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Landwirtschaft: Guter Schnitt trotz Hagel, Frost und Dürre

Trockenheit, Nachtfröste und sommerlicher Dauerregen haben den Landwirten im Hochtaunus in diesem Jahr schwer zu schaffen gemacht. Hat es aber auch die Ernte verhagelt? Die ist jetzt eingefahren und es Zeit, Bilanz zu ziehen.
Das Duo auf dem Acker: Bei der Maisernte sind immer zwei Mitarbeiter des Wehrheimer Lohnunternehmens von Timo Emmerich mit schwerem landwirtschaftlichen Fahrzeugen unterwegs. Foto: Pieren Das Duo auf dem Acker: Bei der Maisernte sind immer zwei Mitarbeiter des Wehrheimer Lohnunternehmens von Timo Emmerich mit schwerem landwirtschaftlichen Fahrzeugen unterwegs.
Hochtaunus. 

Kreislandwirt Georg Kopp spricht von einer „guten Durchschnittsernte“ im Taunus. Und das ist doch schon was – angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen in diesem Jahr. Trotz verschiedener Wetterkapriolen mit einem ungünstigen Mix aus Wintertrockenheit, Frühlingsfrösten, Sommerhagel und Dauerregen könne die heimische Landwirtschaft mit den Ernteergebnissen zufrieden sein. „Mit Blick auf die globalen Extreme und Katastrophen dürfen wir uns hier nicht beschweren.“

Für seinen Heimatbezirk Ober-Erlenbach hat der Landwirt sogar einen günstigeren Witterungsverlauf als im Vorjahr registriert. „Damals hat das Getreide nicht ausreichend gewurzelt.“ Überhaupt habe sich das Wetter regional sehr unterschiedlich gezeigt – genauso wie die Ertragsqualitäten. Von manchen Ackerschlägen im Umland, so Kopp, seien Getreideeinbußen von bis zu 30 Prozent wegen Hagelschäden gemeldet worden.

Während die eigentlichen Erntewochen zur Sommermitte von Starkregen, heftigen Winden, Gewitterschauern und Hagel geprägt waren, startete die bäuerliche Saison mit der Hoffnung auf Niederschläge. „Zwischen August 2016 und April 2017 blieb es jedoch weitgehend trocken“, so Bernd Weber, Sprecher des Hessischen Bauernverbandes.

Mit dem Wonnemonat Mai kam schließlich der ersehnte Regen, dem ein heißer Juni, ein nasser Juli und allgemeine Wetterunbeständigkeit folgten. „Die Frostnacht vom 19. auf den 20. April hat im Obstbau die Blütenstände schwer getroffen und teilweise zu Totalausfällen geführt.“

Abschlag beim Weizen

Dennoch, so Weber, liege man landesweit „immerhin um ein Prozent über dem Fünf-Jahres-Schnitt“. In ganz Hessen betrage das aktuelle Volumen der landwirtschaftlichen Erträge rund 2,07 Millionen Tonnen, im Vorjahr konnten 1,96 Millionen Tonnen gewogen werden. Zum Vergleich: Das gesamtdeutsche Getreideaufkommen ist 2017 mit 44,5 Millionen Tonnen angegeben – eine Zahl, die Weber als „ein Prozent des weltweiten Bestandes“ definiert.

Der Weizen – mittlerweile die vorherrschende Ackerfrucht – erreichte nur selten „Backqualitäten“, musste vielmehr als „Futterweizen“ vermarktet werden. Was laut Bernd Weber zu „empfindlichen Preisabschlägen“ geführt habe. Letzte Notierungen besagen, dass der Brotweizen für etwa 146 Euro je Tonne gehandelt wird, die Futtervariante liegt bei 141 Euro je Tonne. „Ein unwirtschaftliches Preisniveau.“

Während die Anbaugrößen von Roggen, Gerste und Hafer immer stärker zurückgehen, gewinnen Raps und Mais an Terrain. „Der Winterraps hat im trockenen Frühjahr gelitten und sich dann nur noch schwach entwickelt.“ Die gerade beendete Mais-Ernte wird dagegen mit „relativ gut“ gekennzeichnet.

Was dem Mähdrescher-Fahrer ein Graus, ist dem Grasmäher eine Freude: Aufgrund des dauerberegneten Monats Juli – für den Deutsche Wetterdienst einer der zehn feuchtesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 – waren in dieser Saison auf dem Grünland bis zu vier Schnitte möglich. Silage, Heu und Grummet dürften im kommenden Winter die Scheunen und Hallen jedenfalls in ausreichendem Maße füllen.

Derzeit ist die Ernte der Zuckerrüben noch im Gange. Unterbrochen von Regenfällen – die Logistik der 2017er Maschineneinsätze wird allgemein als Herausforderung bezeichnet – ist im Ober-Erlenbacher Revier erst die Hälfte abtransportiert.

„Die Menge ist recht gut, der Zuckergehalt aber nicht so doll“, sagt Georg Kopp, der alljährlich etwa 20 Hektar Rüben anbaut. Eine Blattkrankheit habe sich negativ ausgewirkt. Auch Kartoffeln gibt es reichlich – „da hat beim Roden nur die nasse Witterung gestört“.

Für Albert Kunna, der in Nieder-Erlenbach eine Gärtnerei in vierter Generation betreibt, war das Jahr bislang „ein mittelmäßiges“. Weil damals die 50 Hektar große Gemüse-Anbaufläche noch von Vliesen bedeckt war, konnten sich die Nachtfröste im April nicht verheerend auswirken. „Und unsere Freilandrosen haben wir frostschutzberegnet, da mussten die ersten Triebe geschützt werden.“

Als Selbstvermarkter liefert Kunna rund 80 Prozent seiner Ernte an den Rewe-Standort nach Rosbach. Der sommerliche Hagelschlag konnte dem Sortiment aus Kopfsalat, Sellerie, Weiß-, China- und Rotkohl ebenfalls nichts anhaben – „im Gegensatz zu früher haben wir heute überall engmaschige Schutznetze ausgespannt“. Kein Vergleich also zu dem „allerschlimmsten Jahr 2006“, in dem ein „Mini-Tornado“ einen totalen Ernteausfall in der Nieder-Erlenbacher Gemarkung nach sich gezogen hat.

Es regiert der marktübliche Preis. 2017 sei da ein durchschnittliches Jahr. „Nur der Chinakohl hat sich stark verkauft.“ Noch sind die Erntearbeiten auf den Gemüseäckern nicht abgeschlossen: Bis kurz vor Weihnachten kann Gemüse eingebracht werden. „Beim Weißkohl packen wir jeden Tag knapp 300 Kisten zu je 10 Kilo“, so Albert Kunna.

Obwohl das nun dem Herbst zuneigende Jahr mit seinen Launen und Wetterwendigkeiten wenig Befürworter gefunden hat, kann es kein Alleinstellungsmerkmal für sich beanspruchen.

Rückblick auf 2007

Schafzüchter und Lokalhistoriker Robert Velte aus Wehrheim dokumentiert seit langer Zeit, was der Wettergott den Erdbewohnern zumutet. Die Aufzeichnungen des Jahres 2007 liegen offen. Ende März wird festgestellt, dass „der Winter kein Winter war“. Wegen ausbleibender Niederschläge droht das Grasland „auf dem Halm zu vertrocknen“.

Zum 7. Juli 2007 ist schließlich zu lesen: „Einer der wenigen Tage der vergangenen sechs Wochen ohne Regen.“ Fünf Tage später wird das erste Gras gemäht. Schon am 17. Juli gilt die Heuernte als beendet – „es war eine Hetze“. Wenige Stunden nur, dann folgen erneut ausdauernde Niederschläge einer schwülen, gewittrigen Hitze.

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