Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Villa-Mumm-Landschaftspark: Gut geschütztes Gartendenkmal

Es gibt wohl keinen Park, der besser geschützt ist als der Villa-Mumm-Landschaftspark an der Kastanienhöhe. Anlässlich des Tags des offenen Denkmals durften am Sonntag 100 Besucher das sonst für die Öffentlichkeit nicht zugängliche Gartendenkmal besichtigen. Dabei lernten sie auch dessen botanische Besonderheiten kennen.
Ralf Habermann (links) führte durch den historischen Park. Foto: Yvonne Späne Ralf Habermann (links) führte durch den historischen Park.
Kronberg. 

Oberhalb der Burgstadt, auf halber Höhe nach Falkenstein, liegt das ehemalige Anwesen der Familie Mumm von Schwarzenstein. Gut abgeschirmt hinter Zäunen erstreckt es sich auf mehr als siebeneinhalb Hektar. Landschaftsarchitekt Ralf Habermann, seit 15 Jahren mit der Restaurierung der historischen und denkmalgeschützten Parklandschaft rund um die Villa Mumm betraut, führte am Sonntag durch das gut geschützte Gartendenkmal. „Dass der Park 1999 in seiner Grundsubstanz noch weitestgehend erhalten war, ist tatsächlich etwas Besonderes. Außerdem ist seine Lage oberhalb von Kronberg einzigartig“, erklärte der Landschaftsplaner den interessierten Gästen.

Info: Villa Mumm ist Tagungsstätte

Im Jahr 1909/1910 ließ der Frankfurter Bankier Heinrich Fritz Mumm von Schwarzenstein seinen Sommersitz auf dem Grundstück „Kastanienhain“ errichten.

clearing

Angelegt worden war der großzügige Park um 1909 von den Gebrüdern Siesmayer, den Söhnen des berühmten Gartenarchitekten Franz Heinrich Siesmayer – er hat unter anderem den Frankfurter Palmengarten sowie die Parkanlagen in Bad Homburg und Bad Nauheim entworfen. Den gestalterischen Part hatte in Kronberg Philipp Siesmayer übernommen. „Er nutzte vor allem die Pflanzen, die er in seiner Baumschule vorrätig hatte“, erläuterte Habermann. Aus diesem Grund sei auch mit profanen Nadelgehölzen wie Douglasien oder Rotfichten gearbeitet worden, um die Sichtachsen zu kanalisieren. Vorteil dieser Forstgehölze: Sie wachsen schnell. Bei unzureichender Pflege verasten sie jedoch nach kurzer Zeit. „So wie vor 15 Jahren. Da war der untere Teil der Bäume kahl, während oben noch das grüne Gedöns zu sehen war. Und der wunderschöne Blick auf die Burg Kronberg verwachsen“, veranschaulichte Habermann.

Substanz hat großen Wert

Daher wurden seit 2001 die rahmenden Gehölzstrukturen umfassend erneuert. Viele alte Bäume mussten weichen („Das hat sehr weh getan, da die alte Substanz einen enormen Wert hat. 100 000 Euro pro Baum würden nicht langen“, gab Habermann an) und Neue gepflanzt werden.

Mittlerweile sieht der Park wieder so aus, wie die Gebrüder Siesmayer ihn einmal geplant hatten. Für die Besucher ist jetzt deutlich erkennbar, dass die Gartenarchitekten mit geschlossenen und offenen Räumen gearbeitet haben. „Der südliche Wiesenraum ist beispielsweise von immergrünen Nadelgehölzen abgeschirmt“, erklärte Habermann. Auch die Zufahrt von Osten lässt aufgrund einer Gruppe blausilberfarbener Fichten keinen Blick auf die Villa zu. Spannend sei zudem, dass Philipp Siesmayer den Park in die bestehende Kulturlandschaft, also den Esskastanienhain, integriert hat.

Zu den botanischen Besonderheiten des Parks zählen der gelbrandige Tulpenbaum, eine Orientfichte – sie besitzt fast schwarze Nadeln – und die zwei 110 Jahre alten Mammutbäume, welche auf der großen Wiese unterhalb der Terrasse als Sichtachsen dienen.

Außerdem thront hinter der Jugendstilvilla eine Colorado-Tanne, die dank ihrer blaugrauen Nadeln aus ihrer Umgebung heraussticht. „Sie hat mit Abstand die blauesten Nadeln in ganz Europa“, versicherte der Landschaftsarchitekt. Er selbst sei in den vier größten deutschen Baumschulen gewesen, um die schnellwachsende Tanne auszusuchen.

Nachdem die Arbeiten an den rahmenden Gehölzstrukturen im vergangenen Jahr abgeschlossen waren, konnten nun auch die Wege komplett erneuert werden. „Dabei mussten wir darauf achten, dass die Farbe der neuen wassergebundenen Wegedecken mit jener von 1909 übereinstimmt“, berichtete der Fachmann. Außerdem wurden zwei Wege wieder mit Klinkern eingefasst. „Wir hatten 2001 Originalklinker geborgen und konnten sie nun an ihre angestammten Plätze setzen“, berichtete der Landschaftsplaner, der in zwei Jahren die Arbeiten an der Kastanienhöhe komplett abgeschlossen haben will.

Park bleibt abgeschirmt

Dass der Park in Zukunft dauerhaft für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, ist unwahrscheinlich. Der Finanzdienstleister Fidelity und seine Kunden hätten gewisse Sicherheitsbedürfnisse, wie der kontinentaleuropäische Unternehmenssprecher, Jörg Moberg, erklärte. Deshalb werde das Gartendenkmal weiterhin nur den 320 Mitarbeitern offenstehen. „Die nutzen ihn allerdings ausgiebig“, versicherte Moberg. Nicht nur für Spaziergänge in der Mittagspause – die äußere Runde dauert immerhin 17 Minuten. Im Herbst, wenn die Früchte der Quitten-, Pflaumen-, Kirsch- und Apfelbäume auf der Streuobstwiese reif sind, dann dürfen die Mitarbeiter das Obst mit nach Hause nehmen oder direkt vor Ort verzehren. „Einen Teil der Früchte verwerten wir auch in der eigenen Küche“, so der Leiter der Unternehmenskommunikation, der ankündigte, das Gartendenkmal nicht zum letzten Mal für die Öffentlichkeit geöffnet zu haben.

Zur Startseite Mehr aus Vordertaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse