerne in Schale, um Mitbürgern und Gästen der Stadt eine mehrere hundert Meter lange, aber alles andere als langweilige Einführung in die Königsteiner Geschichte zu geben. Statt die Menschen durch die Historie der Stadt zu führen, führte der Burgfestumzug auch dieses Jahr die Geschichte an den Menschen vorbei.

Eben noch hatten der Verein für Denkmalpflege und die Kolpingfamilie die Zuschauer mit auf eine Reise zurück an den mittelalterlichen Hof von König Adolf von Nassau genommen, da setzten die Falkensteiner Mandoliner auch schon zum nächsten Zeitsprung an. Ihr Landeplatz: Mainz zur Zeit der Stiftsfehde von 1461/62. Zum Glück für die Wagenbesatzung ging die allerdings gestern doch deutlich friedlicher ab als im Original. Die Zupfmusiker aus dem Stadtteil schätzen eben ein Leben in Harmonie.

Was übrigens wohl auch für den Grafen Ludwig von Stolberg galt. Der hatte Königstein im 16. Jahrhundert nicht nur zu seiner Residenzstadt gemacht, sondern auch eine Zeit des Friedens gebracht. Statt ins Feld zu ziehen, saß der „Herr Graf“ denn auch gestern lieber auf Strohballen mit ehemaligen Kickern des FC Königstein zusammen und schaute dem Treiben auf dem Markt zu. Was er dort sah, dürfte nicht nur dem früheren Landesherrn gefallen haben.

 

Besondere Gäste

 

Neben Kindern der Schneidhainer Grundschule und Mitgliedern des Vereins „Musik und Szene“ sowie des Freundeskreises der Städte Königstein hatten sich auch einige neue Gesichter unter das Königsteiner Marktvolk gemischt, die in der Kurstadt zumindest vorübergehend Asyl gefunden haben.

Nicht aus Königstein wegzudenken ist Ehrenbürgerin Annemarie Ramm. Zur Feier ihres 95. Geburtstags hatte sie neben Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) in der Kutsche Platz genommen, wo sie von Zug-Moderator Rainer Kowald mit Glückwünschen und dem verdienten Ständchen bedacht wurde.

Währenddessen rollte der Zug weiter durch die Jahrhunderte, machte mit den Freunden von Le Cannet noch einmal kurz Halt auf dem Schloss, stoppte auch noch einmal an der St. Angela-Schule, um deren Gründung gemeinsam mit der evangelischen Immanuel-Gemeinde zu feiern und steuerte dann geradewegs auf das Schicksalsjahr 1914 zu.

Freuten sich eben noch die Großherzogin über den Besuch ihrer Enkelinnen (Grundschule Falkenstein) und die „Landfrauen“ über das gläserne Vermächtnis des Schneidhainers Johann Weck, brachte der Erste Weltkrieg Not und Elend über die Stadt. Herzzerreißend klagten die Pfadfinder im Hungerwinter 1916/17, damals noch nicht ahnend, dass – nach einem weiteren großen, grausamen Krieg – Königstein heute seit über 60 Jahren in Frieden und in Freundschaft mit seinen Nachbarn lebt. Bestes Beispiel dafür: Die große Abordnung aus der polnischen Partnerstadt Kórnik inklusive „Weißer Dame“.

Dass der Draht aus der Kernstadt in die Stadtteile nicht minder gut ist, zeigte die imposante Abordnung aus Mammolshain, die in bunten Gewändern und gemeinsam mit den Heilig-Geist-Schwestern das 50-jährige Bestehen der Gemeindepartnerschaft mit Rauya in Erinnerung riefen – mittlerweile ein Stück Geschichte, auf das die ganze Stadt stolz sein kann.

Blümchen vom Rathauschef für Gabriele Lundquist zum Jubiläum.	Fotos: jr (2)
Nora I. denkt über eine Doppelspitze nach

Der Stadtschlüssel befindet sich seit Samstag in den Händen von Nora I. Ihrem Charme und Gestaltungswillen hatte der Bürgermeister wenig entgegenzusetzen.

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