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Gipsy Dynasty: Noten lesen muss nicht sein

Von Aus Zürich, Karlsruhe und Berlin kamen sie zusammen, kennen sich seit Jahrzehnten und haben schon immer gemeinsam musiziert: Gipsy Dynasty. Mit ihrem Gipsy-Swing sorgten sie am Donnerstag im Speicher für sehr vergnügliche Stunden.
Bad Homburg. 

Eine italienische Meistergeige besitzt Martin Weiss, musste sie noch eben verkabeln mit dem Verstärker und dann ging auch schon sein Vorspiel los: ein Höllenritt, in Mikro-Akrobatik die Saiten rauf und runter, mit allem, was ein Geigenartist zu bieten hat.

Und mindestens den Violinisten in der Zuhörerschaft verknotete sich zunächst etwas im Gehirn, denn bei Martin Weiss geht alles seitenverkehrt, gestrichen wird von links, gegriffen mit rechts, was bei ihm der Virtuosität noch Vorschub zu leisten scheint. Holzmanno Winterstein setzte auf seiner Gitarre die Begleitakkorde dazu und vervielfachte das Rhythmusgeschehen. Vali Mayer zupfte mit zwei Fingern geschmeidig und in äußerster Präzision seinen Kontrabass.

Damit wäre das Trio auch schon komplett, obwohl es doch ansonsten in anderer Besetzung spielt. Der „Hausgeiger“, Haens’che Weiss, ist sehr schwer erkrankt. Deshalb wird er von seinem Neffen Martin vertreten. Der hatte seine Laufbahn einst in des Onkels Band begonnen, ging aber 1995 neue Wege, Bass und Gitarre sind hingegen seit Jahrzehnten dabei.

Unterricht in dem Sinne oder gar ein Studium habe er nicht gehabt, ebenso wenig wie Holzmanno Winterstein. Der Großvater habe ihm viel gezeigt, erzählte Martin Weiss, Noten könne er nicht lesen, aber klar sei schon, innerhalb welcher Akkorde er sich zu einer bestimmten Tonart bewegen kann – dieses Wissen ist schließlich das A und O beim Improvisieren.

Das Trio brachte Stücke aus der Gipsy-Tradition, ungarisches Musikgut der dortigen Cigány. Langsam, dunkel, melancholisch fängt es immer an, dann kommt ein einziger Takt, leicht verzögert, der Neues ankündigt, und schon geht es los in größter Ausgelassenheit, spielerisch scheint alles, ist aber höchst virtuos – sie sind großartig in ihrer Technik. Die Zuhörer genießen und freuen sich. Damit erreicht Martin Weiss, was er will: „Stress haben wir genug, ich will den Menschen Freude, Fröhlichkeit und Lebendigkeit bringen.“

Auch von Django Reinhardt haben sie Titel mitgebracht – „Minor Swing“, „Nuages“ und „Daphne“ – hier spielt auch Martin Weiss Gitarre. Vali Mayer sprüht voller Leben, wenn er seine Solostellen bekommt, singt dazu und kopiert täuschend echt den Sound von Louis Armstrong.

Keine Zugabe, einfach nur noch ein Stück, sagen sie nach frenetischem Applaus und spielen sich gegenseitig die Melodien wie Bälle zu, packen alle Kunst hinein und finden fast kein Ende in ihren Verzierungen, Läufen und Trillern. Es war ein Erlebnis!

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