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"Jede Investition ist gerechtfertigt": Heilbäder-Studie: Gesundheitsangebote ziehen vermehrt Touristen an

Von Mit beeindruckenden Zahlen legte der Hessische Heilbäderverband in Bad Homburg vor, welchen positiven Einfluss die Gesundheitsbranche auf die Entwicklung von Kurstädten hat. Deren Infrastruktur komme vielen Menschen zugute.
Die griechische Göttin Hygieia, zuständig für Gesundheit, wacht im Bad Homburger Kurpark über die Brunnenallee. Dort wandeln viele Besucher, die in der Kurstadt Geld lassen. Die griechische Göttin Hygieia, zuständig für Gesundheit, wacht im Bad Homburger Kurpark über die Brunnenallee. Dort wandeln viele Besucher, die in der Kurstadt Geld lassen.
Hochtaunus. 

Der Taunus mit seinen sanften Hügeln beherbergt besonders viele der 31 Kurorte und Heilbäder in Hessen. Und diese ziehen vermehrt Besucher an, wie der Hessische Heilbäderverband in einer Studie herausgefunden hat. Hessenweit haben die Orte mit Gesundheitsprädikat zwischen Januar und Juni dieses Jahres mehr als 4,8 Millionen Übernachtungen verbucht, das sind rund 30 Prozent der 16,2 Millionen Übernachtungen in hessischen Beherbergungsbetrieben insgesamt.

Auch Bad Homburg profitiert nach wie vor stark von seinen Kurgästen. Die Hälfte der rund 540 000 Übernachtungen, die 2016 in der Kurstadt gezählt wurden, hätten die vier Kurkliniken beigetragen, erklärte Kurdirektor Ralf Wolter, und in den ersten sechs Monaten dieses Jahres deute sich eine Steigerung von acht Prozent an. Die Klinken wiesen alle sehr gute Ergebnisse aus, ergänzte Spielbank-Prokurist Holger Reuter, der zudem Mitglied im Vorstand des Heilbäderverbands ist: „Sie waren im vorigen Jahr zu 85 Prozent, die Klinik Dr. Baumstark sogar zu 91 Prozent ausgelastet“, sagte er.

Königstein konnte im vergangenen Jahr 252 451 Übernachtungen verbuchen. Das sei zwar im Vergleich zu den Vorjahren ein kleiner Rückgang, der in der Schließung dreier kleinerer Hotels begründet sei, wie Beate Grossmann-Hofmann, Leiterin des Fachdienstes Kultur, erklärte. Jedoch habe der heilklimatische Kurort mehr Gäste gehabt als noch zwischen 2008 und 2010. „Wir haben nicht nur unsere fünf renommierten Fachkliniken, sondern auch eine Menge Privatvermieter“, so Grossmann-Hofmann – diese werden in vielen Statistiken nicht mitgezählt. Viele weitere Gäste kämen zu Tagesausflügen. „Denn trotz des Verkehrs auf der B 8 gelangen erfrischende Winde aus dem Taunus in unseren schön gelegenen Ort.“

Vom Tourismus leben

Welchen ökonomischen Stellenwert haben Kur und Tourismus für die Heilbäder und Kurorte? Diese Frage wollte der Verband in der jetzt vorgelegten, erstmals erstellten Studie beantworten. Die Antwort ist zufriedenstellend: „Die hessischen Heilbäder haben eine enorme wirtschaftliche Potenz“, sagte der Vorsitzende des Verbands, Volker Zimmermann. Kur und Tourismus seien für die Heilbäder ein maßgeblicher Wirtschaftsfaktor.

9,8 Millionen Übernachtungen gab es 2016 in ganz Hessen. Die Gäste gaben in den Städten durchschnittlich 53,80 Euro pro Tag aus, rechnete Dr. Manfred Zeiner vor, Geschäftsführer des Deutschen Wissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr (dwif), das die Studie erstellt hat. Daraus ergeben sich 2,2 Milliarden Euro Bruttoumsätze hessenweit, die ein Einkommen von 1,15 Milliarden generierten.

Wie kein anderer Wirtschaftszweig wirke sich das Gesundheitswesen auch auf andere Branchen aus. Das lasse sich auch an den Arbeitsplätzen der jeweiligen Orte ablesen. Vom Lieferanten bis zum Steuerberater erhielten diese insgesamt über 1,2 Milliarden Aufträge pro Jahr. „Knapp 40 000 Menschen können voll vom Tourismus leben“, so Zeiner, weitere Personen anteilig.

Einzelergebnisse für die jeweiligen Kurstädte weist die Studie nicht aus, jedoch sei klar, so Zimmermann, dass es da große Unterschiede gebe. Während Bad Homburg glänzt, muss Gladenbach (Landkreis Marburg-Biedenkopf) sein Prädikat zurückgeben, weil es die Voraussetzungen als Kneippheilbad nicht mehr erfüllen könne, so dass es kommendes Jahr nur noch 30 Heilbäder in Hessen geben wird.

Auch Gesunde kommen

„Heilbäder halten eine enorme Infrastruktur vor“, so Zimmermann, der als Bürgermeister von Bad Wildungen weiß, wie dies den städtischen Haushalt belastet. 1,45 Millionen Übernachtungen hatte der große Kurort in Nordhessen 2016, 80 Prozent davon in den 19 Kurkliniken. „Und nur eine davon zahlt Gewerbesteuer.“ Die Investitionen seien gerechtfertigt, und seine Stadt sei dank des Kurbetriebs sogar gewachsen. Grundstücke verkauften sich sehr gut, und viele Ältere verlegten ihren Erstwohnsitz in den Ort mit dem großen Gesundheits- und Unterhaltungsangebot. Auch Homburgs Kurdirektor Wolter ist dankbar, dass in der Kurstadt in den vergangenen Jahren in Infrastruktur investiert worden sei, unter anderem in den Bahnhof.

Verbandsgeschäftsführerin Almut Boller betonte die Bedeutung der Heilbäder nicht nur für Personen, die in den Kurkliniken die Linderung eines Leidens erhoffen, sondern auch für Familien und Gäste, die in Kurorte kommen, um präventiv eine Auszeit zu nehmen. „Kleine Fluchten helfen Körper und Geist, die Seele wieder ins Gleichgewicht zu bringen“, sagt Boller. Angebote für jeden Geldbeutel gebe es in den Kurorten genug. Auch hätten diese ein großes Kulturangebot, das auch die Einwohner nutzen könnten. „Langweilig wird es da nicht.“ Viele Menschen suchten auch nach natürlichen Heilmitteln wie Kneippen oder Wandern in guter Luft.

Die Kurorte versuchen, sich neue Kundenschichten zu erschließen. Deshalb bietet der Heilbäderverband am 3. Oktober einen Aktionstag in einigen Heilbädern an (siehe Text rechts).

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