Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Professor Dr. Christoph Barnbrock: Gott erwartet keine Perfektion

Von Gesetz und Evangelium gehören für Professor Dr. Christoph Barnbrock im Glauben zusammen. In einem Buch macht er deutlich, dass Gesetze von Gläubigen einzuhalten sind, das Evangelium aber durch die Zusage Jesu die Erlösung bringt.
Oberursel. 
Professor Dr. Christoph Barnbrock hat ein Buch über Gesetz und Glauben des amerikanischen Geistlichen John T. Pless übersetzt und ihm eigene Gedanken angefügt. 	Foto: Mai Bild-Zoom
Professor Dr. Christoph Barnbrock hat ein Buch über Gesetz und Glauben des amerikanischen Geistlichen John T. Pless übersetzt und ihm eigene Gedanken angefügt. Foto: Mai
Professor Dr. Christoph Barnbrock möchte das Licht der christlichen Botschaft zum Leuchten bringen. Will heißen, er möchte Pfarrer dazu befähigen, so zu predigen, dass die Gläubigen in der Botschaft Gottes Trost und Hoffnung finden.

Barnbrock unterrichtet an der Lutherisch-Theologischen Hochschule in Oberursel Homiletik, also die Lehre der Predigt. Und dabei sind ihm zwei Grundlagen des Glaubens – Gesetz und Evangelium – besonders wichtig. Er möchte vermitteln, dass beides nicht getrennt voneinander zu sehen ist.

Das Gesetz Gottes könne Gläubige beschweren, ihnen Grenzen aufzeigen und sie unter den Anforderungen fast zerbrechen lassen. Wäre da nicht das Evangelium, die Zusage Jesu, allein aus dem Glauben heraus „gerecht“ zu sein und sich nicht anstrengen zu müssen, die vermeintlichen Forderungen Gottes zu erfüllen. Diese Erkenntnis habe schon Martin Luther nach langer Zeit des Zweifelns befreit.

 

Das Heil mitgebracht

 

„Jesus ist als Mensch auf die Welt gekommen und hat das Heil mitgebracht“, so Barnbrock. Der Theologe hat unter dem deutschen Titel „Unterscheidungskunst“ das Buch seines amerikanischen Kollegen John T. Pless, das sich mit dem Thema beschäftigt, übersetzt und herausgegeben. Er hat zudem zwei Anhänge geschrieben, die den Inhalt auf deutsche Verhältnisse herunterbrechen. Denn nicht alles sei eins zu eins von Amerika zu übernehmen, auch nicht im Glauben.

Professor Dr. Christoph Barnbrock wurde 1975 in Remscheid geboren. Früh hatte er Kontakte zur selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK). In der Jugendarbeit hat er prägende Vorbilder kennengelernt, so dass für ihn schon bald klar war, dass er Theologie studieren würde. Nach dem Studium und sechs Jahren als Gemeindepfarrer ist er in die Wissenschaft gegangen, denn für ihn ist beides wichtig: die praktischen Erfahrungen, aber auch die wissenschaftliche Reflexion.

 

Der Glaube in Amerika

 

In seiner Dissertation beschäftigte er sich schon mit Gesetz und Evangelium, aber auch mit dem Glauben in Amerika. Grundlage waren die Predigten von Carl Ferdinand Wilhelm Walther (1811 bis 1887), in denen ebenfalls von diesem Zusammenwirken die Rede ist. Walther hatte Auswanderer aus Sachsen nach Amerika begleitet und für sie gepredigt.

Auch im jetzt übersetzten Buch spielt der Theologe aus dem 19. Jahrhundert eine Rolle. Er wird mit den Worten: „Wie töricht ist es, wenn ein Prediger denkt: ,Nun will ich das Gesetz donnern lassen. Jetzt will ich ihnen die Hölle vorstellen, die Verdammnis ausmalen, dann wird’s schon anders werden‘“, zitiert. Das sieht auch Barnbrock so, denn er ist nicht nur Prediger, sondern hört auch die Predigten anderer Geistliche und dabei stellt er fest, dass Predigten oft mit der Aufforderung enden, gottgefälliger zu leben.

Gerade in der heutigen Zeit, in der Menschen Vollkommenheit und ein gelingendes Leben anstreben, könne das fatal sein. Das Gegenteil sei richtig. Gott erwarte keine Perfektion. Krisen, Krankheiten oder Scheitern seien nicht durch eigene Anstrengung zu überwinden. Leben müsse nicht nach menschlichen Maßstäben gelingen, es habe vielmehr seinen Wert durch den, der es schenke und der möchte, dass auch die Sünder leben.

 

Kein Freibrief

 

Das sei kein Freibrief für Verbrechen, das ist dem Autor wichtig, aber bei Menschen auf dem Totenlager habe er oft die Angst gespürt, nicht fromm genug gelebt zu haben. Mit dem Hinweis auf das Evangelium und die Gnade Gottes habe er vielen Sterbenden die Angst nehmen können.

Barnbrock hat auch schon das nächstes Projekt in Vorbereitung: Ein Buch über das Predigt-Hören. Darin wird es darum gehen, worauf der Hörer den Fokus lenkt, welche Stichworte ihn aufhorchen lassen und auch, wann er abschaltet. Mit den Studien hat er bereits begonnen.

 

Das Buch „Unterscheidungskunst“ (150 Seiten, 19,90 Euro) ist in der Edition Ruprecht erschienen.

 

Zur Startseite Mehr aus Vordertaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse