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Der "deutsche Elvis": Harald Klobetanz ist Ted Herolds größter Fan

Peter Kraus kennt heute noch jeder, doch der wirkliche „deutsche Elvis“ war Ted Herold. Der gebürtige Hamburger ist in Bad Homburg aufgewachsen. Hier lebt auch sein wohl größter Fan: Harald Klobetanz hat in seinem Partykeller Schallplatten und Sammlerstücke seines Idols gehortet.
Schallplatten, CDs und Zeitungsartikel: Der Partykeller von Harald Klobetanz ist voll von Sammlerstücken. Schallplatten, CDs und Zeitungsartikel: Der Partykeller von Harald Klobetanz ist voll von Sammlerstücken.
Bad Homburg. 

Es dauerte nicht lange, bis die deutsche Musikbranche damals Ende der 50er Jahre begriff, welches Marktpotenzial mit Elvis Presley und seiner Musik verbunden war. Mit Peter Kraus war der Erste gefunden, der hierzulande Elvis imitieren sollte. Aber bei aller Wertschätzung für Peter Kraus: Als Rock ’n’ Roller wurde er nie richtig ernst genommen.

Es gab einen damals erst 17-jährigen Bad Homburger namens Harald Schubring, der das Wilde, Aufmüpfige, die ältere Generation Schockierende viel besser rüber brachte. Er nahm den damals erfolgreichen Schlager „Pack die Badehose ein“ von Cornelia „Conny“ Froboess wörtlich und trat in einer solchen im Bad Homburger Seedammbad erstmals öffentlich auf.

Rock ’n’ Roll auf Vinyl: Ted Herold erlebte ein Comeback in den 70ern. Da wurden seine Aufnahmen von damals wiederveröffentlicht. Bild-Zoom
Rock ’n’ Roll auf Vinyl: Ted Herold erlebte ein Comeback in den 70ern. Da wurden seine Aufnahmen von damals wiederveröffentlicht.

Das kam an, und es waren die richtigen Leute dabei, die sein Potenzial erkannten und ihm einen Plattenvertrag anboten.

Ohne dass er gefragt wurde, verpassten ihm die Plattenbosse den Namen „Ted Herold“ und ließen ihn mit gecoverten Elvis-Songs und dem berühmten Hüftschwung auf das deutsche Publikum los. Und es funktionierte. Gute Plattenumsätze, ausverkaufte Tourneen mit der Max-Greger-Band und Mitwirkung in zahlreichen Musikfilmen machten ihn zu einem Teenager-Idol, das ausgerechnet mit einem sanften Titel namens „Moonlight“ einen No. 1-Hit in den Charts hatte. 500 000 Singles wurden verkauft. Für echte Ted Herold Fans zeigte der Song „Ich bin ein Mann“ den wahren Ted, aber der wurde von vielen Radiostationen boykottiert. Was heute absolut lächerlich erscheint: Der Text erschien vielen zu erotisch.

Wehrdienst in Wetzlar

Für Ted Herold kam mit der Unterbrechung durch den Wehrdienst Anfang der 60er, den er in Wetzlar ableistete, auch die große Konkurrenz der Beat- und Rock-Bands dazu. Solokünstler waren bei seiner Zielgruppe nicht mehr gefragt. Er baute sein Leben erfolgreich um, brachte es bis zum Meister als Fernsehtechniker und führte bis zum Jahr 1977 ein ziviles Dasein. Damals im Juli rief ihn Udo Lindenberg an, der auch in seiner Jugend Ted Herold-Fan war, und bat ihn um Mitwirkung bei einem seiner Alben „Panische Nächte“. Das war eine Initialzündung für ein unerwartet erfolgreiches Comeback von Ted Herold.

Unverkäuflich: Die Original-Gitarre von Ted Herold. Bild-Zoom
Unverkäuflich: Die Original-Gitarre von Ted Herold.

Anfang der 80er hatte Herold sechs Charts-Erfolge in Serie, erhielt zahlreiche Ehrungen und war immer wieder in den Medien präsent. Nicht nur als Repräsentant des guten alten Rock ’n’ Roll, sondern auch als Prominenter so beispielsweise bei der „Versteckten Kamera“, in Alfred Bioleks Kochshow, als Talk-Gast Frank Elstners bei „Menschen der Woche“ und sogar als Stargast in der „Lindenstraße“.

Ted Herold-Fans wurden mit ihm älter, halten ihm aber nach wie vor die Treue. Auch viele Homburger, aus der Stadt, in der alles begann. Wir haben uns bei Zeitzeugen umgehört, die erzählen, was der Homburger Hitparadenstürmer heute für sie persönlich bedeutet.

Ich kenne zwar das Archiv des hessischen Rundfunks im Bereich Schlager-Pop-Rock nicht, kann mir aber kaum vorstellen, dass ein solches umfangreicher ist als das, was Harald Klobetanz in seinem Party-Keller in Bad Homburg zu bieten hat.

Die Original-Gitarre

Das Hauptgewicht seiner „Schätze“, sprich Autogrammkarten, Poster, Schallplatten und CDs, liegt, wie es sich für einen echten Homburger gehört, auf unserem hiesigen Rock-Idol Ted Herold. Da fehlt fast nichts, was über den „deutschen Elvis“ je geschrieben, gedruckt oder in Platten gepresst wurde. Sogar die Original-Gitarre aus Teds Anfangsjahren hat er im Archiv, wie er sagt „natürlich unverkäuflich“.

Max Greger (Mitte) war auf Tournee mit Ted Herold (rechts). Mit dabei immer auch sein Kumpel Joe Möller. Bild-Zoom
Max Greger (Mitte) war auf Tournee mit Ted Herold (rechts). Mit dabei immer auch sein Kumpel Joe Möller.

Sein drei Jahre älterer Bruder, Harald Klobetanz ist heute 68, brachte damals Ende der 50er, Teds erste Single mit nach Hause, Titel: „Ich brauch’ keinen Ring“. Der junge Harald war infiziert und erzählt: „Im Gegensatz zur Musik, die meine Eltern damals hörten, war das was Sensationelles, das mich packte. Von da an hat Ted und seine Musik mein ganzes Leben begleitet.“

Die Zeit, als Ted zum Wehrdienst einberufen wurde und danach für längere Zeit aus dem Showgeschäft verschwunden war, muss für Klobetanz nicht einfach gewesen sein. Aber Ted Herold kam zurück, und die Geschichte, wie der Edelfan nach langer Abstinenz wieder etwas von seinem Idol hörte, klingt wie aus einem kitschigen Film: „Ich war mit meiner Frau, gebürtige Griechin, auf der Rückreise von einem Griechenland-Urlaub. Das Autoradio lief und plötzlich klang Teds Comeback-Song: ,Ich bin wieder zu Haus’. Noch bevor ich dann zu Hause angekommen die Koffer ausgepackt hatte, war ich im Plattenladen und besorgte mir die Neuerscheinung.“

Beim letzten Live-Auftritt Ted Herolds in Bad Homburg, 2006 beim Sportlerball im Kurhaus, war Klobetanz natürlich dabei, sogar in offizieller Funktion, er war jahrzehntelang technischer Leiter der Kur- und Kongress GmbH. Sein größter Wunsch: Ted Herold tritt noch einmal in Homburg auf.

Joe Möller, einst war er Roadie bei Ted Herold. Bild-Zoom
Joe Möller, einst war er Roadie bei Ted Herold.

Autogrammkarten-Sammler gibt es jede Menge. Ebenso haben viele Foto-Alben ihres Idols angelegt. Bei Hans-Joachim, genannt „Joe“, Möller hat das alles noch eine besondere Bedeutung. Denn die Fotos der Stars aus der Zeit zwischen 1958 und 1962 hat er selbst geschossen. Seine Aufnahmen wurden als Autogrammkarten ausgedruckt und auch oft als Plattencover verwendet. Er war und ist begeisterter (Hobby-) Fotograf, und als solcher kam er auch in Kontakt mit dem gleichaltrigen Ted Herold in Bad Homburg. Es entwickelte sich eine Freundschaft. Joe Möller war nicht nur Fotograf für den damaligen Teenager-Star, sondern auch Betreuer. Heute würde man „Roadie“ dazu sagen. Möller ging mit Ted auf Tournee durch halb Europa, meist mit der Max-Greger-Band. Er nahm ihm viel ab, was unterwegs organisatorisch zu erledigen war. Wenn es sein musste, stieg er mitten in der Show auf die Bühne und brachte Ted eine neue Gitarre.

Mit dem Motorroller

In der Anfangszeit, Joe war fünf Monate älter und hatte den Führerschein, tingelten sie auf einem Motorroller zu Auftritten in der Nähe. Möller erinnert sich: „Ich fuhr, Ted auf dem Soziussitz, die Gitarre quer zur Fahrtrichtung. So kamen wir an einer Konzerthalle irgendwo in Hessen an. Conny Froboess, der damalige weibliche Teenagerstar, lachte sich fast kaputt, als der „deutsche Elvis“ so anrollte. Sie selbst war wahrscheinlich mit Chauffeur in einer Luxuslimousine angereist.“

Nach anstrengenden Tourneen erholten sich die beiden oft bei Möllers Eltern in der Nassauer Straße in Bad Homburg. Möller erinnert sich: „Ted liebte alles, was meine Mutter kochte.“

Ted Herolds Autogrammkarte. Bild-Zoom
Ted Herolds Autogrammkarte.

Die Bundeswehrzeit und der anschließende Rückzug aus dem Showgeschäft rissen das erfolgreiche Duo Ted und Joe auseinander. Bei Teds Comeback stand Möller nicht mehr zur Verfügung. Er hatte inzwischen Familie, Frau und Tochter, und sich als Unternehmer erfolgreich selbstständig gemacht: Der Name „Möller Miele Kundendienst“ ist in der Region heute noch ein Begriff. Bei Auftritten in der Nähe besucht Ted aber immer wieder seinen alten Freund Joe.

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